I Play Rocky

„Rocky“, Sylvester Stallones Durchbruch als Schauspieler, erzählt eine der großen Underdog-Geschichten Hollywoods – doch die Geschichte hinter dem Film ist fast noch großartiger. Und dient nun Peter Farrelly in „I Play Rocky“ als Grundlage für einen oft mitreißenden, tief nostalgischen Film.

 

Über den Film

Originaltitel

I Play Rocky

Deutscher Titel

I Play Rocky

Produktionsland

USA

Filmdauer

128 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Toby Emmerich, Christian Baha, Peter Farrelly, Michele Weiss, Pa

Regisseur

Peter Farrelly

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

26.11.2026

 

Mitte der siebziger Jahre setzt niemand einen Pfifferling auf Sylvester Stallone (Anthony Ippolito), der oft so abgebrannt ist, dass er in Hauseingängen von New York übernachten muss und sogar in einem Softporno mitspielt, um über die Runden zu kommen. Sein durch eine verunglückte Zangengeburt halbseitig gelähmtes Gesicht, seine hängenden Lider, seine bisweilen kaum verständliche Aussprache, lassen eine Filmkarriere in Hollywood völlig unmöglich erscheinen.

Doch Stallone glaubt an sich und lernt bald seine zukünftige Frau Sasha (AnnaSophia Robb) kennen, die ihn in diesem Glauben bestärkt. Der Legende nach war sie es, die Stallone dazu drängte, sich die Rollen selbst auf den Leib zu schreiben, die er spielen wollte, ein Rat, der schließlich zu einem der größten Stars der Filmgeschichte machte.

Zig Drehbücher hatte Stallone schon geschrieben, aber keins verkaufen können, als er eines Abends in einer Kneipe den Kampf um die Boxweltmeisterschaft zwischen dem legendären Muhammad Ali und Chuck Wepner sah, einem mittelmäßigen Boxer, der als Fallobst engagiert wurde, überraschenderweise aber 15 Runden durchhielt und Ali einmal sogar niederschlug. Dieser Kampf, die Resilienz Wepners wurde zur Inspiration für Rocky.

In dreieinhalb Tagen schrieb Stallone die erste Fassung des Drehbuchs, die von den Produzenten Irwin Winkler und Robert Chratoff für gut befunden wurde. Doch es gab ein Problem: Mit dem unbekannten Stallone ließ sich der Film nicht finanzieren, doch trotz des Angebotes, das Drehbuch für stetig steigende Summen zu verkaufen, bestand Stallone darauf, selbst die Hauptrolle zu spielen: Immer wieder sagt er: „Ich spiele Rocky“, bis schließlich seine Sturheit belohnt wurde.

Nach dem Abspann von Peter Farrellys „I Play Rocky“ sieht man einen alten Ausschnitt aus einer Talkshow, in der der Gastgeber Johnny Carson Sylvester Stallone begrüßt und von seiner unglaublichen Geschichte erzählt. Wenn man einen Film aus dieser Geschichte machen würde, so Carson, würde ihn niemand glauben. 50 Jahre später hat nun der mit brachialen Komödien bekannt gewordene Peter Farrelly diese unglaubliche Geschichte verfilmt und könnte nach „Green Book“ zum zweiten Mal bei den Oscars mitspielen.

Dort würde man sich vor allem Hauptdarsteller Anthony Ippolito wünschen, dem eine erstaunliche Performance gelingt. Der Gang, die Mimik, die Aussprache, der schüchterne Charme: Bis in kleinste Detail ähnelt Ippolito dem unverwechselbaren Sylvester Stallone, schafft es aber auch, die Figur zu mehr werden zu lassen als bloßer Mimikri.

Dabei hilft es natürlich, dass die Entstehung von „Rocky“ von absurden, glücklichen Zufällen geprägt war, den Filmemachern immer neue Hindernisse in den Weg gelegt wurden, die jedoch am Ende dazu führten, dass aus einem kleinen Film, an den kaum jemand glaubte, einer der größten Klassiker der Filmgeschichte wurde.

Gerade die zweite Hälfte von „I Play Rocky“, in der die Dreharbeiten zu „Rocky“ im Mittelpunkt stehen sind eine wahr Fundgrube für Filmfans: Vom Einsatz der revolutionären Steadycam, einer Handkamera, die fließende Bewegungen, aber vor allem ein schnelles Drehen möglich machte, über das fast zufällige Entdecken der legendären Filmmusik von Bill Conti, die anfangs einer der Produzenten (angeblich) für eher mittelmäßig hielt, bis zur Choreographie der Boxszenen, die Stallone und sein Gegenüber Carl Weathers entgegen aller Regeln selbst entwarfen.

Natürlich lebt „I Play Rocky“ erheblich vom Ikonengleichen Status von „Rocky“, doch auch wenn es sich Farrelly bisweilen etwas leicht macht, Szenen aus dem Vorbild nachstellt und von deren Qualität lebt: Dem Charme dieser doppelten Underdog-Geschichte kann man sich kaum entziehen.

 

Michael Meyns

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