My Week With Marilyn

Eine Ikone wie Marilyn Monroe scheint auf ewig mit bestimmten Bildern, Posen und Sätzen verbunden. Die berühmte Szene mit dem wehenden Kleid aus „Manche mögen’s heiß“ oder das gehauchte Geburtstagsständchen an John F. Kennedy sind dafür nur zwei Beispiele. Jede Schauspielerin, die als Marilyn Monroe auftritt, muss sich mit diesen Bildern vergleichen lassen. Michelle Williams („Brokeback Mountain“, „Blue Valentine“) scheute dieses Wagnis nicht – zum Glück. Für ihre angenehm klischeereduzierte Darbietung erhielt sie eine verdiente Oscar-Nominierung. Dabei ist „My Week with Marilyn“ sowohl ein Film über den vielleicht größten Kinostar des 20. Jahrhunderts als auch über eine kurze aber intensive Liebe.

Webseite: www.myweekwithmarilyn.de

USA 2011
Regie: Simon Curtis
Drehbuch: Adrian Hodges nach den Büchern von Colin Clark
Darsteller: Michelle Williams, Eddie Redmayne, Kenneth Branagh, Julia Ormond, Emma Watson, Dougray Scott
Kinostart: 19.4.2012
Laufzeit: 99 Minuten
Verleih: AscotElite, Vertrieb: 24 Bilder

PRESSESTIMMEN:

Ein junger Produktionsassistenz erlebt, wie Hauptdarstellerin Marilyn Monroe mit haarsträubender Unprofessionalität fast einen ganzen Film ruiniert und ihn gleichzeitig vor der Mittelmäßigkeit rettet. Außerdem verknallt er sich natürlich in sie. Vorsichtige, gut gespielte Annäherung an eine Legende.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Zusammen mit Lady Di und der Queen war sie die wohl meistfotografierte Frau des 20. Jahrhunderts. Norma Jean Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe, ist bis heute der Inbegriff von Glamour, Sex-Appeal und Verführung. Ihr tragischer, viel zu früher Tod beschäftigte die Menschen ebenso wie die Frage, wer diese bildhübsche, innerlich scheinbar doch so unsichere Person wirklich war. Auch „My Week with Marilyn“ versucht sich an einer Antwort, wobei der Film ganz bewusst auf eine objektive, analytische Perspektive verzichtet. Sein Blick auf die Stilikone Marilyn Monroe ist vielmehr der eines Verliebten – fasziniert, verwirrt und manchmal nicht ganz zurechnungsfähig. Angesichts unzähliger Dokumentationen über den vielleicht größten Filmstar aller Zeiten, die sich allesamt an Fakten und Mythen mühsam abarbeiteten, lässt sich ein solch alternativer Ansatz durchaus rechtfertigen.

Der besondere Blickwinkel ist eine direkte Folge der Vorlage. Diese stammt vom britischen Dokumentarfilmer und Autoren Colin Clark. In seinen Mitte der 90er Jahre veröffentlichten Erinnerungen mit dem Titel „The Prince, the Showgirl and me“ schrieb Clark über seine Erlebnisse am Filmset von „Der Prinz und die Tänzerin“. Es war rückblickend einer der weniger erfolgreichen Auftritte Marilyn Monroes (Michelle Williams), die während der Dreharbeiten in England nicht nur die Geduld von Filmpartner und Regisseur Sir Laurence Olivier (wunderbar überdreht: Kenneth Branagh) auf eine harte Probe stellte. Regelmäßig erschien sie verspätet am Set, wirkte oftmals unkonzentriert und abwesend. Dass ihr Ehemann, der berühmte Dramatiker Arthur Miller (Dougray Scott), bereits nach wenigen Tagen ohne sie die Heimreise antrat, verschlimmerte noch ihre Einsamkeit. In dem jungen Laufburschen Colin (Eddie Redmayne) fand sie schließlich einen neuen Vertrauten. Zusammen mit ihm ließ sie für einige Tage sogar die Hektik der Dreharbeiten hinter sich.

Was während dieser Zeit geschah, konnte jeder in Clarks zweitem Monroe-Buch „My Week with Marylin“ nachlesen. Der gleichnamige Film konzentriert sich nun auf die besondere Beziehung des jungen, filmbegeisterten Mannes mit dem mitunter recht komplizierten, oftmals unglücklichen Hollywood-Star. Dabei verfällt auch Clark Marilyns Charme. Entgegen aller Warnungen verliebt er sich in sie. Was sie in ihm sieht, ist hingegen nicht so leicht zu beantworten. Zweifellos genießt sie seine Nähe und Aufmerksamkeit. Bei einem spontanen Ausflug aufs Land ähnelt die Stimmung plötzlich einem zwanglosen Urlaubsflirt, welchen Regisseur Simon Curtis in die dazu passenden Impressionen eines ländlichen Idylls verpackte. Der anschließende Besuch von Schloss Windsor zwingt Marilyn dann aber schnell wieder in der Rolle des Filmstars. Ganz Profi gibt sie sich so, wie man es von ihr erwartet.

Für Michelle Williams war die Rolle nicht ohne Risiko. Bei einem „Larger-than-Life“-Star wie Marilyn Monroe, von dem jeder glaubt, er kenne ihn, liegt die Gefahr des Scheiterns oder einer bloßen Imitation sehr nahe. Doch davon kann hier nicht die Rede sein. Auch wenn eine Oscar-Nominierung nicht immer ein Ausweis großer Schauspielkunst sein muss, so trifft diese Umschreibung auf Michelle Williams’ Marilyn ohne Einschränkung zu. Eigentlich spielt sie in „My Week with Marilyn“ gleich drei Rollen und damit drei durchaus gegensätzliche Facetten des blonden Sexidols. Neben des naiven Film-im-Film-Parts bewegt sie sich ständig zwischen der öffentlichen Marilyn mit all ihren Klischees und der privaten, doch sehr unsicheren Norma Jean. Es ist die Schizophrenie eines Filmstars, die ein Schauspieler schon von Berufswegen beherrschen muss. Marilyn, so deutet der als gediegenes Ausstattungskino angelegte Film an, wird eines Tages an diesem Widerspruch zerbrechen.

Marcus Wessel

„Der Prinz und die Tänzerin“ (1965) ist ein berühmter wenn auch nicht sehr erfolgreicher Film mit Laurence Olivier und Marilyn Monroe. Was sich beim Drehen rund herum abgespielt haben könnte, das erzählt „My week with Marilyn“. Grundlage sind die Memoiren von Colin Clark, der als 3. Regieassistent (und offensichtlich noch in ganz anderer Funktion) dabei eine Rolle spielte.

Wie genau Clark alles erlebt hat, ob er die Dinge übertrieb oder ausschmückte, ist nicht auszumachen.

Der berühmte Laurence Olivier, Gatte von Vivien Leigh, verpflichtet Marilyn für den Film, bei dem er selbst Regie führt. Für den Hollywood-Star bedarf es vielfältiger Vorbereitungen: Haus, Chauffeur, Manager, jedweden Luxus und jedwede Bequemlichkeit.

Marilyn selbst erscheint als ätherisches, verhuschtes, unsicheres, launisches aber auch liebreizendes Mädel. Den Text kann sie nicht, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen fällt ihr schwer. Sie kommt Stunden zu spät – oder gar nicht. Sie ist krank, schluckt offenbar jede Menge Tabletten oder Alkohol, bildet sich ein, dass jeder gegen sie sei.

Dass der 3. Regieassistent anders, sympathischer, menschlicher sein könnte, spürt Marilyn. Sie ist zu der Zeit zwar mit dem Dramatiker Arthur Miller verheiratet, geniert sich jedoch nicht, bei Clark Schutz zu suchen, sich ihm zu nähern, Tage mit ihm zu verbringen, ihn zu küssen. Ziemlich freimütig wenn auch indirekt erzählt sie, dass sie sich schon öfter auf diese Weise verliebt habe.

Dann, viel später als vorgesehen, ist der Dreh zu Ende – und auch die kleine Liebesgeschichte zwischen Colin Clark und Marilyn.

Mit viel Lebendigkeit und Gefühl, dramaturgisch ausgezeichnet, von der Auswahl der Schauplätze her echt und schauspielerisch glanzvoll wird die Drehzeit geschildert; wahrscheinlich kinomäßig ein wenig gepusht, aber ein Genuss. Als Show und menschlich ein Vergnügen. Dazu ist einiges über die Monroe zu erfahren.

Die Truppe der Akteure ist beeindruckend: Dass Michelle Williams für ihre makellose Darstellung der Monroe einen Golden Globe erhielt, ist mehr als verdient. Kenneth Branagh ist ein würdiger, klassisch-traditionalistisch eingestellter Laurence Olivier. Judi Dench als Grande Dame machte mit und auch Julia Ormond als Vivien Leigh sowie Emma Watson als kurzer Clark-Flirt Lucy oder Zoe Wanamaker als Marilyn-Freundin Paula Strasberg. Sehr gut spielt Eddie Redmayne den charismatischen, verliebten Colin Clark.

Thomas Engel