Es gibt Filme, die entwickeln eine eigene Sogkraft, weil sie einen unerwartet erwischen. Sie sind mehr, als man erwartet hätte. Das gilt auch für „A Sad and Beautiful World“, der vom Libanon für das Rennen um den Oscar als bester ausländischer Film eingereicht worden ist. Tatsächlich ist er so gut, dass er mit dem Besten mithalten kann, was das Weltkino zu bieten hat.
Über den Film
Originaltitel
نجوم الأمل و الألم
Deutscher Titel
A Sad and Beautiful World
Produktionsland
LBN, USA, DEU, GRC, SAU, QAT
Filmdauer
110 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
April Shih, Georges Schoucair, Jennifer Goyne Blake, Georg Neube
Regisseur
Cyril Aris
Verleih
Neue Visionen Filmverleih GmbH
Starttermin
20.08.2026
Nino hat ein Restaurant, ist im Stress, fährt mit dem Auto, ist abgelenkt und fährt in ein Büro. Um sich über den Schaden zu unterhalten, lädt er alle in sein Restaurant ein. Dabei trifft er auf Yasmina, die Tochter der Frau, der das Büro gehört. Langsam wird ihm klar, dass er Yasmina kennt. Beide lernten sich in der Schule kennen, wurden Freunde, begannen einander zu lieben, aber dann rissen sie ihre jeweiligen Lebenswege auseinander. Nun, da er Yasmina wiedergefunden hat, möchte er aufleben lassen, was sie hatten, aber das Leben ist schwieriger geworden als in der Kindheit. Denn Yasmina ist eine Karrierefrau, die überlegt, den Libanon zu verlassen, und das umso mehr, als sie schwanger wird.
„A Sad and Beautiful World“ ist ein unglaublich schöner Film. Eine romantische Geschichte, die in ihrer Erzählweise aber Wege beschreitet, die abseits typischer amerikanischer Genre-Produktionen stehen. Der Film hat seinen eigenen Erzählrhythmus, auch seine eigene Visualität. Er ist exzellent inszeniert, mit Bildern, in denen man sich verlieren könnte. Die narrative Struktur mit den Rückblicken funktioniert auch sehr gut, vor allem aber lebt der Film von der unglaublichen Chemie der beiden Hauptdarsteller.
Wenn sie einander ansehen, dann glaubt man ihnen, dass sie einander mit jeder Faser ihres Seins lieben. Wenn einer von ihnen lacht, geht dem anderen das Herz auf, und genau das ist hier seh- und spürbar. Eine solche Intensität, aber auch Authentizität findet man im Kino selten. Das macht den Film auch so einzigartig, weil er anmutet, als würde man eine wirkliche, reale Geschichte sehen, und nicht „nur“ etwas, das sich ein Filmemacher ausgedacht hat.
Dabei gelingt es dem Film, sich nicht nur auf diese Liebesgeschichte zu fokussieren, sondern betrachtet das Leben als Ganzes, dreht sich um die Anziehungskraft zweier Menschen, aber auch die Distanz, die sie zu überwinden versuchen. Es geht um Hoffnungen, Enttäuschungen, um Liebe und Verlust, und das passiert alles gleichzeitig.
Der Film hält immer die Balance – ist wundervolle Romanze und ernsthaftes Drama zugleich, da es auch darum geht, wie zwei sehr unterschiedliche Lebensentwürfe zueinanderfinden können. Oder auch nicht. Daraus bezieht der Film seine Spannung, weil man mit diesen Figuren bangt und ihnen das Happyend wünscht, das Hollywood auf jeden Fall bieten würde. Aber dieser Film ist mehr, will mehr und bietet mehr, weil es dann nicht mehr um ein Weggehen geht, sondern um die Frage, wie ein Hierbleiben in einem Land, das im Chaos versinkt, aussehen könnte.
Das Ende ist ambivalent – es ist perfekt für einen Film, der dem Titel entsprechend in eine traurige und wunderschöne Welt entführt. Mit Einsetzen des Nachspanns vermisst man Nino und Yasmina bereits.
Peter Osteried







