Morgen war Krieg

Eine Dystopie, die von unserer Gegenwart nicht allzu weit entfernt scheint: In „Morgen war Krieg“ erzählt Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Ehret die Geschichte eines jungen Mannes, der in einem von Rechtspopulisten regierten Deutschland nach dem Zerfall der Europäischen Union zum Kriegsdienst eingezogen werden soll, sich aber für die Flucht entscheidet. Begrenzt auf einen intimen Rahmen, überführt das eindringlich gespielte Drama die gesellschaftlichen und politischen Spannungen der Jetztzeit in ein beklemmendes Zukunftsszenario.

 

Über den Film

Originaltitel

Morgen war Krieg

Deutscher Titel

Morgen war Krieg

Produktionsland

DEU

Filmdauer

114 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Hüseyin Tabak, Mehmet Aktaş

Regisseur

Nicolas Ehret

Verleih

PROGRESS Filmverleih – PROGRESS Film GmbH

Starttermin

24.09.2026

 

Die Europäische Union ist Geschichte, und in Deutschland haben rechte Kräfte die Macht übernommen. Nicolas Ehret zeichnet in „Morgen war Krieg“, seiner zweiten abendfüllenden Regiearbeit, ein, gerade mit Blick auf die Erfolge der AfD, beängstigendes Bild. Allzu weit liegen unsere von Spannungen und Unsicherheiten zerfressene Gegenwart und das hier skizzierte Zukunftsszenario nicht auseinander. Der gewaltsame Konflikt, von dem im Titel die Rede ist, wirft zu Beginn seine Schatten voraus und droht, auch den Protagonisten Jonas (Enno Trebs) zu verschlingen. Wie alle fähigen jungen Männer soll er eingezogen werden, um sein Land zu verteidigen. 

 

Nach dem ersten Schock fasst er eine gefährliche Entscheidung: Zusammen mit seiner kleinen Halbschwester Leonie (Naila Schuberth), für die er sorgt, will er die Flucht ergreifen. Irgendwo im Grenzland versteckt er sich schließlich bei seinem Vater Stuber (Ulrich Matthes), zu dem er den Kontakt schon vor vielen Jahren abgebrochen hat, und dessen Lebensgefährtin Wibke (Susanne Bredehöft). Die nie aufgearbeitete Vergangenheit, aber auch die bedrohliche neue Wirklichkeit hängen wie ein Damoklesschwert über dem Haus am Fluss, an dessen Ufer ein Schutzzaun gegen Flüchtlinge errichtet wird. Als ein Fremder namens Krasimir (Rinat Khairullin) Jonas um Hilfe bittet, spitzt sich die Lage zu.

 

„Mitgefühl ist eine Schande der Neuzeit“, heißt es an einer Stelle. Ein erschütternder Satz, der das Klima im Deutschland des Films gut zusammenfasst. Von Anfang an bestimmt eine ungemütliche, in nasskalt-entsättigte Aufnahmen gepackte Atmosphäre das Geschehen. Das Gefühl von Perspektivlosigkeit, Tristesse und fehlender Freiheit drückt sich zudem im quadratischen Bildformat aus, das die Figuren wie Gefangene wirken lässt. Auch die oft sparsam, eher altmodisch eingerichteten Innenräume verströmen keinerlei Wärme oder Geborgenheit. Jonas, der in einer Zeit von Frieden und Wohlstand aufgewachsen ist, möchte seine Ideale, seine gesunden moralischen Maßstäbe nicht verraten, stößt aber zunehmend an Grenzen. Denn angesichts der im Hintergrund etwa durch Flugzeuge präsenten Kriegsvorbereitungen denken viele Menschen zuerst einmal an ihre eigene Sicherheit, das eigene Überleben.

 

Große gesellschaftliche und politische Verwerfungen, die damit verbundenen Ängste und Zweifel werden in Ehrets Drehbuch auf den intimen Rahmen der Familie heruntergebrochen, spiegeln sich ebendort in verdichteter Weise wider. „Morgen war Krieg“ beleuchtet nicht zuletzt die Beziehungen zwischen den Generationen. Jonas‘ Opa (Friedhelm Ptok) hat für die Befindlichkeiten seines Enkels nur Verachtung übrig. Der Protagonist wiederum will sich Stuber zunächst nicht annähern, da er dessen früheres Handeln für verantwortungslos hält. Zu Leonie hat Jonas hingegen eine besondere Bindung, die gerade im Einstiegsteil sehr schön herausgearbeitet wird. Zwischendrin geht die Figur des Mädchens leider ein bisschen verloren. Erst im dritten Akt kommt ihr wieder – auch emotional – größere Bedeutung zu.

 

Dramaturgisch verstolpert sich das dystopische Drama gelegentlich. Und vielleicht ist „Morgen war Krieg“ rund zehn Minuten zu lang geraten. Einfach so abschütteln lässt sich das, was Nicolas Ehret aus den Auseinandersetzungen und Stimmungen unserer Gegenwart extrapoliert, jedoch nicht. Schon allein deshalb nicht, weil die Darsteller, allen voran Enno Trebs, Naila Schuberth und Ulrich Matthes, die Charaktere mit genügend Leben füllen, um ihrem Weg mit Interesse zu folgen.

 

Christopher Diekhaus

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