Dance Fight Love Die – Unterwegs mit Mikis Theodorakis

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Wenn man so will dauerte die Arbeit an der Doku „Dance Fight Love Die“ drei Jahrzehnte. Denn seit 1987 begleiteten die Macher den Ausnahmekünstler Mikis Theodorakis mit der Kamera. Theodorakis – das ist der bekannteste griechische Komponist des 20. Jahrhunderts, der mit seiner Filmmusik zu „Alexis Sorbas“ weltweit bekannt wurde. Regisseur Asteris Kutulas kreiert aus dem außergewöhnlichen, facettenreichen Archivmaterial eine betörende Collage aus mal öffentlichen, mal privaten Momentaufnahmen. Das Fehlen jeglicher Hintergrundinfos und einordnender Kommentare, setzt beim Betrachter allerdings Kenntnis der Materie voraus.

Webseite: www.dejavu-film.de

Griechenland, Deutschland 2017
Regie: Asteris Kutulas
Drehbuch:  Asteris und Ina Kutulas
Darsteller: Mikis Theodorakis, Sandra von Ruffin, Stathis Papadopoulos, Carlos Rodriguez
Länge: 90 Minuten
Verleih: déjà-vu film
Kinostart: 10.05. 2018

FILMKRITIK:

Der heute 82-jährige Mikis Theodorakis wird in seiner Heimat wie ein Volksheld verehrt. Über 1000 musikalische Werke hat der auf der Halbinsel Peloponnes lebende Künstler bis heute geschaffen. Außerhalb Griechenlands machten ihn vor allem die Soundtracks zu Film-Klassikern wie „Alexis Sorbas“, „Serpico“ oder „Z“ bekannt. Abseits der Bühne und Konzerthäuser betätigte er sich seit den 60er-Jahren zudem erfolgreich als Politiker. Mehrfach wurde er ins Parlament gewählt und in den frühen 90er-Jahren war er als Minister ohne Geschäftsbereich sogar Teil der Regierung. Das dokumentarische Roadmovie „Dance Fight Love Die“ widmet sich ausgiebig Theodorakis‘ Kunst und der Privatperson dahinter.

Regie führte Theodorakis‘ langjähriger Freund, Produzent und Konzertveranstalter Asteris Kutulas, der den Komponisten von 1987 bis 2017 immer wieder mit der Kamera begleitete. Für seinen Film standen Kutulas rund 600 Stunden Bild- und Tonmaterial zur Verfügung. Seit den 90er-Jahren organisiert er zudem weltweite Großevents sowie Konzerte internationaler Künstler wie Sting oder der Kelly Family. Außerdem ist er als Autor und Publizist tätig. Seine Premiere erlebte „Dance, Fight, Love, Die“ bei den Hofer Filmtagen 2017. Dort wurde die Produktion für den Dokumentarfilmpreis „Granit“ nominiert.

„Dance, Fight, Love, Die“ ist weder eine herkömmliche Musik-Doku noch eine klassisch aufgebaute Biographie mit Künstler-Interviews, Erklärungen und dem gängigen chronologischen Aufbau. Auf all diese Elemente verzichtet Regisseur Kutulas. Er setzt beim Zuschauer stattdessen Vorwissen voraus und erwartet, dass man sich mit der Kunst von Theodorakis befasst hat oder zumindest die wichtigsten Werke kennt. Es gibt weder erklärende Einblendungen noch einordnende Off-Erläuterungen, die über Theodorakis und sein Oeuvre informieren. Das kann man als wenig Zuschauer-freundlich ansehen oder aber als konsequent. Auf jeden Fall jedoch als Herausforderung, sich voll und ganz auf das assoziative Werk und den beeindruckenden Musiker einzulassen.

Denn Kutulas entwirft eine herausfordernde Mischung aus Zeitdokument, kunstvollem Essay und rasant geschnittener Bilderflut. Den Schwerpunkt bilden die vielen – teils sehr persönlichen – Momente und Szene, die Theodorakis bei seinen Tourneen, (Privat-) Reisen und Produktionen zeigen. Kutulas drehte über die Jahre an 100 verschiedenen Orten auf vier Kontinenten. Diese Vielfalt spiegelt sich auch im Film wieder: man sieht Theodorakis bei Proben und Auftritten in der Schweiz, in Israel, Deutschland,  den USA, Südafrika, Australien oder auch Chile. All diese Aufnahmen zeigen einen stets hoch konzentrierten, perfektionistischen Komponisten in seinem Element, der die Musik in jeder Ader fühlt. Diese Aufnahmen werden durch Spielszenen ergänzt, in denen Schauspieler die Inhalte der Sinfonien, Opern und Kantaten visualisieren.

Die Tatsache, dass sich Regisseur und Protagonist so gut kennen und nahe stehen, erweist sich für den Film als Glücksgriff. Denn so kommt Kutulas dem Jahrhundertkomponisten auch in intimen, privaten Augenblicken immer sehr nah: ob hinter der Bühne, in der Maske, beim Entspannen im Hotelbett oder beim gemütlichen Plausch mit Freunden. Schade ist, dass Theodorakis‘ filmmusikalische Tätigkeiten etwas zu kurz kommen. Weder sind besonders viele Beispiele seiner berühmten Scores zu hören, noch sieht man ihn bei seiner Arbeit an den Werken. Und wenn doch, dann weiß man es aufgrund der fehlenden Texteinblendungen und Hinweise schlicht nicht.

Björn Schneider