Eine Theater-Komödie, die hinter den Kulissen der altehrwürdigen Comédie-Française spielt und dabei ausschließlich mit Mitgliedern dieser sehr französischen Institution besetzt ist: Martin Darondeau und Bertrand Usclat leichtfüßige Komödie „Comédie-Française“ funktioniert als Insiderscherz, aber auch ohne Vorwissen, dank spielfreudiger Darsteller und eines pointierten Drehbuches.
Über den Film
Originaltitel
De la Comédie-Française
Deutscher Titel
Comédie Française
Produktionsland
FRA
Filmdauer
85 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Mathieu Verhaeghe, Thomas Verhaeghe
Regisseur
Bertrand Usclat
Verleih
MFA
Starttermin
24.12.2026
Ausgerechnet „Macbeth“ hat sich die Schauspielerin Nina (Pauline Clément) für ihre erste Regiearbeit ausgesucht, die heute an der Comédie-Française ihre Premiere erleben soll. Doch vorher stehen Probleme, viele Probleme. Allein in das Gebäude hineinzukommen ist nicht einfach, denn Nina hat ihren Hausausweis vergessen und der Pförtner (Guillaume Gallienne) bleibt streng und lässt sie nicht hinein, auch wenn er sie eigentlich kennt.
Und so geht es weiter in den Stunden vor der Premiere, in denen Nina und ihre Schauspieler rotieren und improvisieren, um Shakespeare doch noch auf die Bühne zu bringen. Die Maskenbildnerin ist verhindert, da sie bei einer Fernsehproduktion in Brest feststeckt, ihr kurzfristig engagierter Ersatz hat bisher nur fürs Fernsehen gearbeitet und kleistert die Schauspieler mit Make Up voll.
Die ältere Schauspielerin Nadine (Danièle Lebrun) berichtet derweil von legendären Aufführungen, in denen das Ensemble in jeder Pause halluzinogene Pilze nahm und dementsprechend wild improvisierte, was das Publikum allerdings kaum merkte. Der junge Antoine (Julien Frison) dagegen kann vor Lampenfieber kaum laufen und ist zudem krankhaft abergläubisch: Grüne Kostüme sind ein No Go, auch der alte Schauspieleraberglaube, der das Aussprechen des Titels Macbeth verbietet treibt ihn um. Nur als „das schottische Stück“ soll der Legende nach Macbeth bezeichnet werden, was Philippe (Laurent Stocker) erst recht dazu verleitet, ständig von Macbeth zu sprechen. Kurz vor Premierenbeginn wird das Publikum schon unruhig, während der Platzanweiser Issa (Sefa Yeboah) fast die Chance bekommt, sich seinen Traum vom Schauspielersein zu erfüllen.
Wer im Vorspann französischer Filme gut aufpasst, wird bisweilen unter dem Namen eines Schauspielers oder einer Schauspielerin auf den Zusatz „de la Comédie-Française“ stoßen. Nicht bei Filmstars wie Catherine Deneuve, Pierre Niney, Lea Seydoux oder Vincent Cassel, sondern bei international eher unbekannten Schauspielern, die jedoch der altehrwürdigen Institution der Comédie-Française angehören. Diese wurde im 17. Jahrhundert von Loius XIV begründet und zählt seitdem stets ungefähr 40 Mitglieder. Penibel durchgezählt wurden seitdem alle Angehörigen des Ensembles, inzwischen ist man bei knapp 550 angekommen.
24 von ihnen spielen nun in einer selbstreflexiven Backstage-Komödie Variationen ihrer selbst, im Vorspann findet sich also unter jedem Schauspielernamen der Hinweis de la Comédie-Française, ein bemerkenswertes Unikum, das bei der Nennung der Regisseure den zwingenden Gag pas de la Comédie-Française nach sich zieht.
Doch auch wenn Martin Darondeau und Bertrand Usclat nicht selbst Mitglieder der Akademie sind, kennen sie sich augenscheinlich sehr gut mit den Eigenheiten und Macken eines Theaterbetriebs im Allgemeinen und der Comédie-Française im Speziellen aus. In kurzweiligen 75 Minuten haben sie diese Erfahrungen zu einer amüsanten Farce verarbeitet, in der die Stunden vor einer Premiere zu einem wahren Gagfeuerwerk komprimiert werden.
Das in Momenten sogar darauf eingeht, dass die Comédie-Française erst in den letzten Jahren wirkliche Fortschritte bei der Integration von Minderheiten macht, die die Vielfalt der französischen Gesellschaft abbildet. Allzu viele Schwarze Mitglieder wie Issa Yeboah hat die Comédie-Française noch nicht, das elitäre Element der Institution, die von Außen oft als Arroganz wahrgenommen wird, spielt auch in diesem Film eine Rolle, der durch solch pointierte Momente zu weit mehr wird als einer rasanten Komödie.
Michael Meyns







