Maysoon

Die aus Ägypten stammende Maysoon scheint alles zu haben: eine harmonische Partnerschaft, ein tolles Familienleben mit zwei Kindern, finanzielle Sorglosigkeit. Doch mit einem Schlag droht sie all das zu verlieren. „Maysoon“ erzählt von ihrem Kampf um Unabhängigkeit, den drohenden Verlusten aber auch den Chancen, die lebensverändernde Ereignisse mit sich bringen. Am Ende steht ein mit großer Beiläufigkeit erzähltes Werk zwischen Selbstfindungstrip, Familienporträt und Beziehungsdrama, das ohne unnötigen Storyballast auskommt und essenzielle Botschaften vermittelt.

 

Über den Film

Originaltitel

Maysoon

Deutscher Titel

Maysoon

Produktionsland

DEU, GRC

Filmdauer

121 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Biniadaki, Nancy

Verleih

Grandfilm GmbH

Starttermin

19.03.2026

 

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Arabischen Frühling führt die junge Ägypterin Maysoon (Sabrina Amali) mit ihrem Freund Tobi (Florian Stetter) und zwei Kindern ein harmonisches Leben in Berlin. Doch dann gesteht ihr Tobi einen Seitensprung – ausgerechnet mit seiner Chefin. Durch dieses Vorkommnis gerät das Leben der Familie allmählich ins Wanken. Zwischen persönlicher Enttäuschung, dem möglichen Verlust ihrer Kinder und einer drohenden Abschiebung in die Heimat beginnt für Maysoon ein Kampf an mehreren Fronten.

„Maysoon“ begleitet eine starke, selbstsichere Frau durch ihren Alltag, die sich in Deutschland längst eine neue Heimat und ein stabiles soziales Netz aufgebaut hat. Der studierten Ägyptologin gelingt der tägliche Balanceakt aus Erziehung, Beruf und Selbstfürsorge – bis zu dem Augenblick, in dem Tobi ihr seine Affäre offenbart. Es ist eine nachdrückliche, intime Gesprächssituation im heimischen Wohnzimmer, die sich viele Minuten zieht.

Regisseurin und Drehbuchautorin Nancy Biniadaki konfrontiert den Betrachter oft mit solch ganz unmittelbaren, intensiven Szenen, in denen sich die Hürden und Herausforderungen zwischenmenschlichen Miteinanders offenbaren. Statt einen Schnitt zu setzen oder die Handelnden (sowie den Zuschauer) aus der Situation zu „erlösen“, verweilt die Kamera auf den Gesichtern der Involvierten. Dieser konfrontative Ansatz verstärkt die Dringlichkeit vieler Momente und zeigt sich später in einer weiteren zentralen Stelle im Film. Es ist ein von rückhaltloser Intensität gekennzeichneter Moment, welcher die beteiligten Erwachsenen an einem Restauranttisch versammelt. Bei jener Zusammenkunft finden Maysoons innere Last und die Überforderung durch die veränderte Lebenssituation gänzlich Ausdruck.

„Maysoon“ handelt von „sogenannten“ Gewissheiten und als selbstverständlich erachteten Dingen im Leben, etwa ein funktionierendes Familienleben und eine stabile Partnerschaft, die plötzlich brüchig erscheinen. Manchmal sind sie von jetzt auf gleich nicht mehr so sicher und selbstverständlich – das erfährt auch Maysoon. Fortan beginnt für die Protagonistin ein Kampf um ein selbstbestimmtes Leben und einen gefestigten Platz in einer (für sie nach wie vor) fremden Kultur und Gesellschaft. Erschwerend kommen lange verdrängte Gefühle der Ohnmacht und Angst in ihr auf, die ganz unmittelbar mit früheren Ereignissen aus ihrer Heimat zusammenhängen.

Welche Geschehnisse das im Einzelnen sind, erfahren wir nicht. Auch an anderen Stellen entscheidet sich Biniadaki dafür, nicht alles offenzulegen, sondern Raum für Interpretation zu lassen. Die griechisch-stämmige Filmemacherin mit Wohnsitz in Berlin kann sich darüber hinaus auf ein wunderbares Ensemble verlassen, in dessen Mittelpunkt zwei großartige Hauptdarsteller stehen. Stetter und ganz besonders Amali agieren mit großer Hingabe für ihre Rollen und kehren die Verletzlichkeit ihrer verunsicherten Charaktere jederzeit glaubwürdig nach außen.

Die Filmemacherin verwendet für Maysoons Suche nach Orientierung und – neuen – Haltepunkten im Leben klare, nüchterne Bilder und setzt auf eine zurückhaltende Erzählung, die ohne Effekthascherei sowie plumpe Wendungen auskommt. Das setzt sich auf der Tonspur fort. Der Film ist immer wieder durchzogen von schöner, sorgsam eingesetzter Hintergrundmusik, die die jeweiligen Szenen in ihrer Wirkung unterstützt. Aber die instrumentalen Klänge sind nur dann klar vernehmbar, wenn sie wirklich etwas zur Situation beitragen.

Biniadaki gelingt mit „Maysoon“ ein sehr menschliches Drama, das sich dem echten, wahrhaftigen Leben verschreibt – mit allen Höhen und Tiefen. Durch das einprägsame, im wahrsten Sinne innige Schlussbild entlässt sie uns mit einem Gefühl der Hoffnung und der Zuversicht.

 

Björn Schneider

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