Eine geplante Pride-Parade steht im Zentrum von „The Activist“, einem Film des litauischen Regisseurs Romas Zabarauskas, der sich selbst aktivistisch für Schwulenrechte einsetzt. Was man auch seinem Film anmerkt, der hehre Absichten verfolgt, dabei manchmal etwas didaktisch wird, auch wenn er um eine differenzierte Darstellung unterschiedlicher Positionen bemüht ist.
Über den Film
Originaltitel
Aktyvistas
Deutscher Titel
Aktyvistas
Produktionsland
LTU
Filmdauer
94 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Romas Zabarauskas, Gabriele Miseviciute
Regisseur
Romas Zabarauskas
Verleih
Cinemien Filmverleih
Starttermin
24.06.2026
In Kaunas, der zweitgrößten Stadt in der baltischen Republik Litauen, soll bald die erste Pride-Parade stattfinden und für die Rechte von Schwulen, Lesben und anderen diskriminierten Gruppen demonstriert werden. Doch der Widerstand ist groß, rechtsextreme Gruppen drohen, die Parade anzugreifen und ob die Demonstration überhaupt stattfinden darf, müssen die Gerichte entscheiden.
An vorderster Front steht Deividas (Elvinas Juodkazis), der sich auf öffentlichen Veranstaltungen äußert, der sein Gesicht zeigt – und sich damit angreifbar macht. Sehr zur Sorge seines Partners Andrius (Robertas Petraitis), der mit Deividas zusammenlebt, sich aber der Treue seines Freundes nicht immer sicher ist.
Nach einem Konflikt verlässt Andrius die gemeinsame Wohnung und kommt genau in dem Moment zurück, als ein maskierter Angreifer gerade versucht zu fliehen nachdem er Deividas getötet hat. Die Polizei scheint sich für die Aufklärung des Mordes nicht weiter zu interessieren und so beginnt Andrius selbst zu ermitteln.
Schnell stößt er auf eine Gruppe von Neo-Nazis, die ihren Hass auf Schwule nicht verheimlichen. Im Fitnessstudio trainiert sich Andrius Muskeln an, tritt nun mit rasiertem Kopf und Bomberjacke auf und versucht, Teil der Neo-Nazi-Gruppe zu werden, um dem Täter auf die Spur zu kommen.
Besorgt beobachten Andrius Freunde seine Verwandlung und befürchten, dass er im Versuch, Deividas Mörder zu finden, ihr gemeinsames Ziel aus den Augen verliert: Die erste Pride-Parade in Kaunas auf die Beine zu stellen.
In Litauen, der südlichsten der drei baltischen Länder, fand 2010 die erste Pride-Parade statt, in der Hauptstadt Vilnius. 2021 sollte dann in Kaunas eine Parade stattfinden, die erst nach einem längeren Streit vor Gericht genehmigt wurde. Diese Ereignisse bilden nun den Hintergrund für „The Activist“, ein ambitioniertes, aktivistisches Drama des litauischen Regisseurs Romas Zabarauskas. Als letzten Film einer Trilogie hat der 35jährige Regisseur den Film angelegt, auch die vorhergehenden Filme mit den Titeln „The Lawyer“ und „The Writer“ thematisierten aus unterschiedlichen Perspektiven den langwierigen und oft gefährlichen Kampf um Gleichberechtigung.
Ein hehres Anliegen, das Zabarauskas mit einer gewagten Handlung zu komplizieren sucht. Gerade die zahlreichen Nebenfiguren aus der schwulen Szenen deuten an, dass auch hier nicht immer mit einer Stimme gesprochen wird, dass es unterschiedliche Interessen gibt. So sehr man ein gemeinsames Ziel verfolgt: Die Methoden, die Hindernisse auf dem Weg zur Durchführung einer Pride-Parade zu überwinden könnten unterschiedlicher nicht sein.
Dass dabei fast die konkrete Bedrohung durch die Neo-Nazi-Gruppe aus dem Auge verloren oder gar verharmlost wird, ist das erzählerische Risiko, das Zabarauskas dabei eingeht. Doch soweit kommt es am Ende nicht, denn so wie auch Zabarauskas im wirklichen Leben ein Aktivist ist, ist auch sein Film „The Activist“ durch und durch aktivistisch.
Die hehren Absichten des Dramas sind jederzeit zu spüren, was „The Activist“ bisweilen etwas didaktisch wirken lässt. Andererseits ist dies einem Filmemacher aus einem Land, in dem Schwule immer noch so sehr um ihre Rechte kämpfen müssen, kaum zu verdenken.
Michael Meyns







