Gen Z treibt den Kinobesuch weltweit

Das junge Publikum geht wieder häufiger ins Kino. In keiner anderen Altersgruppe hat der Kinobesuch zuletzt so stark zugenommen. Dabei ist der Kinobesuch für die Menschen mehr als nur der Film: Rund drei Viertel aller Befragten geben an, dass dieser wichtig für ihr Wohlbefinden sei. Das zeigt die jüngst am Rande der CinemaCon in Las Vegas veröffentlichte internationale Studie der Global Cinema Federation (GCF). Die Studie belegt auch: Eine verkürzte exklusive Auswertung von Filmen im Kino gefährdet diesen Trend. Länder mit stabilen Auswertungsfenstern wie Frankreich schneiden deutlich besser ab.

Die Global Cinema Federation, die rund 70 Prozent des weltweiten Kinomarkts vertritt, hat die Ergebnisse ihrer jährlichen internationalen Publikumsbefragung bei ihrer Mitgliederversammlung am Rande der weltgrößten Kinomesse CinemaCon des nordamerikanischen Kinoverbands Cinema United in Las Vegas vorgestellt. Mit eindeutigem Ergebnis: Die Menschen wollen ins Kino. Besonders die junge Generation.

78 Prozent der unter-25-Jährigen gehen gleich oft oder häufiger ins Kino als noch vor einem halben Jahr – ein Netto-Plus von 15 Prozent. 59 Prozent empfehlen den Kinobesuch aktiv weiter. Die Generation, die mit Streaming aufgewachsen ist, entscheidet sich bewusst für das Kino.

Großteil der Befragten sagt: Kino wichtig für das Wohlbefinden
Zugleich zeigt die Studie, dass das Kino dem Publikum einen hohen Mehrwert bietet: 73 Prozent der Befragten weltweit geben an, dass Kinobesuche für ihr Wohlbefinden wichtig sind. Unter Vielbesuchenden mit mehr als zwölf Besuchen im Jahr steigt dieser Wert auf 92 Prozent. Nur 7 Prozent bevorzugen es, Filme zu Hause zu schauen. Was die Menschen ins Kino zieht, ist naheliegend: Abstand vom Alltag, Eintauchen in Geschichten und vor allem das Erleben von Gemeinschaft.

Deutschland bestätigt diesen Trend – Arthouse schreitet voran
Dieser positive Trend spiegelt sich auch in Deutschland wider: Im vergangenen Jahr stieg der Kinobesuch im Gesamtmarkt um 2,8 Prozent, im ersten Quartal 2026 sogar um 25,1 Prozent. Der Arthousemarkt wuchs kontinuierlich: 2024 bereits um 3,1 Prozent und 2025 um 5,5 Prozent. Im ersten Quartal 2026 lagen die Programmkinos sogar leicht über dem sehr erfolgreichen Vor-Pandemie-Jahr 2019.

Verkürzte exklusive Erstauswertung schadet den Kinos
Was die Studie auch zeigt: Das Publikum geht im Schnitt 2,2-mal seltener ins Kino, weil die Titel zu schnell auf Streamingplattformen verfügbar sind. Wer davon ausgeht, dass ein Film bereits einen Monat nach Kinostart zu Hause verfügbar ist, geht sogar 3,1-mal weniger ins Kino. Umgekehrt zeigt die Studie: In Ländern mit stabilen, längeren Fenstern wie Frankreich, Japan oder der Schweiz ist dieser Effekt spürbar geringer.

Branche im Aufwind – Warner-Übernahme und fehlendes Zukunftsprogramm Kino bleiben Risiken
Die Studie nährt den Optimismus der Branche. Zwei Entwicklungen bereiten der AG Kino – Gilde jedoch große Sorgen: die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance, und der Stopp des wichtigen Modernisierungsprogramms Zukunftsprogramm Kino, dessen Fortsetzung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung versprochen wurde.

Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino – Gilde, betont: „Die Studie zeigt den hohen Stellenwert des Kinos im sozialen Gefüge unserer Städte. Kinos sind in ihren lokalen Gemeinschaften tief verwurzelt – als Kulturorte, Treffpunkte und Orte demokratischer Öffentlichkeit. In Zeiten wachsender Polarisierung und gesellschaftlicher Vereinsamung sind sie einer der wenigen verbliebenen kollektiven Räume. Um diese Arbeit fortführen zu können, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen. Eine weitere Marktkonzentration schadet dem gesamten Film- und Kinoökosystem erheblich – dies muss die europäische Wettbewerbsbehörde intensiv prüfen und, sofern die Übernahme überhaupt genehmigt wird, robuste und durchsetzbare Abhilfemaßnahmen zum Schutz der kulturellen Vielfalt schaffen.“

Auch auf die Bedeutung der Kinomodernisierungsförderung weist Christian Bräuer hin: „Die Kinos stehen vor enormen Investitionsanforderungen: Mit KI beginnt die nächste technologische Revolution, während Kinobetreibende zugleich in Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Technik und den Erhalt ihrer Gebäude investieren müssen. Doch gerade Arthouse- und Landkinos, die sich durch hohes kulturelles und gesellschaftliches Engagement auszeichnen, verfügen strukturell nicht über ausreichende Erlöse, um diese Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen.“

Bild: Daniel Guerra (c) Unsplash

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