Nur geträumt

Die „Ziemlich beste Freunde“-Macher haben noch immer das Zeug zum ziemlich besten Zuschauer-Liebling. Beim Filmfest Hamburg jedenfalls gab es schon mal den Publikumspreis für diese nostalgische 80er-Jahre-Komödie über eine schrecklich nette Familie. Teenager Vincent hat Dauerzoff mit dem älteren Bruder. Die Sache mit der ersten Liebe ist auch nicht so einfach. Zudem zanken sich die Eltern ständig. Bei allem Retro-Charme der kurzweiligen Coming-of-Age-Komödie vergisst das Regie-Duo Éric Toledano und Olivier Nakache auch hier nicht die gesellschaftlichen Konflikte: Arbeitslosigkeit, Rassismus oder Identitätsfragen werden mit leichter Hand in das Feel-Good-Movie eingebaut. Hier dürfen sogar Helmut Kohl und François Mitterrand als schwules Paar auftreten.

 

Über den Film

Originaltitel

Juste une illusion

Deutscher Titel

Nur geträumt

Produktionsland

FRA

Filmdauer

119 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Adassovsky, Nicolas Duval / Nakache, Olivier / Toledano, Éric

Regisseur

Nakache, Olivier

Verleih

Weltkino Filmverleih GmbH

Starttermin

17.12.2026

 

In den goldenen 80ern ist die Welt noch in Ordnung. An den Wänden der Teenie-Zimmer prangen Poster von „Grease“ und „Rocky“. Und mit selbst bespielten Musikkassetten lässt sich erfolgreich das Taschengeld aufpolstern. Hinter der hübschen Fassade der heilen Retro-Welt lauern freilich handfeste Probleme. „Kündigung!“ heißt die Hiobsbotschaft für Familienoberhaupt Yves, der seine Arbeitslosigkeit aus Scham lieber verheimlicht. Gattin Sandrine hofft auf den langersehnten Karrieresprung. Anrufe der zankenden Kinder mitten in wichtigen Meetings sind dabei kaum förderlich.

Für Teenie Vincent ist die Pubertät kein Ponyhof. Nicht nur, dass er sich mit seinem älteren Bruder das Zimmer teilen muss und ständig Zoff mit ihm hat. Auch sein ganz großer Schwarm Anne-Karine straft ihn mit Missachtung. Immerhin macht ein gemeinsames Referat mit seiner Mitschülerin Hoffnung. Gleichsam zum Vorglühen ergattern Vincent und seine Freunde mit reichlich Raffinesse im Videoshop einen Erotikfilm. Dass der Streifen später in einer Schachschachtel des Rabbiners landen und für Probleme sorgen wird, können die Jungs da noch nicht ahnen.

Papa Yves plagen derweil finanzielle Probleme. Zum Glück hat sein ältester Sohn mehr Geschäftstalent. Er verhökert auf dem Schulhof Kassetten mit Konzertmitschnitten angesagter Bands. Von seinem Gewinn kann er dem bettelnden Papi ganz gönnerhaft einen „Familienkredit“ anbieten. Für eine coole Jacke als Geschenk für Vincent reicht das Geld trotzdem nicht. Mit etwas Fantasie und Färbemittel lässt sich freilich auch das heruntergesetzte rosarote Kleidungsstück schick aufmöbeln.

Fast schon traditionell begnügen sich die „Ziemlich beste Freunde“-Macher nicht mit bloßer Komik. Zu den Schenkelklopfern gesellt sich gern Gesellschaftssatire. Ganz nebenbei geht es mit leichter Hand um schwere Themen wie Religion, Migration, Arbeitslosigkeit und Rassismus.

Einmal mehr überzeugt das spielfreudige Ensemble. Louis Garrel und Camille Cottin („Call My Agent“) geben als streitlustiges Ehepaar dem Affen gehörig Slapstick-Zucker. Sie dürfen aber auch schwer verliebt sein, wenn sie zur Euphoriehymne „I’m So Excited“ der Pointer Sisters im heimischen Wohnzimmer ausgelassen tanzen. Als Entdeckung erweist sich Newcomer Simon Boublil, der den sensiblen Teenie in Nöten mit entwaffnender Lässigkeit spielt. Wie er in seinem Referat Kohl und Mitterrand als schwules Pärchen outet? Diese ziemlich beste Pointe darf natürlich nicht gepetzt werden! 

 

Dieter Oßwald

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