Hollywood-Liebling und zweifacher Oscar®-Nominee Benedict Cumberbatch („The Imitation Game“, „Power of the Dog“) gibt in dieser Verfilmung von Max Porters Bestseller „Trauer ist das Ding mit Federn“ den verzweifelten Vater, der mit dem plötzlichen Tod seiner Frau nicht zurecht kommt. Der Comiczeichner kümmert sich liebevoll um seine beiden kleinen Söhnen. Doch plötzlich taucht der Schatten einer übergroßen Krähe in der Wohnung auf. Der schwarze Vogel ist gekommen, um zu bleiben. Trauerdrama trifft auf Horror-Thriller: Die arg angestrengte Mischung vermag freilich kaum zu überzeugen. Allein auf den „Sherlock“-Mimen ist einmal mehr Verlass.
Über den Film
Originaltitel
The Thing with Feathers
Deutscher Titel
Das Ding mit Federn
Produktionsland
GB
Filmdauer
99 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Andrea Cornwell, Leah Clarke, Adam Ackland
Regisseur
Dylan Southern
Verleih
PLAION PICTURES GmbH
Starttermin
15.10.2026
Der Tod seiner geliebten Frau lässt für den Vater von zwei Söhnen eine Welt zusammenbrechen. Der Comiczeichner weiß nicht, wie er mit dem Verlust zurechtkommen soll. Auch mit der Erziehung seiner Kinder wirkt er massiv überfordert. Entspannung findet er beim Zeichnen kunstvoller Bilder mit schwarzer Tinte. Doch plötzlich scheinen die Kreaturen des Graphic-Novel-Autors zum Leben zu erwachen. Eine übergroße, sprechende Krähe macht sich in der Wohnung breit. Alles nur ein Albtraum? Pure Einbildung? Doch die Kids können den Vogel gleichfalls hören.
Der unberechenbare Hausgast im schwarzen Federkleid (im Original gesprochen von David Thewlis), belagert die Familie. Er liefert sich endlose Streitgefechte und bisweilen blutige Zweikämpfe mit dem Witwer. Die Kinder verwickelt er gleichfalls in provokative Gespräche. Selbst beim Einkauf im Supermarkt ist der Krähenmann plötzlich in den Gängen präsent. Um den unliebsamen Mitbewohner loszuwerden, bleibt für die Familie als einzige Lösung, sich ihrer Trauer zu stellen und mit ihr umzugehen.
So faszinierend die Grundidee klingt, so sehr scheitert die Umsetzung des Kinodebüts. Allzu angestrengt will der Videofilmer die grundverschiedenen Genres verschmelzen. Doch das Trauerdrama gerät dabei so wenig bewegend wie das Gruselstück für Gänsehaut sorgt. Beiden fehlt es spürbar am emotionalen Zugang für das Publikum. Dieser Vater hat nicht nur keinen Namen, er verfügt auch über keinerlei interessante Eigenschaften oder Entwicklung. Wer will schon einem apathischen Helden folgen, der sich durch die Handlung heult. Die Monotonie des Erzählens dieser oberflächlichen Geschichte gerät hier zum eigentlichen Horror.
Visuell fällt die Bilanz kaum besser aus. Die Kreatur wirkt wenig furchteinflößend, unglaubwürdig und fast schon unfreiwillig komisch. Tatsächlich lustig gerät immerhin seine Aussage, der Vater wäre kaum mehr als ein wandelndes Klischee mit seinen Birkenstocks, dem Guardian samt seinem Gläschen Whiskey.
Von der „Sunday Times“ wurde die Vorlage zu einem der 100 besten Bücher des 21. Jahrhunderts gekürt. Regisseur Dylan Southern, bislang mit Musikvideos und Dokumentationen in Erscheinung getreten, bekam voriges Jahr mit seinem Kinodebüt eine Einladung für Sundance und die Berlinale. Vergleichbare Lobeshymnen wie für den Roman blieben für das krude Gruselstück allerdings aus. Auf der Leinwand fehlt es schlicht an der literarischen Magie. Allein auf den „Sherlock“-Mimen ist einmal mehr Verlass.
Dieter Oßwald







