Normal

Mit den „Nobody“-Filmen hat Bob Odenkirk sich als Action-Star neu erfunden. Bei „Normal“ erwartet man darum mehr vom selben. Mehr Kämpfe, mehr Schießereien, vielleicht weniger Geschichte, aber Odenkirk im Haudrauf-Modus. Erfreulicherweise überrascht der Film, denn Autor Derek Kolstad, der die Story zusammen mit Odenkirk entwickelt hat, zeigte sich als Drehbuchautor der „John Wick“- und „Nobody“-Filme zwar durchaus als Mann fürs Grobe, bei „Normal“ hat man jedoch das Gefühl, dass er „Fargo“ häufiger gesehen hat. „Normal“ ist wohl am ehesten das, wie ein Actionfilm aussähe, wenn die Coen-Brüder ihn inszeniert hätten. 

 

Über den Film

Originaltitel

Normal

Deutscher Titel

Normal

Produktionsland

US

Filmdauer

90 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Marc Provissiero, Bob Odenkirk, Derek Kolstad

Regisseur

Ben Wheatley

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

16.04.2026

 

Normal ist ein mieses kleines Kaff in Minnesota. Der Sheriff ist vor kurzem verstorben, weswegen der nicht ortsansässige Ulysses als Interimssheriff agiert. Ausgewählt wurde er, weil ihm eigentlich alles egal ist. Weil er durchs Leben geht, ohne größeren Aufsehens durch Leben geht. Das ist ihm auch selbst bewusst, er hat sich das selbst eingebrockt. Dass sein Vorgänger unter mysteriösen Umständen starb, interessiert ihn nur halbwegs. Als dann die örtliche Bank überfallen wird und die Bankräuber auch in den Tresor wollen, ändert sich aber alles. Ulysses muss feststellen: In Normal ist eigentlich gar nichts normal.

 

„Normal“ ist nicht die Art Film, die gleich in die Vollen geht. Im Gegenteil: Er lässt sich Zeit, für die Etablierung der Hauptfigur, für das Vorstellen dieses kleinen Örtchens und seiner schrulligen Bewohner. Da kommt es schon mal vor, dass man zur Haustüre rausgeht und einem Elch gegenübersteht. Die Kleinstadtwelt von Normal, sie könnte auch einem Coen-Film entsprungen sein. Genau das ist reizvoll, denn „Normal“ lässt sich Zeit, nur um dann in den höchsten Gang zu schalten und ein Actiongewitter abzufackeln, das es in sich hat. Vor der Kulisse eines Schneesturms wird geschossen, explodiert und Mann gegen Mann gekämpft, wie man das bei einem Derek-Kolstad-Drehbuch erwartet.

 

Umgesetzt wurde es von Ben Wheatley, der schon mit „Free Fire“ gezeigt hat, wie exzellent er darin ist, Shootouts zu inszenieren. Sein „Sightseers“ zeigte wiederum, dass er auch skurril beherrscht. All das bringt er in diesen hoch vergnüglichen Film ein, der sogar ein paar ernste Momente hat, vor allem aber auch von Odenkirk lebt, dessen Sherif sich nicht nur aus allem heraushält, sondern durchaus auch eine humanistische Seite offenbart. Dass er dennoch für einen Leichenberg sorgt, muss da kein unüberwindbarer Kontrast sein.

 

So wie der Film die Wandlung vom skurrilen Kleinstadtgeschichtchen hin zum Action-Boliden meistert, so überrascht er am Ende auch mit einer unkonventionellen Lösung, um das Dilemma, in dem die Hauptfiguren stecken, aufzulösen. Aber das ist dann nur die Ruhe vor dem Sturm.

 

Wer schrägen Kleinstadtmief, Bob Odenkirk (In Action oder auch nicht) und kernige Schießereien vor atmosphärischer Kulisse mag, ist hier genau richtig. „Normal“ ist der wahrscheinliche anormalste Actionfilm des Jahres, und das ist gut so.

 

 

Peter Osteried

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