Als ruhige, manchmal direkt kontemplative Dokumentation erzählt der Film die Geschichte des früh verstorbenen 16. Karmapa – Oberhaupt einer der vier Hauptschulen des tibetanischen Buddhismus – und er beschäftigt sich mit der Frage, wie der Buddhismus den Weg in den Westen fand.
Dabei setzt die Regisseurin Márta György-Kessler vor allem auf ihre persönlichen Kenntnisse des Buddhismus, auf ihre gute Beziehung zu vielen ihrer Protagonisten und auf eindrucksvolles Archivmaterial.
Über den Film
Originaltitel
Meeting the Buddha
Deutscher Titel
Meeting the Buddha
Produktionsland
GBR
Filmdauer
144 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Kessler-Gyorgy, Màrta
Verleih
Filmwelt Verleihagentur GmbH
Starttermin
08.10.2026
Rangjung Rigpe Dorje, der 16. Karmapa, war das Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie, einer der großen Schulen des tibetischen Buddhismus. Márta György-Kessler nähert sich seiner Biographie über historische Stationen und über die Menschen, die seinen Weg begleiteten. In Animationen und anhand von alten Fotos und Filmaufnahmen erzählt sie von seiner Kindheit in Tibet, von Flucht und Exil und von dem Versuch, eine jahrhundertealte Tradition unter völlig veränderten politischen und kulturellen Bedingungen zu bewahren.
Eine zweite Handlungsebene startet 1969 im Himalaya. Dort treffen die jungen Dänen Ole und Hannah Nydahl auf den Karmapa. Sie werden ebenfalls porträtiert und ausführlich vorgestellt: der wilde Hippie-Junge und die neugierige, sprachbegabte Studentin. Was zunächst wie die seinerzeit modische Sinnsuche klingt, die viele westliche Reisende damals auf dem „Hippie-Trail“ nach Asien führte, wird für beide zur Lebensentscheidung. Sie werden Schüler des Karmapa und tragen seine Lehre in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nach Europa und in die gesamte westliche Welt. György-Kessler interessiert dabei besonders das Verhältnis zwischen dem spirituellen Lehrer und seinen Schülern: Wie entsteht Vertrauen, wie wird Wissen weitergegeben, und was wird aus einer spirituellen Tradition, wenn sie aus ihrem ursprünglichen Umfeld in eine westliche Gesellschaft gelangt?
Für diese große Geschichte nimmt sich die Regisseurin sehr viel Zeit. Eigentlich erzählt sie sogar zwei Geschichten, und jede für sich allein wäre bereits abendfüllend. 144 Minuten sind für einen Dokumentarfilm sehr sportlich, und schon aus diesem Grunde wird der Film vermutlich vor allem eher ein special interest-Publikum ansprechen. Natürlich gehört die Ruhe zum Konzept. Interviews, historische Filmaufnahmen, Fotografien, Animationen und Bilder wichtiger Schauplätze fügen sich zu einem ausufernden Panorama. Die zahlreichen, aber immer recht kurzen Talking Heads-Passagen, in denen vor allem Ole Nydahl oft zu Wort kommt, wechseln sich mit Originalbildern ab. Das Archivmaterial ist dabei nicht nur interessant, sondern es gibt dem Film eine gewisse Effizienz: Wo Erinnerungen leicht ins Feierliche abdriften könnten, sorgen die alten Bilder dafür, dass über Menschen, Orte und Situationen die Verbindung zur Gegenwart geschaffen wird. Der 16. Karmapa wird immer mehr zur Verbindung zwischen den beiden Erzählsträngen. Durch seine internationalen Aktivitäten entwickelt er sich immer mehr von einer spirituellen Figur zur historischen Persönlichkeit.
Márta György-Kessler kennt die buddhistische Gemeinschaft, über die sie erzählt, selbst seit vielen Jahren. Die Ungarin war Schauspielerin, als sie 1990 die Nydahls kennenlernte und begann, sich selbst mit dem Buddhismus zu beschäftigen. Mehr als 15 Jahre reiste sie gemeinsam mit den beiden und begleitete sie in viele buddhistische Zentren, von denen es in Europa immer mehr gab. Besonders mit Hannah fühlte sie sich verbunden und hatte die Idee zu einem Dokumentarfilm über sie, der unter dem Titel „Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit“ 2018 in die Kinos kam. Da war Hannah Nydahl bereits verstorben, Ole Nydahl starb 2026. Die Nähe zu den beiden charismatischen Dänen prägt den Film sehr deutlich. „Meeting the Buddha“ ist allerdings, wie erwartet, kein investigatives Porträt und schon gar keine kritische Bestandsaufnahme der späteren Entwicklung des westlichen, sogenannten „Diamantweg-Buddhismus“, der von dem 16. Karmapa gemeinsam mit den Nydahls angestoßen wurde. Die Perspektive ist die einer Beteiligten, die ihr Wissen bewahren und weitergeben möchte. Das kann man als Begrenzung sehen; zugleich ermöglicht diese Vorgehensweise einen Zugang zu Menschen, Erinnerungen und Material, den eine distanzierte bzw. kritische Auseinandersetzung kaum erhalten hätte. Dabei fällt aber angenehm auf, dass der offenkundige spirituelle Aspekt des Films nicht durch künstliche Dramatisierung oder mit dem berühmt berüchtigten besserwisserischen Zeigefinger aufgepeppt wird.
So ist ein Film entstanden, der viele Einblicke in den tibetischem Buddhismus und in seine Geschichte bietet. Im Kern geht es um etwas ziemlich Handfestes: um Begegnungen, die Lebenswege verändern können, um die Weitergabe von Erfahrungen und um die ganz erstaunliche Reise einer alten Lehre durch ein Jahrhundert voller Umbrüche, zu denen Exil, politische Verwerfungen und die Überwindung kultureller Grenzen gehörten. Und damit wird „Meeting the Buddha“, abgesehen von seiner spirituellen Dimension, schließlich zu einem sehr persönlichen historischen Dokument. In aller Ruhe – still, konzentriert und mit viel Achtung vor den Menschen, von denen er erzählt.
Gaby Sikorski







