Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung

In den Jahren 1988/89 kam es in kurzer Zeit zu radikalen Veränderungen in der DDR, die schließlich ihr Ende einläuteten. Diese Phase in der Geschichte des Unrechtsstaates steht ebenso im Zentrum der Doku „Bärbel Bohley“ wie die titelgebende zentrale Figur der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Dabei nutzen die Macher die Tagebucheinträge der Aktivistin und Künstlerin, um ihre Emotionen und ganz persönlichen Ansichten greifbar zu machen. Ergänzend kommen historische Originalaufnahmen und aktuelle Interviews mit Ex-Weggefährten hinzu, die erhellende, spannende Einblicke in die Wendejahre und den Kampf der Bürgerrechtler gewähren.

 

Über den Film

Originaltitel

Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung

Deutscher Titel

Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung

Produktionsland

DEU

Filmdauer

96 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Fosco Dubini

Verleih

Real Fiction

Starttermin

18.06.2026

 

„Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung“ befasst sich ausführlich mit Leben und Wirken der ostdeutschen Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley. Bekanntheit erlangte sie als Mitbegründerin des „Neuen Forums“ in der DDR sowie, in den Jahren zuvor, als eine der engagiertesten Aktivinnen des Landes. Wie wenige andere setzte sich die 2010 an Krebs verstorbene Berlinerin zeitlebens für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte ein. Dafür zahlte sie einen hohen Preis. Bohley wurde 1988 zwangsweise in den Westen abgeschoben. Nach einem halben Jahr erkämpfte sie ihre Rückkehr in die Heimat – ein einmaliger Vorgang in der DDR-Geschichte.

Die Grundlage für die Doku bilden Bohleys ausführliche Tagebuchaufzeichnungen. Sie sind Zeugnis des nicht zu brechenden Willens einer mutigen und sich der SED-Willkür widersetzenden Frau, die schließlich das prominenteste Gesicht der friedlichen Revolution 1989 werden sollte. Jene Phase der Wende, des Zusammenbruchs der DDR und Bohleys Erleben all dieser Ereignisse bilden den Fokus des Films.

Die damals 42-Jährige wurde am 17. Januar 1988 während der Ost-Berliner Liebknecht-Luxemburg-Demo verhaftet und im Gefängnis Hohenschönhausen inhaftiert. Auszüge aus ihrem Tagebuch schildern die Haftbedingungen und Bohleys Ängste. Um ihre inneren Befindlichkeiten und ihre Gefühlswelt für den Zuschauer darzustellen, nutzt das Regie-Duo Fosco Dubini und Barbara Marx nachgestellte Szenen, die direkt auf den intensiven persönlichen Notizen basieren.

In Bohleys Rolle schlüpft die deutschen Schauspielerin Lilli Fichtner, die in den Sequenzen wortlos nur mittels Körpersprache und Mimik agiert. Und so erklingen aus dem Off Bohleys niedergeschriebene, nachdrückliche Gedanken, während Fichtner jenen Worten der Bürgerrechtlerin gekonnt Ausdruck verleiht. Exakt auf diese Weise arbeiten die Macher auch ihre Zeit im „Zwangsexil“ auf. Denn die Aktivistin dokumentierte akribisch die gesamten sechs Monate, die sie im westeuropäischen Ausland (Frankreich, Großbritannien) verbrachte.

Wir erfahren, wie wenig Bohley mit der „westlichen Konsumwelt“ anfangen konnte und sich in ihrem Alltag in den Metropolen Paris und London regelrecht entfremdet fühlte. Daneben nutzte die ausgebildete Künstlerin und Malerin ihre neu gewonnene Freiheit aber auch dazu, um die örtlichen Kunstszenen zu erkunden. Aus ihren Aufzeichnungen erfahren wir z.B. von den Pariser Museen und Galerien, die Bohley besuchte. Ebenso spannend: Ihre Begegnungen mit westeuropäischen Intellektuellen, Politikern, Kirchenvertretern und Unterstützern (Petra Kelly, Willy Brandt, Manfred Stolpe u.a.).

Bohleys Ziel war es, im Ausland und über ihre Kontakte politischen Druck auf das SED-Regime auszuüben, um ihre Rückkehr zu erzwingen. Dies gelang ihr schließlich im August 1988. Ergänzend zu den Stationen des Tagebuchs, um die die Filmhandlung gekonnt aufgebaut ist, schildern enge Wegbegleiter und Freunde ihre Erfahrungen und Sicht auf die Geschehnisse der Jahre 1988/89. Es geht dabei vor allem um die Stasi und die perfiden Methoden der unterdrückenden, diktatorischen Staatspartei, mit denen sie alle Andersdenkenden (nicht zuletzt psychisch) brechen wollte.

Rede und Antwort stehen unter anderem der Bürgerrechtler Roland Jahn (er war der letzte Leiter der Stasiunterlagenbehörde) sowie Rolf Henrich, Jurist und früherer DDR-Dissident. Letztgenannter wurde, ebenso wie Bohley, zu einer der Symbolfiguren des Herbstes 1989. Gemeinsam mit der Porträtierten und anderen Oppositionellen gehörte er zu den Initiatoren des „Neuen Forums“, der wichtigsten DDR-Bürgerbewegung.

 

Björn Schneider

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