Ice Cream Man

Für Eli Roth ist „Ice Cream Man“ so etwas wie die Rückkehr zu seinen Wurzeln mit viel Splatter, aber im Kern weniger garstig als sein Debüt „Cabin Fever“ oder die später gekommenen „Hostel“-Filme. Dass sein Herz für den eher blutigen Horror schlägt, kann auch seine Geschichte über einen teuflischen Eiskremverkäufer nicht verbergen, aber er geht hier mehr in Richtung Funsplatter, weil alles, was er zeigt, so überbordend übertrieben ist, als würde man der ewigen Fehde von Cartoon-Figuren wie Tom & Jerry zusehen.

 

Über den Film

Originaltitel

Ice Cream Man

Deutscher Titel

Ice Cream Man

Produktionsland

USA, CAN, GBR, FRA

Filmdauer

106 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Roth, Eli / Woodrow, Christopher, Harrison, Kate / Brinder, Raj

Regisseur

Roth, Eli

Verleih

STUDIOCANAL GmbH

Starttermin

06.08.2026

 

 

In einer Kleinstadt fährt ein Eiskremwagen herum. Die Kinder sind natürlich Feuer und Flamme, nur der kleine Jared kriegt keins – er ist laktoseintolerant. Zum Glück seiner Eltern, denn in der Nacht werden alle Kinder, die vom Eis genascht haben, zu blutrünstigen Mordmaschinen, die erst ihre Erzeuger und später jedem Erwachsenen, dem sie habhaft werden können, den Garaus machen. Als Jared zur Schule kommt, sind nur zwei andere Schüler nicht infiziert. Aber die Killer-Kids wollen auch die, die nicht zu ihnen gehören, mit einer Portion Eiskrem gefügig machen. Ein Kampf ums Überleben beginnt.

 

Filme wie „Ice Cream Man“ gibt es eigentlich kaum noch, denn Eli Roth verzichtet hier auf CGI-Einlagen, wie sie beispielsweise auch die Schlachtplatte „Evil Dead Burn“ hatte. Seine Effekte sind noch handgemacht. Ganz Old School. Überhaupt mutet sein Film wie aus der Zeit gefallen aus, da er sich traut, Kinder zu Killern zu machen. So etwas gab es schon lange nicht mehr. Man fühlt sich an „Kinder des Zorns“ erinnert, nur dass „Ice Cream Man“ spaßiger ist. Weniger ernsthaft. Mit seiner Lust am Gore und am Zerlegen menschlicher Körper weckt er indes Erinnerungen an Herschell Gordon Lewis, den Godfather of Gore, der in den Sechzigerjahren Blutorgien ins Horrorgenre einbrachte. „Ice Cream Man“ hat ein bisschen was von der Lust am filmischen Morden, die etwa in „2000 Maniacs“ zelebriert wurde. Im Grunde könnte man also sagen, dass Roth auf den Pfaden zweier sehr unterschiedlicher Genre-Filme wandelt.

 

Dabei gelingt es ihm, trotz derber Effekte eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Sein Film macht Spaß, allerdings unter der Voraussetzung, dass man mit launigen Splatter-Einlagen etwas anfangen kann. Ist das nicht der Fall, wird der Film zur Prüfung, die nicht jeder übersteht – selbst bei der Pressevorführung verließen Leute vorzeitig den Saal. Ob nun, weil ihnen das Blut und Gekröse zu viel wurde oder sie den Film einfach nur schlecht fanden, sei dahingestellt.

 

„Ice Cream Man“ richtet sich eben nicht an jeden. Roth, der auch eine kleine Rolle als Jareds Vater spielt, weiß, was er will: Einen Film, der schon alleine deswegen schockieren soll, weil es Kinder sind, die hier mordend durch die Stadt ziehen. Er macht sie dabei zu einer Urgewalt. In einer Szene fühlt man sich an Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ erinnert, als sich die Kinder hinter einem der Protagonisten sammeln. Beim nächsten Gegenschnitt ist dann schon das ganze Klettergerüst voll mit den Killer-Blagen.

 

In der Einladung an die Presse war dann noch ein Satz zu lesen, den wohl jeder Kinogänger beherzigen sollte: „Wir bitten daher alle Besuchende der Pressevorführungen, ihre persönliche Sensibilität gegenüber entsprechenden Inhalten vor dem Besuch angemessen einzuschätzen.“

 

Peter Osteried

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