Der Festländer

Das Leben auf einer Insel stellt man sich idyllisch vor. Einsam, ruhig, im Einklang mit der Natur. Es ist eine romantisierende Vorstellung, die Autor und Regisseur Louis Paxton in seinem Kinodebüt ad absurdum führt. Denn das Leben auf einer Insel ist hart, insbesondere, wenn man keinerlei Kontakt zum Festland hat. Aber so wollen es die Geschwister Isla und Sandy.

 

Über den Film

Originaltitel

The Incomer

Deutscher Titel

Der Festländer

Produktionsland

GB, US, IE

Filmdauer

102 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Shirley O’Connor, Emily Gotto

Regisseur

Louis Paxton

Verleih

Universal Pictures International Germany GmbH

Starttermin

10.12.2026

 

Seit 30 Jahren leben Isla und Sandy alleine auf der Insel. Sie essen, was sie jagen, und sie leben in Furcht vor den Festländern. Denn von denen hat schon ihr Vater, der einst Selbstmord beging, erzählt. Man kann ihnen nicht trauen, weswegen Isla und Sandy sich vorbereiten, jeden zu attackieren, der die Insel betritt. Das muss auch Daniel feststellen, der geschickt wurde, weil er die Zwei informieren soll, dass sie umgesiedelt werden. Die Insel wird zum Wildreservat. Aber Isla und Sandy wollen nicht gehen, und Daniel beginnt nach und nach ein Verständnis dafür zu entwickeln …

„Der Festländer“ lebt natürlich auch von der grandiosen Landschaft. Auf einer Insel wurde nicht gefilmt, wohl aber in den schottischen Highlands und in der Nähe von John o‘ Groats, dem nördlichsten Punkt des britischen Festlands. Mit Isla und Sandy hat Paxton zwei sehr ungewöhnliche Hauptfiguren, sich selbst aber für normal halten. Das ist bereits der erste große Lacher in den ersten Minuten, wenn man Isla kennen lernt. Es gibt auch noch andere Momente, die sind in ihrer Absurdität zum Schreien komisch, „Der Festländer“ ist aber keine Komödie des lauten Humors. Eher schon eine Tragikomödie, weil es eben auch darum geht, wie zwei Menschen von ihrem Vater so indoktriniert wurden, dass sie Angst vor allem haben, was es da draußen gibt. Zugleich ist der Film aber auch eine Ode an die Andersartigkeit, an die Individualität, und daran, dass man leben kann und soll, wie man will. Die Hauptfiguren müssen sich im Verlauf der Geschichte jedoch die Frage stellen, ob es Angst ist, die sie an diesen Ort fesselt.

Daniel wiederum ist ein Außenseiter, der erst auf der Insel und im Umgang mit den Geschwistern erkennt, dass es okay ist, anders zu sein. Die Interaktion der Figuren ist konsequent. Erst hassen Isla und Sandy den Neuankömmling, dann werden sie mit ihm immer mehr warm, während Daniel wiederum dem Charme des einfachen Lebens verfällt. Paxton macht aber mehr als nur das aus seiner Geschichte. Er erzählt sie fast schon wie ein Märchen, akzentuiert durch Islas Off-Kommentar. Zugleich driftet er ins Phantastische, denn Isla begegnet immer wieder dem Finnenmann, einem Meereswesen, das versucht, sie ins Wasser zu locken – man fühlt sich hier an Pennywise erinnert, der Kinder in die Kanalisation locken will. Der Finnenmann ist aber nur eine Imagination oder vielleicht auch ein Ausdruck dafür, dass Isla sich langsam zu verlieren beginnt.

„Der Festländer“ überzeugt nicht nur durch die exakte Charakterisierung und die exzellenten Darsteller, sondern auch durch seine überraschende Erzählweise. Paxton hat eine Prämisse ersonnen, deren Ende sich nicht absehen lässt. Der Film könnte tatsächlich in jede Richtung gehen, die, die er dann einschlägt, mag vielleicht wie ein Verrat am Nonkonformismus wirken, ist aber irgendwie durchaus folgerichtig, weil Leben eben auch Entwicklung bedeutet. 

Alles in allem ein schöner Film – optisch, aber auch inhaltlich. Im Englischen sorgen die schottischen Akzente für sprachlichen Lokalkolorit, sind aber natürlich eine Herausforderung. 

 

Peter Osteried

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