Das formal wie musikalisch exzellent inszenierte Biopic von über Michael Jackson spiegelt weniger seine Persönlichkeit, sondern beschränkt sich chronologisch auf seinen Werdegang im Schatten des jahrzehntelangen Kampfes gegen eine übermächtige Vaterfigur.
Antoine Fuqua („Training Day“) hat einen durchaus unterhaltsamen, spannenden Film nach dem Drehbuch von John Logan („Gladiator“) inszeniert, der Michael Jackson vor allem als Märtyrer im Auftrag der Kunst zeigt.
Über den Film
Originaltitel
Michael
Deutscher Titel
Michael
Produktionsland
GBR, USA
Filmdauer
127 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Branca, John / King, Graham / McClain, John
Regisseur
Fuqua, Antoine
Verleih
Universal Pictures International Germany GmbH
Starttermin
22.04.2026
Mit „Michael“ nähert sich der gewiefte Action-Regisseur Antoine Fuqua einer der schillerndsten, widersprüchlichsten und zugleich prägendsten Figuren der Popgeschichte – und tut dies mit spürbarem Respekt, der schon an Verehrung grenzt und den früh verstorbenen Popstar zur beinahe gottgleichen Märtyrerfigur stilisiert. Das Ergebnis ist ein Biopic, das weniger als lineare Erfolgsgeschichte funktioniert, sondern mehr als Annäherung an einen Künstler, dessen Leben zwischen Genie und Unterdrückung oszillierte.
Der Film folgt Michael Jackson von den frühen Jahren als Kinderstar der „Jackson Five“, der unter den Dressurversuchen und Züchtigungen seines von Ehrgeiz zerfressenen Vaters mehr leiden musste als seine Brüder, über den kometenhaften Soloaufstieg bis zur endgültigen Abnabelung vom Vater. Dabei versucht das Drehbuch bewusst Schwerpunkte zu schaffen, die weniger mit dem Innenleben des Stars als mit seiner öffentlichen Darstellung bzw. Zurschaustellung zu tun haben. Schon früh wurde Michael Jackson zur Projektionsfläche für Erwartungen, Bewunderung und Neid. Wie einsam er war, wird im Film ebenso deutlich wie seine künstlerische Entwicklung. Ikonische Momente – von „Thriller“ bis „Billie Jean“ – werden nicht nur rekonstruiert, sondern als kreative Schlüsselmomente inszeniert, die Jacksons Innovationskraft greifbar machen.
Der Film, der in Zusammenarbeit mit Michael Jacksons Familie entstand, bemüht sich sehr offensichtlich, die dunkleren Kapitel zu übergehen – freundlich ausgedrückt. Im Hintergrund stand wohl auch eine juristische Vereinbarung aufgrund von Missbrauchsvorwürfen, die dazu führten, dass das Drehbuch noch einmal stark geändert werden musste und ein umfangreicher Nachdreh erforderlich war. Michael Jacksons Lebensgeschichte wird lediglich bis Anfang der Neunziger Jahre erzählt, und dabei geht es eigentlich niemals um seine Persönlichkeit, schon gar nicht um sein Sexualleben, sondern eigentlich nur um sein Verhältnis zum Vater, vor allem aber um die Musik und um seine außergewöhnlich vielseitigen Talente als Sänger, Komponist, Regisseur und – hier sehr deutlich – als Tänzer. Lediglich am Rande ergeben sich da Fragen: Wie formt und deformiert das Leben als Star unter permanenter Beobachtung und Kontrolle den Charakter? Die zentrale Message liegt genau in diesem Spannungsfeld: Ruhm als Fluch und Motor zugleich, als Quelle unermesslicher künstlerischer Energie und beinahe erdrückender Einsamkeit. Der junge Michael schafft sich im Film einen Schimpansen an, der sein bester und einziger Freund wird.
Darstellerisch trägt vor allem Jaafar Jackson, ein Neffe von Michael, in der Rolle seines Onkels den Film mit beeindruckender Intensität. Dem jungen Debütanten gelingt das Kunststück, nicht nur Gestik und Stimme Jacksons nachzuahmen, sondern auch innerhalb der engen Grenzen des Drehbuchs eine gewisse emotionale Tiefe zu entwickeln. Und er tanzt geradezu göttlich. Gerade in den leiseren Momenten – jenseits der großen Bühnenauftritte – entsteht auch manchmal ein beinahe differenziertes Porträt, das den Menschen hinter der Ikone sichtbar machen könnte, wenn da nicht die offenbar strikten Vorgaben wären. Die Nebenfiguren, insbesondere die Mutter Katherine, gespielt von Nia Long, und der Vater Joseph, extrem beängstigend gespielt von Colman Domingo, sind präzise gesetzt und verleihen der Erzählung zusätzliche Erdung. Beinahe noch überzeugender als Jaafar Jackson spielt der kleine Juliano Krue Valdi den Star als Kind und gibt ihm dabei eine Tiefe und eine manchmal sogar verstörende Natürlichkeit, die später leider verlorengeht.
Inszenatorisch überzeugt Fuqua vor allem mit vielen opulenten Musiksequenzen und herausragend gefilmten Tanz- und Gesangsszenen. Kamera und Montage arbeiten dabei im Rhythmus der Musik, die Songs werden in der Regel ausgespielt – ohne dass dabei jemals Langeweile aufkäme. Dafür ist sowohl die Kameraarbeit als auch Jaafar Jacksons Performance zu abwechslungsreich. So entsteht manchmal eine Atmosphäre, die Michael Jackson und sein Werk als Einheit und letzteres als integralen Bestandteil seiner Biografie begreift.
Der Eindruck, der dabei entsteht, ist etwas zwiespältig. Es dominiert der Unterhaltungseffekt, befeuert durch tolle Sounds in perfekter Qualität, die Persönlichkeit ist zweitrangig. Aber so war es vermutlich auch in der Realität, worunter der Star sicherlich am meisten gelitten hat. Also wie immer bei Michael Jackson: Das Beste ist die Musik.
Gabriele Sikorski







