Block 10

Im Konzentrationslager Auschwitz wurden auch grausame medizinische Experimente durchgeführt, die schon oft in Spielfilmen thematisiert wurden. Marcus O. Rosenmüllers „Block 10“ versucht nun in betont drastischer Manier weitere Facetten des Grauens zu zeigen, hangelt sich dabei jedoch so pedantisch an den bekannten Fakten entlang, dass der an sich nüchtern intendierte Film immer wieder in die Bereiche der Exploitation abdriftet.

 

Über den Film

Originaltitel

Block 10

Deutscher Titel

Block 10

Produktionsland

DE

Filmdauer

108 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Marcus O. Rosenmüller

Verleih

Camino Filmverleih GmbH

Starttermin

05.11.2026

 

Zusammen mit seiner Frau und der 20jährigen Tochter wird der jüdische Gynäkologe Dr. Maximilian Samuel (Christian Merkel) nach Auschwitz deportiert. Während seine Frau sofort als Arbeitsunfähig eingestuft wird und vergast wird, wartet die medizinische Abteilung des Konzentrationslager schon auf den Spezialisten.

Samuel soll dem leitenden Arzt Carl Clauberg (Axel Prahl) bei dessen Experimenten assistieren. Clauberg erforscht Methoden der Sterilisation und bedient sich dazu des schier unerschöpflichen Reservoirs an Frauen, die von der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in die Lager geschickt werden.

Mit archaisch anmutendem medizinischen Gerät werden den Frauen ätzende chemische Stoffe in die Eileiter injiziert, um sie unfruchtbar zu machen, eine „revolutionäre“ Methode, auf die Clauberg besonders stolz ist, gelingt es ihm damit doch, mehr Frauen pro Tag zu sterilisieren, als es auf herkömmliche Methode, mit Operationen möglich ist.

Widerwillig wird Samuel ein Teil des Grauens, versucht so weit es ihm möglich ist, Frauen zu helfen, ihnen vernünftige medizinische Behandlung zukommen zu lassen, doch die Zustände im Block 10 von Auschwitz lassen ihn verzweifeln. Ein Wettstreit zwischen Clauberg und anderen Ärzten entbrennt, und mittendrin Samuel, der mit der Hoffnung erpresst wird, dass seine Tochter vielleicht am Leben bleibt, so lange er an den Experimenten mitwirkt.

Als Tochter von Holocaust-Überlebenden hat Produzentin Alice Brauner das Erbe ihres legendären Vaters Artur Brauner angetreten, der einige der besten deutschen und internationalen Filme über den Holocaust produziert hatte. Auch Alice Brauner möchte nun Filme gegen das Vergessen machen und stieß dabei auf die Geschichte des Block 10 von Auschwitz. Jahrelang recherchierte sie akribisch die Gerichtsprotokolle der Prozesse gegen Clauberg und andere Ärzte, vor allem aber die Aussagen der wenigen Frauen, die die Grauen überlebten.

Ergebnis dieser Recherche ist ein bald erscheinendes Sachbuch, aber auch dieser Spielfilm, der sich nicht recht entscheiden kann, ob er nüchternes Dokudrama oder doch dramatisierte Geschichtsstunde sein möchte und sich am Ende zwischen alle Stühle setzt.

Eine zu beginn stehende Triggerwarnung weißt auf die grausame Thematik hin, die von Regisseur Marcus O. Rosenmüller in Bildern auf die Leinwand gebracht werden, die wenig aussparen. Dass Brauner als Drehbuchautorin jedoch wenig Erfahrung hat, führt zu einer mehr als holprigen Erzählstruktur, in der manche Figuren, die anfangs dominieren, bald fast gänzlich verschwinden, kurz vor Ende wie aus dem Nichts noch neue Figuren auftauchen und betont nüchtern auf jede Psychologisierung verzichtet wird.

Was gerade beim Nazi-Arzt Carl Clauberg dazu führt, dass hier eine Figur entsteht, die wie das Klischee einer sadistischen Nazi-Figur wirkt, die aus purer Lust Menschen misshandelt, rumschreit und zetert und bei Missfallen einer Patientin anordnet „Ab nach Birkenau.“ Offenbar hat Rosenmüller bei seiner Inszenierung auch auf Schauspielführung verzichtet, was im Fall von Christian Berkel zu der differenzierten Darstellung eines Arztes führt, der mit sich und den furchtbaren Umständen hadert. Im Fall von Axel Prahl allerdings zu einer grotesken, ungezügelten Performance, in der der Tatort-Star seine dämonische Figur zu einer typischen Nazi-Knallcharge werden lässt, wie man sie aus 70er Jahren Nazi-Exploitation-Filmen zu Genüge kennt.
Der Erkenntnisgewinn aus dieser Art Film ist derweil gering, die Nazis waren grausam, in den Konzentrationslagern geschah furchtbares, das ist allseits bekannt. Zu ergründen, wie aus gewöhnlichen Deutschen Mörder und Sadisten wurden, wie eine zivilisierte Gesellschaft in die Barbarei verfiel, das zu verstehen wäre interessant und wichtig, auch um ähnliches in Zukunft zu verhindern, doch an diese Aufgabe wagt sich „Block 10“ nicht.

 

Michael Meyns

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