Ein sommerlich leichter und sehr unterhaltsamer Familienfilm aus der Schweiz, in dem es vorrangig um den Kampf für ein Freibad geht, aber eigentlich ums Erwachsenwerden. Und dazu gehören neben dem Mut zur Veränderung und zum Widerstand auch neue Freundschaften und kreative Energie.
Über den Film
Originaltitel
Plitsch Platsch forever!
Deutscher Titel
Plitsch Platsch forever!
Produktionsland
CHE
Filmdauer
83 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Rajko Jazbec, Sarah Born, Dario Schoch
Regisseur
Natascha Beller
Verleih
Der filmverleih GmbH
Starttermin
09.07.2026
Für Pola (Neah Hefti) ist das „Plitsch Platsch“ kein beliebiges Freibad, sondern ihr eigenes kleines Reich, ein zweites Zuhause – ihr Sommersitz mit Pommes, Sonnencreme und Chlorgeruch. Hier verbringt sie jede freie Minute mit ihrer besten Freundin Polly (Zazie Mawete), deren Mütter das Café am Beckenrand betreiben. Doch dann schließt die Gemeinde die Badeanstalt, weil kein Geld für den Ersatz der defekten Filteranlage da ist. Beinahe noch schlimmer ist, dass Polly mit ihrer Familie nach Toronto in Kanada auswandert, praktisch ans andere Ende der Welt. Pola bleibt zurück – empört, traurig und überzeugt, dass nur eines helfen kann: Das Bad muss wieder aufmachen, denn dann kommt Polly zurück.
Also startet Pola ihre eigene Rettungsaktion. Aus dem privaten Kummer wird nach und nach eine öffentliche Angelegenheit, und ausgerechnet die neue Mitschülerin Rosalie (Alva Maurer), zunächst eher eine Nebenfigur in Polas Welt, wird dabei zu ihrer wichtigsten Verbündeten.
Sabina Gröners Drehbuch nimmt die kindliche Logik ernst, ohne sie zu verniedlichen oder auf die Schippe zu nehmen. Pola kämpft nicht, weil sie ein pädagogisch korrektes Demokratieprojekt absolvieren möchte und sich um die Allgemeinheit verdient machen will, sondern weil ihr Herz und ihr Gerechtigkeitssinn beleidigt wurden. Gerade deshalb funktioniert der Film so gut: Er verbindet Freundschaft, Verlust und die Ideen einer demokratischen Mitbestimmung, ohne je nach Arbeitsblatt zu riechen.
Natascha Beller, die ebenfalls eine erfahrene Drehbuchautorin ist, findet einen angenehm unaufgeregten Ton für ihren Film, geprägt von einer sommerlich heiteren Atmosphäre, die auch in den ernsteren Momenten erhalten bleibt. Die Szenen werden immer wieder durch humorvolle Dialoge und kleine cineastische Späße aufgelockert: Pola spricht ab und an zum Publikum, es gibt Split Screens und sogar eine Tanzszene. Das Freibad – schweizerisch „die Badi“ – wird dabei nicht zum nostalgischen Postkartenmotiv als Projektionsfläche elterlicher Erinnerungen, sondern zum sozialen Raum: Hier treffen sich einfach alle – Kinder und Erwachsene – hier kommen sie alle zusammen, hier ist was los, einen ganzen Sommer lang, jedes Jahr. Und das soll nun einfach vorbei sein?
Neah Hefti als Pola spielt die Elfjährige nicht als drolliges Püppchen, sondern als ernst zu nehmende kleine Strategin, die ihre Verletzlichkeit hinter Aktionismus versteckt. Zazie Mawete gibt Polly auch in der Abwesenheit Gewicht, während Alva Maurer als Rosalie genau die richtige Mischung aus Klugheit, Zurückhaltung und frischem Wind mitbringt. Michèle Rohrbach sorgt als energische und diplomatische Stadtpräsidentin Jelena dafür, dass auch die Erwachsenen würdig vertreten sind.
„Plitsch Platsch Forever!“ erweist sich so ganz nebenbei immer mehr als Familienfilm, der Kindern zutraut, politische Zusammenhänge zu begreifen, und Erwachsene dazu auffordert, ihnen zuzuhören. Dass am Ende nicht alles so wird, wie Pola es sich am Anfang wünscht, ist der eigentliche Gag des Films: Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung, und trotzdem kann aus einer großen Traurigkeit etwas entstehen, das größer ist als man selbst. Ein Film wie ein Sprung vom Dreimeterbrett: Mut sammeln, Luft holen und dann mitten rein – ins Wasser wie ins Leben.
Gaby Sikorski







