Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes & Amir

Unglaublich, aber wahr: Diese märchenhafte Geschichte hat sich tatsächlich in Berlin-Schöneberg so zugetragen. Die betagte Agnes, stolze 101 Jahre ist sie alt, nimmt spontan den schwulen Asylbewerber Amir bei sich auf. Der junge Mitbewohner schützt nicht nur perfekt vor dem drohenden Umzug ins Altenheim. Er weckte zudem ganz neue Lebenskräfte in der rüstigen Rentnerin. Trotz Amirs drohender Abschiebung tritt das ungleiche Duo bei einem Tanzwettbewerb an, um einen neuen Rekord aufzustellen. Zu den Gewinnern gehört allemal das Publikum, das von dieser warmherzig-optimistischen Geschichte mit erfrischender Leichtigkeit lässig unterhalten wird. Diverse Klischeeklippen bleiben zweitrangig, schließlich handelt es sich ja um eine wahre Geschichte. Nachspannsitzenbleiber erfahren das mit Originalaufnahmen dieser ziemlich besten Freunde. 

 

Über den Film

Originaltitel

Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes & Amir

Deutscher Titel

Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes & Amir

Produktionsland

DEU

Filmdauer

108 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Halbig, Fabian / Kamhuber, Florian / Ebeling, Daniela

Regisseur

Hufnagel, Helena

Verleih

X Verleih AG

Starttermin

19.11.2026

 

„Für Agnes für immer – Georg 1992“, so steht es auf der Metallplakette an der Lehne der Parkbank. Die damit geehrte alte Dame wacht wie ein Luchs darüber, dass dieses öffentliche Sitzmöbel mit Respekt behandelt wird. Ein Fernglas in der Küche dient ihr zur Beobachtung. Bei Gefahr im Verzug rauscht die 100-Jährige, die aus dem Fenster schaut, mit dem Rollator sofort zum Brennpunkt, um für Ordnung zu sorgen. So auch bei jenem wohnungslosen Mann, dem die Bank zum Schlafen dient. Amir, ein junger Arzt aus dem Iran, hat einen Medizinkongress genutzt, um Asyl zu beantragen. Seine Homosexualität wäre ein sicheres Todesurteil in seiner Heimat, die hiesigen Behörden jedoch bezweifeln die sexuelle Orientierung des Antragstellers und eröffnen ein Prüfverfahren.

 

Sehr viel unbürokratischer klappt die Kommunikation zwischen Amir und Agnes. Da haben sich zwei Seelenverwandte gefunden, bei denen der Altersunterschied von 73 Jahren keine Rolle spielt. Die exzellenten Deutschkenntnisse, der smarte Humor sowie seine charmante Art sorgen für Begeisterung bei der alten Dame. Dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft und einer gemeinsamen WG steht nichts mehr im Weg. Die „Heimnotwendigkeitsbescheinigung“ des besorgten Hausarztes ist dank Untermieter nun Schnee von gestern. „Was ist das Wichtigste im Leben?“ – „Viel Glück und möglichst wenig Pech!“ philosophiert das ungleiche Pärchen vergnügt. „Alle sagen, ich bin rüstig. Rüstig heißt im Grunde, tot, aber zuckt noch“, weiß die 101-Jährige.

 

Als Amir von der Tanzleidenschaft seiner Vermieterin erfährt, meldet er beide zu einem Wettbewerb an. Ein neuer Rekord der ältesten Tänzerin der Welt soll aufgestellt werden. Während Agnes ihren ahnungslosen Untermieter raffiniert mit dem Fitnesstrainer verkuppelt, organisiert Amir eine fröhliche Geburtstagsfeier mit allen Nachbarn aus dem bislang anonymen Mietshaus. Doch bald ist Ende mit lustig. Dass Amir seinen neuen Lover beim Fremdgehen erwischt und die Mama eine Zwangsheirat fordert, sind da noch die kleinsten Probleme…

 

Ein kleiner Hauch von „Harold und Maude“ weht durch diese Wohlfühlkomödie von Helena Hufnagel („Generation Beziehungsunfähig“). Die schrullige Alte und der sensible Junge erweisen sich schnell als Sympathieträger mit großem Empathiepotenzial. Eine Schippe weniger Stereotype und dafür etwas mehr emotionale Tiefe sowie Entwicklung der Figuren hätte kaum geschadet.

Amir wirkt beinahe zu perfekt: hochqualifiziert, mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen und charismatisch. Als typische Fluchtgeschichte taugt diese Ausnahmefigur kaum. Der emotionalen Glaubwürdigkeit des Films tut das keinen Abbruch. Schließlich hat sich alles genau so oder so ähnlich zugetragen!

 

Die Chemie zwischen Schauspiel-Urgestein Katharina Thalbach und Newcomer Bardo Böhlefeld stimmt perfekt. Dank beeindruckender Altersmaske verkörpert die 72 Jährige ihre 30 Jahre ältere Figur mit erstaunlicher Glaubwürdigkeit. Die funkelnden Augen hinter den großen Brillengläsern zeigen eine Achterbahn der Emotionen: Vom Schmerz über den Verlust von zwei Ehemännern. Vom einsamen Leben, in dem es lediglich einen Goldfisch gibt. Vom Traum ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen. Von der Freude als erfolgreiche Kupplerin. Bardo Böhlefeld, mit iranischer Mutter und deutschem Vater in Rom geboren, überzeugt in seiner ersten Hauptrolle in einem großen Kinofilm mit charismatischem Charme und leinwandpräsenter Lässigkeit. Den beiden schaut man gerne zu, bis hin zu ihrem bewegenden Tanzfinale zu „Who Wants To Live Forever“ von Queen. Promi-Spotter werden gleichfalls gut bedient, die Gastauftritte reichen von

Jannik Schümann über Ronald Zehrfeld, Rainer Bock und Sara Fazilat bis zu Detlev Buck. Im Abspann schließlich gibt es auf Archivbildern die echte Agnes und ihren Amir zu sehen. Unglaublich, aber wahr!                            

 

Dieter Oßwald

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