Bad Apples

Bitterböse, sehr spannend und voller pechschwarzem Humor: Der schwedische Regisseur Jonatan Etzler schickt den Weltstar Saoirse Ronan („Ladybird“) als idealistische Lehrerin auf einen aberwitzigen Weg, der mit Überforderung anfängt und mit diversen kriminellen Handlungen noch lange nicht beendet ist. 
Die Gesellschaftssatire spielt einigermaßen lustvoll mit moralischen Grenzen – und verdankt ihre Wirkung vor allem einer Hauptdarstellerin, der man selbst dann noch die Daumen drückt, wenn sie jeden möglichen Fehler schon gemacht hat und alles aus dem Ruder läuft.

 

Über den Film

Originaltitel

Bad Apples

Deutscher Titel

Bad Apples

Produktionsland

GBR

Filmdauer

100 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Oskar Pimlott

Regisseur

Jonatan Etzler

Verleih

Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Starttermin

10.09.2026

 

Maria (Saoirse Ronan) will eine gute Lehrerin sein. Das ist zunächst einmal ihr größtes Problem, und es heißt Danny (Eddie Waller), ist in ihrer 4. Klasse, zehn Jahre alt. Der Junge ist extrem aggressiv und unberechenbar. Schon beim Ausflug in eine Saftfabrik bringt er mit einem Schuh auf dem Apfel-Förderband die gesamte Produktion durcheinander und sorgt dafür, dass die Exkursion ein unschönes Ende nimmt. In der Schule bedroht er seine Lehrerin, er terrorisiert die ganze Klasse und stößt schließlich die strebsame Pauline (Nia Brown) über ein Treppengeländer in die Tiefe. Sie überlebt und hat sich wie durch ein Wunder lediglich den Arm gebrochen. Maria macht sich Vorwürfe, weil sie nicht aufgepasst hat, sie kontaktiert Dannys Vater Josh (Robert Emms), einen Paketboten, der sich kaputt schuftet. Doch der alleinerziehende Josh erweist sich als ebenso überfordert wie alle anderen.

 

Maria sucht Hilfe bei der Direktorin und beim Vertrauenslehrer – vergeblich. Schwierige Kinder würden schließlich zum Beruf gehören, und sie müsse sich selbst darum kümmern. Diese pädagogische Binsenweisheit bekommt einen ziemlich makabren Beigeschmack, als Maria Danny nach einer weiteren Eskalation außerhalb der Schule begegnet. Was folgt, sollte man nicht zu genau erzählen. Nur so viel: Irgendwann sitzt Danny in Marias Keller. Und aus einer vollkommen falschen Entscheidung entsteht eine Kette weiterer Entscheidungen, die alles immer noch schlimmer machen.

 

Das klingt ein wenig düster, ist es auch, aber zusätzlich auch sehr komisch. Jonatan Etzler macht aus dem Stoff eine schwarze Thrillerkomödie, bei der die Bedrohung von Anfang an mitläuft. Schon die Musik wummert und hüpft zugleich, während auf einer Plantage Äpfel fotogen an den Bäumen hängen, später herunterfallen und Würmer anlocken. Die Symbolik ist nicht gerade versteckt, aber das passt zum boshaften Vergnügen, mit dem „Bad Apples“ seine Geschichte erzählt. Immer wenn eine Situation kaum noch zu retten scheint, setzt der Film noch eins drauf.

 

Im Zentrum steht die junge Lehrerin Maria, und Saoirse Ronan macht aus ihr eine faszinierende Mischung aus Idealistin, Täterin und zunehmend fassungsloser Beobachterin ihrer eigenen Handlungen. Manchmal wirkt es, als könne sie selbst kaum glauben, was sie gerade wieder angerichtet hat. Ronans schmales, blasses Gesicht erzählt dabei mindestens so viel wie die Dialoge. Während Maria moralisch immer tiefer abrutscht, gewinnt sie äußerlich an Farbe und Energie. Auch ihre Klasse blüht auf, sobald Danny fehlt. Das ist politisch und pädagogisch höchst unkorrekt – und gerade deshalb verstörend und von einer geradezu fatalen Ironie.

 

Dass man Maria trotzdem nicht fallen lässt, ist Ronans Verdienst. Sie spielt keine kalte Täterin, sondern eine Frau, die unbedingt das Richtige tun möchte und dabei Schritt für Schritt die Kontrolle verliert. Entschlossenheit, Angst, schlechtes Gewissen und ein fast kindliches Erstaunen über die eigene Situation liegen bei ihr dicht nebeneinander. Die Sympathie für Maria wird ständig auf die Probe gestellt, verschwindet aber nie ganz.

 

Eddie Waller hält als Danny erstaunlich gut dagegen. Sein Junge ist kein niedlicher Rabauke, der mit ein wenig Zuwendung, Liebe und einem heißen Kakao wieder auf Kurs kommt. Danny kann gefährlich sein. Gleichzeitig zeigt der Film die sozialen Bedingungen, unter denen er lebt, ohne daraus eine bequeme Entschuldigung zu basteln. Und gerade darin steckt die eigentliche Provokation: Was geschieht mit einem Kind, das alle überfordert? Und was passiert mit denen, die sich trotzdem verantwortlich fühlen? Danny ist tatsächlich ein „Systemsprenger“. Aber wie kann man ihm helfen, falls das überhaupt möglich ist?

 

„Bad Apples“ ist nur in Ansätzen eine Abrechnung mit einem maroden Bildungssystem, sondern vielmehr eine . Das haarsträubend spannende Drama lässt sich durchaus kontrovers diskutieren, denn es interessiert sich mehr für Schuld, Verantwortung und für die Grenzen zwischen Fürsorge und Selbstrettung als für fehlgeleitete Bildungswege. Viele unerwartete Wendungen treiben diese Fragen immer weiter ins Absurde, bis in einem ebenso atemberaubenden wie komischen Vorfinale plötzlich noch einmal neu verhandelt wird, wer hier eigentlich der schlimmste Übeltäter ist.

 

Gaby Sikorski

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