Disunited Nations – Die UNO und der Nahe Osten

Mit viel Enthusiasmus und Hoffnung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die Vereinten Nationen gegründet, in der Absicht, eine Organisation entstehen zu lassen, die zum Frieden auf der Welt beiträgt. Besonders im Nahen Osten stießen die Vereinten Nationen jedoch schnell auf Hindernisse, die bis heute andauern, wie Christophe Cotteret in seinem Dokumentarfilm „Disunited Nations – Die UNO und der Nahe Osten“ zeigt.

 

Über den Film

Originaltitel

Disunited Nations Proche-Orient : l’ONU dans la tourmente

Deutscher Titel

Disunited Nations – Die UNO und der Nahe Osten

Produktionsland

FRA,BEL

Filmdauer

79 min

Produktionsjahr

2025

Produzent

Benoît Roland, Christophe Cotteret

Regisseur

Christophe Cotteret

Verleih

IMMERGUTEFILME c/o Lichtblick Cinema GmbH

Starttermin

24.09.2026

 

Mit dem Völkerbund hatte es nach dem Ersten Weltkrieg schon einmal den Versuch gegeben, eine Weltorganisation zu schaffen, um weitere Kriege und Konflikte zu verhindern. Doch ohne die USA, deren Parlament eine Mitgliedschaft verhinderte, erwies sich die Organisation als hilflos und war schnell Geschichte.

Ein paar Jahre später, nach dem noch verheerenden Zweiten Weltkrieg klappte es: 1945 wurden in San Francisco die Vereinten Nationen gegründet, der inzwischen fast alle Länder der Welt angehören, darunter auch manche, die kaum existieren, Palästina etwa. Zumindest Beobachterstatus besitzt Palästina seit 2012, eine Vollmitgliedschaft scheiterte am Veto der USA, womit man sich schon mittendrin in einem der umstrittensten Themen der UN befindet, dem Nahost-Konflikt, dem übermäßigen Einfluss der ständigen Vertreter des Weltsicherheitsrates, Israel, Antisemitismus, Menschenrechte.

Ein Themenfeld, das seit dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel mit über tausend Toten und dem anschließend begonnenen Gaza-Feldzug mit inzwischen mindestens 70.000 Toten, zur erneuten Zerreißprobe der UN geworden ist. Eine der Hauptbeteiligten ist dabei die Italienerin Francesca Albanese, die seit 2022 den Posten der Sonderberichterstatterin des UN-Menschenrechtsrates für die palästinensischen Gebiete innehat. Israel und die besetzten Gebiete darf sie nicht betreten, die israelische Regierung bezeichnete die Juristin von Anfang an als Sprachrohr der Hamas, beschuldigte sie der verzerrenden Berichterstattung, auch Antisemitismus Vorwürfe wurden laut, inzwischen hat auch die amerikanische Regierung, die traditionell immer an der Seite Israels steht, Sanktionen gegen Albanese verhängt.

In Christophe Cotteret Dokumentarfilm „Disunited Nations – Die UNO und der Nahe Osten“ bekommt Albanese nun viel Raum ihre Sicht auf die Dinge zu schildern, in privatem Rahmen unterhalten sich die Juristin und der Filmemacher, womit die Haltung, die der Dokumentarfilm einnimmt, klar sein dürfte.

Mehr als kritisch beschreibt Cotteret die lange, problematische, umstrittene Beziehung der UN zum Nahost-Konflikt, die 1948, dem Gründungsjahr Israels, mit einem Mord begann. Damals wurde der Schwede Folke Bernadotte, der offizielle Vermittler der UN für Palästina, in Jerusalem von jüdischen Extremisten ermordet, einen Tag nachdem er einen Bericht vorgelegt hatte, der das Rückkehrrecht für die Palästinenser forderte, die im Zuge des Unabhängigkeitskrieges von 1948 aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Damals, nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es viele Baustellen auf der Welt, vielleicht lag es auch daran, dass die Weltgemeinschaft nicht erkannte, welches Unrecht in Palästina geschah, dessen Folgen auch Jahrzehnte später noch zu spüren sind. Immer wieder hat die UN seitdem versucht den Konflikt mit Resolutionen, dem Versuch, friedliche, für alle Beteiligten akzeptable Lösungen zu finden, ein Ende zu bereiten, doch auf Phasen, in denen es Verhandlungen gab, in denen ein Frieden erreichbar schien, folgte unweigerlich eine erneute Eskalation mit neuen Opfern, weiteren Toten.

All das verblasst jedoch hinter der aktuellen Eskalation, dem Feldzug Israels als Folge des Massakers vom 7. Oktober, eine Vorwärtsverteidigung, bei der gegen „menschliche Tiere“, wie der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallantdie Bewohner Gazas nannte, gekämpft wurde und dementsprechend rücksichtslos agiert wurde. Zehntausende Frauen und Kinder wurden seitdem getötet, mehr Bomben geworfen, als in vielen Jahren des Zweiten Weltkriegs auf deutsche Städte wie Dresden oder Hamburg.

Ob das noch als legitime Verteidigung bezeichnet werden kann ist eine Frage, die Gerichte in den nächsten Jahren beschäftigen wird, Cotterets Dokumentarfilm liefert eine Perspektive auf die Ereignisse, gerade in Deutschland mit seiner komplizierten Beziehung zu Israel, dürfte „Disunited Nations – Die UNO und der Nahe Osten“ kontrovers diskutiert werden.

 

Michael Meyns

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