Von Frau zu Frau

Drei schöne erwachsene Töchter zu haben ist der von Diane Keaton gespielten Mutter in Michael Lehmanns Komödie nicht genug. Auch zu ihnen passende Schwiegersöhne sollen es sein. Im Fall ihres jüngsten Spross nimmt Mutter Daphne die Wahl selbst in die Hand – ohne dass die Tochter es merkt. So nett die Idee dieses etwas anderen Date-Movies für Frauen sein mag, so übertrieben und verbissen legt Keaton ihre Figur an. Das Ergebnis ist reichlich Hysterie und erzwungene Komik.

Webseite: www.vonfrauzufrau-derfilm.de

OT: Because I said so
USA 2007
Regie: Michael Lehmann
Darsteller: Diane Keaton, Mandy Moore, Gabriel Macht, Tom Everett Scott, Lauren Graham, Piper Perabo, Stephen Collins
102 Minuten
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 2.7.2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die Kinder sollen es schließlich mal besser haben als man selbst. Mit dieser Zielvorgabe vor Augen vergessen manche Eltern allerdings, dass ihr Nachwuchs vielleicht gerne ein Leben mit eigenen Entscheidungen treffen möchte. Und oft verbirgt sich ja auch hinter dem Wunsch das Bedürfnis, das nachzuholen, was einem in jungen Jahren selber nicht vergönnt blieb. Vor diesem Hintergrund ist nun die amerikanische Hollywood-Komödie „Because I said so“ von Michael Lehmann („Lügen haben kurze Beine“) angelegt. Die seit langem schon geschiedene Mutter Daphne Wilder (Diane Keaton) will darin ihre jüngste, noch nicht verheiratete Tochter Milly (Mandy Moore) endlich in guten Händen wissen. Über eine Internet-Partneragentur leiert sie die Vorauswahl der Kandidaten an und arrangiert ohne das Wissen der Tochter Rendezvous.

Dass Milly sich dann eine ganze Zeit lang parallel mit gleich zwei potenziellen Schwiegersöhnen trifft – dem adretten Architekten Jason (Tom Everett Scott) und dem Musiker Johnny (Gabriel Mann) – ist wohl mehr der Komik der Sache selbst denn einer glaubhaften Beziehungsentwicklung geschuldet. Oder glaubt wirklich jemand, dass es Frauen gibt, die gleichzeitig mit zwei Partnern Heiratspläne schmieden? Und selbst wenn sie es täten: würde eine solche Frau dann auch abwechselnd mit diesen beiden Männern schlafen. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis einer der beiden Männer das unreflektierte Spiel durchschaut.

Dass Milly nur ein sehr vager Charakter mit wenig Eigenleben, dafür einem kaum stillstehenden Mundwerk und einem als Kuriosum immer wieder ins Feld geführten Lachgrunzen im Stil einer Hyäne bleibt, wundert nicht. Zu dominant ist die Mutter, zu rechthaberisch, was sich auch im Originaltitel „Because I said so“ bereits spiegelt. Der deutsche Titel „Von Frau zu Frau“ dagegen suggeriert eher Gespräche auf gleicher Augenhöhe, was allenfalls die älteste, aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit als Psychologin arbeitende Schwester (Lauren Graham) noch hinbekommt. Dass die im Original schon als übertrieben und affektiert wirkende Sprache von Mutter und Tochter, dieses oft erzwungene, die weißen Zähne zum Vorschein bringende Lachen von Diane Keaton und ihr fast schon peinlich-hysterisches und als Stereotyp angelegtes Gehabe zu viel des Guten sind, es lässt sich nicht bestreiten. Weiß der Himmel, warum man der Figur Daphnes nicht sympathischere Züge verliehen hat.

Ein witziger Kniff in Richtung Läuterung der Mutter ist immerhin, dass auch sie endlich bekommt, was ihr als Frau ein ganzes Leben lang in sexueller Hinsicht verwehrt geblieben ist. Ausgerechnet der Vater jenes Brautbewerbers, den Daphne nicht auf ihrer Wunschliste für Milly hatte, verdreht nun ihr den Kopf – und macht sie für einen kurzen Moment sprachlos. Der Besetzungsclou dabei: den Vater spielt Stephen Collins, der schon in der Frauenkomödie „Club der Teufelinnen“ den Mann von Diane Keatons Figur mimte. Ansonsten werden in diesem insgesamt netten, aber leider auch belanglosen Film auffällig viel Soufflés und Torten gebacken. Die brauchte es wohl auch dazu – Achtung: lustig – sie Daphne ins Gesicht zu drücken.

Thomas Volkmann