„Eigentum verpflichtet“, heißt es. Aber verpflichtet auch „erben“? Und wenn ja, in welcher Form. Mit der Frage befasst sich Dokumentarfilmer Simon Baumann, der mit „Wir Erben“ einen Blick auf sich selbst, aber auch seine Familie wirft. Denn seine Eltern stellen die Frage zur Disposition, was mit ihrem ökologischen Hof in Frankreich passieren soll, wenn sie einmal nicht mehr sind oder vielleicht auch nicht mehr können.
Über den Film
Originaltitel
Wir Erben
Deutscher Titel
Wir Erben
Produktionsland
CHE
Filmdauer
96 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Fahrer, Dieter
Regisseur
Baumann, Simon
Verleih
mindjazz pictures UG
Starttermin
23.04.2026
„Einen Hof in der Familie zu haben, ist ein Privileg“, sagt Ruedi Baumann, der in der Schweiz lange Zeit Vorsitzender der Grünen war, während seine Frau als Nationalrätin für die SP aktiv war. Im Jahr 2001 zogen sie sich von der Politik zurück und gingen nach Frankreich. Dort bewirtschaften sie einen 70 Hektar großen Hof, aber nun stellt sich die Frage: Wie lange können sie das noch tun. Am liebsten wäre ihnen, einer der Söhne würde übernehmen, aber Kilian hat schon den Hof in der Schweiz übernommen und Simon ist ein Filmemacher geworden, der sich nicht als Landwirt sieht. Als es darum geht, über die Möglichkeiten zu sprechen, macht Simon das Drehen eines Dokumentarfilms zur Bedingung.
„Wir Erben“ befasst sich mit der Frage, was „erben“ eigentlich heißt. Wo die soziale Verantwortung und Gerechtigkeit darin liegt, insbesondere in Zeiten, in denen wenige Vermögen haben und andere qua Geburt und dann Erbe an solches geraten. Der Film zeigt dabei durchaus auch eine Doppelmoral, denn in die Überlegungen fließen auch steuerliche Fragen ein. Oder besser: Fragen, wie man Steuern möglichst vermeiden kann. Aber das allein ist es nicht. Es geht ebenso sehr darum, dass Lebensentwürfe aufeinanderprallen.
Die Baumanns würden gerne sehen, dass ihr Hof in der Familie bleibt, aber der eine Sohn kann ihn nicht bewirten, der andere möchte nicht. Weil das Leben dort auch von Einsamkeit geprägt ist, weil die Annehmlichkeiten fehlen, aber auch Basisdinge wie eine gute medizinische Versorgung. So dreht sich der Film immer um Wünsche und Hoffnungen, aber auch um das Prahlen auf die Realität. Etwas zu vererben, ist schön, etwas zu erben sicherlich auch, aber sowohl das eine als auch das andere geht mit einer gewissen Verantwortung einher.
Aber dem Regisseur ist auch bewusst, dass er privilegiert ist, dass er aufgrund seiner familiären Voraussetzungen einen Beruf wählen konnte, der in vielen Fällen einfach prekär ist. Er ist darum hin und hergerissen: Erben und besitzen oder doch lieber alles vorab schon verschenken? Seine Eltern sind pragmatischer, sind für Dinge wie eine Erbschaftssteuer, sehen das aber als gesellschaftliche Entwicklung – wo es sie nicht gibt, können sie sie auch nicht bezahlen. Entsprechend geht es in „Wir Erben“ nicht nur um die Frage, wer wem was hinterlässt, sondern auch, wie man das vor sich selbst rechtfertigt, wenn der moralische Anspruch an sich selbst hoch ist.
Peter Osteried







