Across the universe

Ein Musical, das ausschließlich aus Beatles-Songs besteht, interpretiert von den Schauspielern. Man mag es kaum glauben, aber Julie Taymors Film funktioniert trotz vieler Schwächen und offensichtlicher Kritikpunkte. Lässt man sich auf ihren Stil, ihre Vision ein, erlebt man eine mitreißende Collage der 60er Jahre, die voll von wunderbaren, absurden Ideen und Bildern steckt.

Webseite: www.across-the-universe.de

USA 2007
Regie: Julie Taymor
Buch: Dick Clement, Ian La Frenais
Musik: Elliot Goldenthal
Darsteller: Jim Sturgess, Evan Rachel Wood, Joe Anderson, Dana Fuchs, Martin Luther, T.V. Carpio, Bono, Joe Cocker, Selma Hayek, Eddie Izzard
133 Minuten, Format: 1: 2,35 (Scope)
Verleih: Sony
Kinostart: 22. November 2007

PRESSESTIMMEN:

Visuell und musikalisch hinreißende Rückschau auf die unbändigen sechziger jahre, bestern verfremdet präsentiert durch altmuntere, zeitgeistige Beatles-Songs, energiegeladene Darstellung und amerikanisches Anti-Vietnam-Feeling.
KulturSPIEGEL

Pressestimmen auf film-zeit.de hier…

FILMKRITIK:

Am Anfang sitzt Jude (Jim Sturgess) am Strand, blickt melancholisch in die Ferne, dreht seinen Kopf zur Kamera und beginnt zu singen: „Is there anybody going to listen to my story.“ Und so geht es weiter. In klassischer Musical-Manier verwandeln sich emotionale Momente in Gesang, werden Gefühle mit Musik ausgedrückt, nur das diese Musik ausschließlich aus Songs von den Beatles besteht. 33 hat Julie Taymor ausgewählt und lose zu einer Handlung verbunden. 

Sie beginnt stilecht In Liverpool. Dort beschließt der junge Jude Anfang der 60er Jahre seine Heimat zu verlassen und in Amerika seinen Vater zu suchen. Der ist Hausmeister an der Universität von Princeton, wo Jude Max und dessen Schwester Lucy (ja, nahezu alle Namen beziehen sich auf Beatles-Songs!) kennen lernt. Jude verliebt sich in Lucy, zu Dritt ziehen sie nach New York, wo sie die Musiker Sadie und Jo-Jo und später auch eine Prudence treffen. 

Das hört sich ein wenig forciert an und das ist es auch. Die Geschichte ist überaus dünn und lässt kaum ein typisches Motiv der 60er Jahre aus. Von Rassenunruhen, über die Angst vor dem Musterungsbescheid und dem Krieg in Vietnam bis zum Protest gegen ihn fehlt nichts. Natürlich werden viele Drogen genommen und über allem steht die Liebe. Und um die geht es schließlich auch in so vielen Beatles-Songs. Dass diese Songs nicht in den unsterblichen Originalversionen verwendet werden, mag den Puristen zunächst stören. Für das, was hier versucht wird, ist es jedoch unerlässlich, die Songs neu zu interpretieren, sie bisweilen schneller oder langsamer zu spielen und auf die Figuren bzw. die Aussage der Szenen zuzuschneiden. Ein Liebeslied wie „I Want You“ wird etwa in Bezug zu dem berühmten Poster von Uncle Sam und dem Slogan „I want you for US Army“ gesetzt und zu einer elaborierten Choreographie im Musterungsamt verarbeitet. 

Nicht alle Ideen sind so treffend, manche Songs verlieren sich in ausgedehnten Montagesequenzen und auch der ständige Stilwechsel ist bisweilen befremdlich. Mal singen eine oder mehrere der Hauptfiguren unmittelbar in die Kamera, mal ist der Gesang nur zu hören, dann singen Nebenfiguren. Mal gibt es ausgefeilte Choreographie mit Dutzenden Tänzern – in denen Taymors Herkunnft von der Broadway-Bühne deutlich wird – dann expressive Montagesequenzen, die die politischen Ereignisse der Zeit in bisweilen gewagter Manier verknüpfen, dann regelrechte Performance-Nummern.

Man merkt dem Film an, wie schwierig die Entstehung war, wie lange Taymor am Schnitt gearbeitet hat, um die völlig unterschiedlichen Ansätze in ein halbwegs kongruentes Ganzes zu fügen. Und doch, so zerfahren der Film auch ist, so dünn die Geschichte ist, so wenig substanziell die Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Ereignisse ist, „Across the Universe“ ist einer der wunderbarsten, originellsten, ambitioniertesten, mitreißendsten Filme seit langer Zeit. Er steckt so voller Ideen, unglaublicher Einfälle, subtiler Verweise auf Leben und Werk der Beatles, so voller Energie und Lust, dass man kaum anders kann, als sich seinem Sog hingeben. „Across the Universe“ ist eine Ode an die Liebe, eine Ode an die 60er Jahre und vor allem eine Ode an die beste Band aller Zeiten: Die Beatles.

 

Michael Meyns

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Eine Liebesgeschichte aus den sechziger Jahren zwischen Jude und Lucy, zwischen Liverpool und Greenwich Village (New York). Aber nicht nur das: ein an zahlreichen Beatles- und anderen Songs aufgehängtes Julie-Taymor-Musical mit originellen Tanzeinlagen und einer perfekten Choreographie; mit zahllosen Licht- und Farbeffekten; mit Comic-Einlagen und psychedelischen Passagen; mit Dutzenden von Bildideen; mit Zirkusvorstellungen und irrealen Einschüben.

Ein Kaleidoskop, das auch die politischen Geschehnisse und Wirrnisse der sechziger Jahre veranschaulicht: die Proteste gegen den Vietnam-Krieg; die Demonstrationen gegen die Rassendiskriminierung; die mörderische und nutzlose Zerstörung Vietnams.

Ein Bilderbuch über den frühen Rock; über die Hippies; über den Drogenkonsum; über (Beatles-)Musik, (Beatles-)Musik und nochmals (Beatles-)Musik; über die damalige Zeit des allgemeinen Umbruchs.

Dramaturgische Regeln gelten hier nicht. Es ist eine Flut von allem. Aber eine schöne, überbordende, erinnerungsträchtige, interessante Flut. Wer damals noch nicht lebte oder klein war, sollte sich das zu Gemüte führen. Und die anderen ebenso.

Thomas Engel