Was tun, wenn der Vater seinen Job los ist und dem Alkohol verfällt? Für das toughe Geschwister-Duo Ronja und Melissa steht fest: Sie lassen sich nicht unterkriegen und nehmen ihr Schicksal in die eigene Hand. Schließlich stehen das Familienglück und Weihnachten auf dem Spiel. Der mit märchenhaften, tragikomischen Momenten garnierte Familienfilm „Ein helles Funkeln“ überzeugt mit (kindlichem) Optimismus und Einfallsreichtum. Den emotionalen Anker bilden die jungen Hauptfiguren, die sich mutig den Widrigkeiten des Lebens entgegenstellen.
Über den Film
Originaltitel
Stargate – en julefortelling
Deutscher Titel
Ein Helles Funkeln
Produktionsland
NOW
Filmdauer
90 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Yngve Sæther, Hege Hauff Hvattum
Regisseur
Ida Sagmo Tvedte
Verleih
barnsteiner-film
Starttermin
19.11.2026
Die zehnjährige Ronja (Luiza Idrizi) und ihre Schwester Melissa (Anna Drakopoulou Sverrisdóttir) leben mit ihrem Vater (Bartek Kaminski), einem Weihnachtsbaumverkäufer, zusammen. Sie alle freuen sich schon auf das nahende Fest der Liebe. Ausgerechnet kurz vor Weihnachten verfällt der Vater wieder seinem alten Laster – dem Alkohol. Er verliert seinen Job und plötzlich steht die Familie ohne Einkommen dar. Um die Existenz zu sichern und doch noch ein schönes Weihnachten zu erleben, übernehmen die Schwestern heimlich den Verkauf der Weihnachtsbäume.
Es ist eine Kunst, Weihnachts- und Familienfilme zu realisieren, die eine beschauliche Wohlfühlstimmung mit Elementen des Sozialdramas gelungen miteinander kombinieren. Noch dazu, ohne in Kitsch und allzu überzogene Sentimentalitäten abzudriften. Dem norwegischen Film „Ein helles Funkeln“ gelingt genau das. Es ist das Spielfilm-Debüt von Ida Sagmo Tvedte, die sich in ihrer skandinavischen Heimat einen Namen als erfolgreiche Regisseurin von Kinder- und Jugendserien gemacht hat. „Ein helles Funkeln“ beruht auf dem gleichnamigen Roman von Ingvild H. Rishøi, die auch am Drehbuch mitschrieb.
Das entschleunigt erzählte Werk folgt keinem erwartbaren Familiendrama-Regelwerk, sondern orientiert sich ganz an der Tragik und Unvorhersehbarkeit des echten Lebens. Wie schnell die bittere Realität Einzug hält erfahren Ronja und Melissa, nachdem ihr Vater (stark: Bartek Kaminski) einen schweren Rückfall erleidet. In der Folge kommt es zu einem Teufelskreis, der das – ohnehin fragile – Familienglück gefährdet. Der Jobverlust sorgt bei ihm nämlich erst recht für Gefühle der Scham, Wertlosigkeit und der Depression, der er im Rausch zu entkommen versucht. Der 50-Jährige verwahrlost, kommt nur noch schwer aus dem Bett und weiß nicht, wie er die Familie künftig ernähren soll.
All diesen schweren Themen (Existenzängste, Arbeitslosigkeit, Suchtkrankheit u.a.) widmet sich „Ein helles Funkeln“ eindringlich, sachlich und ohne künstliche Betroffenheit. Zudem ergründet Tvedte die Auswirkungen abwesender, handlungsunfähiger Eltern auf das Leben der Kinder. Ronja und Melissa werden gewissermaßen ihrer Kindheit/Jugend beraubt und sind gezwungen, schnell erwachsen zu werden. Sie müssen Verantwortung übernehmen und gleichzeitig als „neue“ Versorger der Familie in eine Rolle schlüpfen, die sonst die Eltern ausfüllen. Haushaltsführung und Erwerbstätigkeit eingeschlossen.
Dennoch ist der Film durchzogen von Optimismus, Hoffnung und einer positiven Grundstimmung. Diese geht vom tollen Geschwister-Gespann aus, eine Art Schicksalsgemeinschaft mit hohem Identifikationspotential für die jüngeren Zuschauer. Die beiden Hauptdarstellerinnen Luiza Idrizi und Anna Drakopoulou Sverrisdóttir vermitteln Ronjas und Melissas emotionalen Ausnahmezustand, der zunächst zwischen Resignation und Tatendrang schwankt, gekonnt und souverän. Vor allem Langfilm-Debütantin Idrizi legt die Befindlichkeiten ihrer Figur mühelos und auf nachvollziehbare Art offen.
Und auch für traumartig-magische Momente bleibt noch Platz. So wünscht sich Ronja schon lange ein gemütliches Häuschen im Wald, in dem die Familie glücklich vereint zusammenlebt und jegliche Sorgen fern sind. In einer der schönsten Szenen werden Ronjas Vorstellungen von der Waldhütte filmische Realität. Sie entfalten eine fast märchenhaft anmutende, poetische Note, die beinahe an den magischen Realismus von Visionären wie Jean-Pierre Jeunet („Die fabelhafte Welt der Amélie“) oder Guillermo del Toro („Shape Of Water“) erinnert.
Björn Schneider







