Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden

Vor 25 Jahren starb Einar Schleef, einer der umstrittensten Theater-Regisseure seiner Zeit, der die Bühnen des wiedervereinten Deutschland mit Inszenierungen prägte, die radikal waren, gerne sieben Stunden dauerten und oft missverstanden wurden. Ausschließlich aus Archivmaterial hat Sandra Prechtel nun den Dokumentarfilm “Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden“ zusammengestellt, der einen streitbaren, suchenden und tief einsamen Mann zeigt

 

Über den Film

Originaltitel

Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden

Deutscher Titel

Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden

Produktionsland

DEU

Filmdauer

92 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Sandra Prechtel

Verleih

Filmgalerie 451 GmbH & Co. KG

Starttermin

05.11.2026

 

Archivmaterial hat Sandra Prechtel nun den Dokumentarfilm “Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden“ zusammengestellt, der einen streitbaren, suchenden und tief einsamen Mann zeigt

 

1944, zum Ende der Nazizeit, wurde Einar Schleef geboren, in Sangershausen, einer kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt, die bald, nach der Trennung Deutschlands, Teil der DDR werden sollte. Eine lieblose Kindheit folgte, zum Studium zog Schleef nach Ostberlin, wo er Malerei studierte, der einzige Studiengang, bei dem Parteizugehörigkeit nicht erforderlich war.

Allzu lange hielt es den jungen Schleef jedoch nicht an der Universität aus, besser gesagt: Sehr schnell hatte die Hochschule genug von einem jungen Mann, der aneckte, seine Meinung sagte, Widerspruch provozierte. Schleef wurde Exmatrikuliert, fand bald seinen Weg ans Berliner Ensemble, wo er vom Brecht-Schüler B. K. Tragelehn entdeckt und protegiert wurde.

Doch die Enge der DDR war zuviel für Schleef, 1976 nutzte er einen Aufenthalt in Wien, wo er am Burgtheater inszenieren sollte, um im Westen zu bleiben. Doch die scheinbare Freiheit, die im Westen herrschte, erwies sich für Schleef als Schimäre, in seinem Tagebuch schrieb er einmal: „Dort die Mauer um alle. Hier die Mauer in jedem.“

Ein Gefühl von Einsamkeit und Isolation zieht sich nun auch durch Sandra Prechtels Dokumentarfilm “Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden“, der ausschließlich auf Archivmaterial zurückgreift, keine Zeitgenossen und Wegbegleiter Schleefs in neuen Interviews zu Wort kommen lässt, sich auch jedes Kommentars enthält.

Lose am Leben Schleefs entlangerzählt, ohne jedoch pedantisch biographisch zu werden, zeichnet Prestel das Bild eines Mannes, der immer wieder aneckte. Das geplante Inszenierungen aus dem ein oder anderen Grund platzen ist zwar nichts ungewöhnliches, bei Schleef scheint das Scheitern jedoch fester Bestandteil gewesen zu sein.

Und auch wenn die Inszenierungen fertig gestellt werden konnten, waren die Autoren oft nicht zufrieden, wie etwa Rolf Hochhuth, der sich wütend über Schleefs Inszenierung von seinem Stück „Wessis in Weimar – Szenen aus einem besetzten Land“ zeigte. Um das Handeln der Treuhandanstalt in den Jahren nach der deutschen Einheit geht es, um deutsche Geschichte also, eines der Themen Schleefs, der beide deutsche Staaten kannte und sich in keinem je wirklich wohl fühlte: „Meine Spaziergänge enden immer an der Mauer“ wird er einmal zitiert, da lebte er schon im Westen, konnte an der Volksbühne inszenieren, wurde von Claus Peymann unterstützt, auch wenn der bisweilen Probleme mit der ausufernden Länge von Schleefs Inszenierungen hatte. Die Premiere von Schleefs Inszenierung von Elfride Jelineks „Ein Sportstück“ drohte abgebrochen werden zu müssen, da die Premiere in Wien die örtliche Sperrstunde für Theaterinszenierungen zu sprengen drohte. Ausnahmsweise wurde eine Ausnahme bewilligt, die Vorführung konnte bis nach 23.00 weitergeführt werden – um anschließend endlos lange bejubelt zu werden.

Doch auch im Erfolg scheint Schleef ein Einzelgänger geblieben zu sein, in einem Ausschnitt aus einer Talkshow fragt ihn Alfred Biolek nach Freunden, einem Privatleben. Das gibt es nicht, antwortet Schleef, bis tief in die Nacht werde geprobt und am nächsten Morgen geht es weiter.

War Schleef zu Lebzeiten heftig umstritten und wurde oft angefeindet, wird er nun, 25 Jahre nach seinem frühen Tod, als Visionär gefeiert, auch von Sandra Prechtel in einer sehenswerten Dokumentation. Unfreiwillig mag der Vater ihm auf diesen Lebensweg gebracht haben, denn der Name Einar stammt aus dem skandinavischen und bedeutet passenderweise: Der Alleinkämpfer.

 

Michael Meyns

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