Emily Brontës einziger Roman war bei seiner Publikation kein Erfolg, entwickelte sich aber zu einem der größten Klassiker der britischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Der Stoff wurde unzählige Male verfilmt, fürs Fernsehen, aber auch fürs Kino. Die Autorin und Regisseurin Emerald Fennell („Promising Young Woman“ und „Saltburn“) adaptierte den Roman selbst, wie viele Verfilmungen konzentriert sie sich aber lediglich auf die erste Hälfte des Romans. Was nach Cathys Tod passiert, wird auch hier ausgespart.
Über den Film
Originaltitel
Wuthering Heights
Deutscher Titel
„Wuthering Heights“ – Sturmhöhe
Produktionsland
GBR,USA
Filmdauer
136 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Fennell, Emerald
Verleih
Warner Bros. Entertainment GmbH
Starttermin
12.02.2026
Cathys Vater nimmt den Jungen Heathcliff bei sich auf, misshandelt ihn aber auch. Zwischen Heathcliff und Cathy entwickelt sich eine Freundschaft, die über die Jahre in Liebe umschlägt. Aber Cathy kann und will Heathcliff nicht heiraten, weil sie ihren Stand verlieren würde, weswegen sie sich für den reichen Edgar entscheidet, der ihr den Hof macht, der ihr aber eigentlich völlig egal ist. Heathcliff verlässt noch in der Nacht Wuthering Heights. Erst Jahre später kehrt er als gemachter Mann zurück. Er will Cathy und sie will ihn, doch dass sie beide niemals zusammen sein können, eskaliert in einer Art von Hassliebe.
Der Roman ist zwar eine der berühmtesten Liebesgeschichten, aber alles andere als eine klassische. Damals musste man ihn wohl als eine Dekonstruktion der Liebesgeschichten einer Autorin wie Jane Austen sehen, heutzutage würde man zurecht sagen, dass hier eine hochgradig toxische Beziehung zwischen zwei Menschen gezeigt wird. Das macht es schwer, in den Film hineinzukommen, denn Sympathieträger gibt es nicht. Praktisch jede Figur wird in den toxischen Sog hineingezogen, vielleicht abgesehen von Edgar. Aber gerade, wie Cathy und Heathcliff umeinanderkreisen, ist fast schon schmerzhaft. Ihre Beziehung wechselt von totaler Hingabe zu offen gezeigter Abneigung, und doch können sie nicht voneinander lassen.
Jacob Elordi und Margot Robbie sind brillant in ihren Rollen. Die Chemie stimmt, was nicht überrascht – beide kamen sich im Verlauf der Dreharbeiten näher und wurden zu einem Paar (dem es hoffentlich besser ergeht als Cathy und Heathcliff). Anfangs glauben beide Figuren noch – zumindest in ihren kühnsten Träumen –, dass ein gemeinsames Glück möglich wäre, dann verflüchtigt sich das aus Entscheidungen heraus, die zu ihrer Zeit sicherlich sinnvoll waren, aber sich hier als Fehler erweisen. Denn Heathcliff geht zwar als armer, kommt jedoch als gemachter Mann zurück. Alles hätte anders werden können, wenn Cathy an Heathcliff geglaubt hätte.
Stattdessen beharken sie sich. Es wird aus Rache geheiratet, Grausamkeit wird kultiviert, um bei der Geliebten eine Reaktion hervorzurufen, das eigene Sterben wird eingepreist, nur um am Ende in einer gewissen Weise zu obsiegen? Es sind zutiefst verkommene Figuren, die hier agieren. Man könnte sagen: Heathcliff und Cathy verdienen einander, aber diese Unfähigkeit, dem gerecht zu werden, lässt dem Schicksal seinen Lauf.
Das fängt Emerald Fennell in eindrucksvollen Bildern ein. Die Landschaften, der Nebel, dieser knorrige, verrottete Baum, der sinnbildlich für das abgestorbene Leben in Wuthering Heights steht, das alles ist visuell eine Pracht, unterlegt von Songs, die von Charlie XCX ausgesucht wurden und perfekt komplimentieren, was zu sehen ist. Fennell ging an den Film mit dem ausdrücklichen Anspruch heran, daraus „das Titanic dieser Generation“ zu machen. Ihr schwebte dabei kein werkgetreues Literaturdrama vor, sondern ein großes, emotional aufgeladenes und episches romantisches Spektakel. Aber das ist es nicht. Nichts an „Wuthering Heights“ ist romantisch, vielmehr ist dies ein Film über Liebende, die nicht zusammen sein können und darüber in eine Boshaftigkeit verfallen, mit der alle Sympathie verspielt wird.
Peter Osteried







