Sacrifice

Mit Begriffen wie „Radical Chic“ oder „Prada Meinhof“ lässt sich das Kino von Romain Gavras beschreiben, Sohn des griechisch-französischen Polit-Regisseurs Costa-Gavras, dessen Karriere mit dem drehen von Musikvideos begann. Dementsprechend gut aus sehen seine Filme, so auch das neue Werk „Sacrifice“, das inhaltlich dagegen einmal mehr radikale, anarchistische Ideen auf eher halbgare Weise verhandelt.

 

Über den Film

Originaltitel

Sacrifice

Deutscher Titel

Sacrifice

Produktionsland

FRA, GRI, USA, CYP, GBR

Filmdauer

103 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Romain Gavras, Robert Walak, Gregory Jankilevitsch, Klaudia Śmie

Regisseur

Romain Gavras

Verleih

DCM Film Distribution GmbH

Starttermin

15.10.2026

 

In einem Bergwerk auf einer griechischen Insel versammeln sich die Reichen und Schönen, um die Welt zu retten. „Make Earth Cool Again“ heißt das Motto der Veranstaltung, zu der auch der Filmstar Mike Tyler (Chris Evans) erscheint. Dieser befindet sich gerade in einer Schaffenskrise, hat vor einigen Wochen bei der Premiere seines letztens Films einen Skandal verursachte, der viral ging und ihm viel Häme einbrachte.

Nach einigen Wochen Introspektion in einem abgelegenen Kloster fühlt sich Mike nun wieder bereit für die große Bühne, an seiner Seite sein treu ergebener Agent (Sam Richardson). Im letzten Moment fällt Mike auf, dass seine Sprit schluckende Limousine vielleicht nicht ganz das passende Gefährt für den Auftritt bei einem Klimaschutz-Event ist, die letzten Meter geht er also zu Fuß.

So umsichtig agieren die anderen Gäste der vom glatzköpfigen Milliardär und Philanthropen Ben (Vincent Cassell) imitierten Veranstaltungen nicht, schon gar nicht Bens laute und ihr mächtiges Dekolleté präsentierende Frau Gloria (Selma Hayek), die ihn endgültig wie ein Wiedergänger von Jeff Bezos wirken lässt.

Nicht die erste filmische Variante des amazon-Gründers oder eines der anderen Tech-Milliardäre, die in den letzten Jahren in Fernsehserien und Filmen als Symbol der Exzesse, Absurditäten und Scheinheiligkeiten der Elite auftraten. Fast ein eigenes Genre bilden inzwischen Filme wie „Triangle of Sadness“, „The Menu“ oder „Rosebush Pruning“, meist satirische Filme, die sich einfache Ziele aussuchen und sozusagen mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Ähnliches tut auch Romain Gavras in seinem vierten Film „Sacrifice“ zumindest in der ersten, im besagten Bergwerk spielenden Hälfte. Durchaus pointiert wird hier die Selbstgefälligkeit einer Elite satirisch abgebildet, die sich in Privatflugzeugen zu Veranstaltungen an Instagram tauglichen Locations fliegen lässt, um sich für hehre Ziele einzusetzen, dabei aber gerne ignoriert, wie sehr sie selbst zum Schaden beiträgt.

Bevor dieser Ansatz jedoch an Fahrt verliert, taucht eine anarchistische Gruppe Terroristen auf wie man sie aus Gavras früheren Filmen wie „Die Welt gehört dir“ oder „Athena“ schon kennt. Angeführt werden die Öko-Terroristen von Jane (Anya Taylor-Joy), einer blonden Fanatikerin mit skandinavischer Herkunft, die überdeutlich an eine weltbekannte Klimaaktivistin erinnert.

Joan wuchs mit ihren Eltern in großer Einsamkeit auf, ihr Vater Gunnar (John Malkovich) arbeitete als Vulkanforscher, was die mythologische Verklärung der archaischen Natur erklären mag, die das Handeln der Tochter bestimmt. Diese plant einen vulkanischen Opfergang mit dem das angeblich bevorstehende Ende der Menschheit verhindert werden kann. Und als finales Opfer ist ein Held vorgesehen, passend zur griechischen Mythologie, was in der zeitgenössischen Welt bedeutet: Ein Hollywoodstar, der allerdings freiwillig in den Tod gehen muss. Vielleicht wird dies Mike Tylers größte Rolle.

Wild, aber auch ein wenig wirr mutet die anfangs satirische, später pathetische Geschichte an, die sich Romain Gavras ausgedacht hat. Überladen mit Motiven und Verweisen, voller spektakulärer Bilder, die zumindest in Momenten, für einzelne Sequenzen andeuten, warum Gavras gerade in der kurzen Form des Musikvideos als visionärer Regisseur gilt.

Der allerdings im Gegensatz zu amerikanischen Kollegen mit ähnlichem Werdegang – David Fincher etwa – seine eigenen Drehbücher schreibt. Und daran hapert auch „Sacrifice“, der seine interessanten Ansätze nur bedingt in eine überzeugende filmische Struktur zu fügen versteht und am Ende stilistisch eindrucksvolles Stückwerk bleibt.

 

Michael Meyns

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