Filmreform – und nun?

Politisches Panel bei der Filmkunstmesse

Die Zeiten sind turbulent. In der politischen Großwetterlage ebenso wie bei der Filmpolitik. Seit Anfang 2025 ist das neue Filmförderungsgesetz (FFG) in Kraft. 2026 wurde die Insentivierung für Produzenten erhöht und die Investitionsverpflichtung soll starten. Doch schon hat die Förderung wieder Risse bekommen. Auch die Kinoförderung wurde neu aufgestellt, doch für die Kinoverbände ist die Filmreform damit noch nicht komplett.  Es gab also viel zu besprechen beim diesjährigen Panel an dem Christian Bräuer (AG Kino – Gilde, Yorck Kino GmbH), Björn Hoffmann (AG Verleih, Pandora Film), Janine Jackowski (Komplizenfilm), Holger Mann (MdB, SPD), Kirsten Niehuus (Präsidentin der FFA) und Jan-Ole Püschel (Abteilungsleiter beim BKM) teilnahmen.

Christian Bräuer berichtete vom Lumière-Summit in Südfrankreich, zu dem rund 200 führende Köpfe der Kino- und Filmwirtschaft zusammenkamen. Dort wurde unter anderem mit IRIS (International Resilience Initiative for Independent Screens) eine Initiative aus der Taufe gehoben, die unabhängige Kinos schützen und stärken soll – in der Überzeugung, dass Vielfalt nur dann zählt, wenn sie ein Publikum erreicht. Christian Bräuers Beobachtung: Viele Länder hätten den Gipfel genutzt, um sich zu positionieren und Partnerschaften zu schließen. Deutschland fehle bislang eine klare Vision. Sein Appell an die Bundesregierung: sich gemeinsam mit Frankreich und weiteren Ländern an IRIS zu beteiligen – und eine solche Vision zu formulieren.

Den Bogen schlug er zurück nach Hause. Deutschland habe mit dem Kinoprogrammpreis und „Liebling Kino“ wirksame Instrumente. Was fehle, sei ein fortgeführtes Zukunftsprogramm Kino – das Investitionsprogramm, mit dem die Häuser in Projektion, (digitale) Modernisierung, Nachhaltigkeit und Kinoerlebnis investieren könnten. Genau das werde derzeit nicht fortgeschrieben, geschweige denn aufgestockt. Seine Zuspitzung an die Politik: Haben wir Geld für die Kinos oder können wir es uns leisten, keines für sie zu haben?

Björn Hoffman sprang ihm bei: „Kino ist für Verleiher der Umsatzmotor, wir kämpfen an der gleichen Front.“

Janine Jackowski stieg mit einem entschiedenen ‚ja, aber‘ in die Diskussion ein. Das Kinojahr sei stark, ausgezeichnete Zahlen, herausragende Filme. Gleichzeitig stünden die Produzenten und, mit rund zwei Jahren Verzug, auch die Verleiher vor enormen Herausforderungen. Denn viele Finanzierungen gerade für internationale und teure Filmprojekte funktionierten derzeit nicht mehr. Sie verwies auf die bereits überzeichneten DFFF und GMPF-Mittel.

Jan-Ole Püschel (BKM) widersprach nicht, verwies aber auf die begrenzten Mittel des Bundeshaushalts. Die zentrale Herausforderung sei, das System so nachzujustieren, dass eben ganz bestimmte Projekte Unterstützung fänden und nicht etwa Finanzierungsaufgaben der TV-Sender übernommen würden.

Kirsten Niehuus machte die ‚Entbürokratisierung‘ zu ihrem Thema: Anträge müssten leichter zu stellen und schneller entschieden werden, die Auszahlung zügiger erfolgen. „Keep it simple“ und im Zweifel auch Vertrauen vor Kontrolle.

Auch die Künstliche Intelligenz war Thema. Recht einhellig war das Panel der Ansicht, dass KI beides sei: Chance und Risiko. Christian Bräuer betonte für die Arthousekinos, dass sie in erster Linie Partner von ‚von Menschen gemachter Kunst‘ seien.

Die Panels in der Handelsbörse werden live auf www.filmkunstmesse.de übertragen, stehen aber auch als Aufzeichnungen zum nachschauen zur Verfügung unter dem Menüpunkt LIVE.

Auf dem Panel diskutierten (vorne v.l.n.r.) Janine Jackowski (Komplizen Film), Christian Bräuer (AG Kino – Gilde), Moderatorin Nhi Le, (dahinter v.l.n.r.) Holger Mann (MdB, SPD), Jan-Ole Püschel (Abteilungsleiter beim BKM), Kirsten Niehuus (Präsidentin der FFA) und Björn Hoffmann (AG Verleih)

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