In ihrer Doku ergründen Alexander Kleider und Daniela Michel die Frage, wie Menschen einander empathischer begegnen können. Dabei hilft ein zu einer Raumkapsel umgebauter Anhänger, in dem sich wildfremde Personen ohne äußere Einflüsse treffen. Der Ort des Geschehens: eine utopische Traumkulisse inmitten der südafrikanischen Wüste. „Lovebox“ erzählt unvoreingenommen von spannenden Ansätzen und anregenden Ideen. Im Zentrum steht ein ungewöhnliches soziales Experiment, in dem es um Nähe und Selbstreflexion geht.
Über den Film
Originaltitel
Lovebox
Deutscher Titel
Lovebox
Produktionsland
DEU
Filmdauer
101 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Kleider, Alexander / Michel, Daniela
Verleih
Neue Visionen Filmverleih GmbH
Starttermin
24.09.2026
Seit 2007 findet in der südafrikanischen Wüste das „AfrikaBurn“ statt. Weit über 10 000 Menschen kreieren dort eine illusorische Welt fern von Konsumzwang und Kapitalismus. Künstler, Individualisten, Naturfreunde und Abenteurer feiern zusammen und lernen sich kennen. Das Event beruht auf den Prinzipien Nachhaltigkeit, Kreativität und absoluter Freiheit: Jede/r darf sich individuell ausdrücken, etwa in Form von Performances oder Verkleidungen.
Eine internationale Freundesgruppe wagt auf dem einwöchigen Kulturfestival einen besonderen Versuch. In ihrer interaktiven Lovebox, einem zu einem Raumschiff umgestalteten Anhänger, bringen sie jeweils zwei einander völlig unbekannte Menschen zusammen. Für sieben Minuten begegnen sich die Teilnehmer auf engstem Raum und ohne Ablenkung von außen. Sie sollen Fragen über die Liebe und das Leben beantworten. Lassen sich auf diese Weise Mitmenschlichkeit, Gemeinschaft und Verbundenheit neu definieren?
Ebenso vielschichtig und facettenreich wie das Festival sind die 13 Personen hinter dem Lovebox-Versuch, von denen wir einige näher kennenlernen. Dazu zählt Eric van Lente, der zu den Themen Oneness und nonduales Bewusstsein promoviert hat. Er ist die Stimme aus dem Off und könnte mit seinem beruflichen Hintergrund nicht besser als Erzähler eines Films geeignet sein, in dem es um das „Einssein“ und die Suche nach innerer Erkenntnis geht.
„Lovebox“ funktioniert auf mehreren inhaltlichen Ebenen. Einerseits bringt uns der Film das „AfricaBurn“-Event nah, über das man an sich schon eine ausführliche Dokumentation drehen könnte. Allein die dahinterstehenden Ideen und klugen Ansätze rechtfertigen unbedingt eine nähere Betrachtung. Geld, gesellschaftliche Rollen und ein wie auch immer gearteter Status existieren auf dem „AfricaBurn“ nicht. Fern von Leistungsdruck und Zwängen darf man sein, wer und wie man ist. Eine reine Utopie, das ist klar, aber „Lovebox“ zeigt, wie ein Leben ohne all die Gebote und Pflichten des täglichen Lebens aussehen könnte. Frei von Gewinnorientierung, Hektik und Stress.
Ebenso spannend ist das eigentliche Experiment, das zunächst eher wie eine surreale, romantische und etwas naive Idee wirkt. Das ändert sich, sobald die ersten Teilnehmer die Lovebox betreten. Menschen, die sich im Alltag vermutlich nie begegnet wären, sitzen sich gegenüber und schauen sich tief in die Augen. In den ersten Minuten geht es vor allem um Präsenz und das Aushalten von Stille. Dann teilen die Personen ihre Gedanken und persönlichen Geschichten teilen oder berichten über lebensverändernde Ereignisse.
Die Filmemacher Alexander Kleider und Daniela Michel fangen die – intensiven – Reaktionen unmittelbar und ganz direkt ein. Schnell zeigt sich: Es geht in der Lovebox nicht nur um die Konfrontation mit anderen, sondern auch mit sich selbst. Kleider und Michel urteilen nicht, sie greifen nicht ein und beobachten das Geschehen neutral von außen. Sie umschiffen mit ihrer objektiven Sicht zudem die Gefahr, in allzu esoterisch-spirituelle Gefilde abzudriften.
Was bleibt am Ende von dem Experiment? Für den Autor dieser Zeilen sind es in erster Linie zwei Erkenntnisse und Botschaften, die haften bleiben. Zum einen ist die Familie bei vielen von uns mit ursächlich für Enttäuschungen, inneren Schmerz und die Art, wie wir auf das Leben – und uns selber – blicken. Zum Zweiten kann man „Lovebox“ als Aufforderung deuten, mutig zu sich selbst und seinen Gefühlen zu stehen. Ein Plädoyer für mehr Verletzlichkeit, Emotionen und gegenseitige Empathie.
Björn Schneider







