Supergirl

Auf Superman folgt Supergirl! Im zweiten Beitrag des neu aufgesetzten DC-Leinwandkosmos lernen wir die Cousine des Stahlmannes kennen, die für heroische Taten wenig übrighat. Nach dem schon recht dürftigen Auftakt der Reihe geht es ohne große Visionen und Ambitionen weiter. Wenn das die Zukunft des Superheldenkinos sein soll, stehen uns magere Zeiten bevor…

 

Über den Film

Originaltitel

Supergirl

Deutscher Titel

Supergirl

Produktionsland

USA

Filmdauer

108 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

James Gunn, Peter Safran

Regisseur

Craig Gillespie

Verleih

Warner Bros. Entertainment GmbH

Starttermin

25.06.2026

 

Die Superhelden des Marvel Cinematic Universe (MCU) schwächelten zuletzt in unbekannter Regelmäßigkeit und befeuerten den Eindruck, dass die große Zeit der Comicverfilmungen vorüber ist. Parallel setzte Konkurrent DC, der mit seinem Leinwandmammutprojekt schon vorher zu kämpfen hatte, auf einen Restart, eine Neuausrichtung, verantwortet von James Gunn und Peter Safran. Das nur noch DC Universe (Vorgänger: DC Extended Universe) genannte Franchise feierte im Sommer 2025 mit „Superman“ offiziell seinen Einstand, startete inoffiziell aber schon mit der Animationsserie „Creature Commandos“ Ende 2024. 

 

Die Erwartungen waren groß, und die Resonanz auf den Kinoblockbuster um den Mann aus Stahl fiel in Kritikerkreisen erstaunlich wohlwollend aus. Dabei reihte der von Gunn selbst geschriebene und inszenierte Film, nüchtern betrachtet, bloß diverse Superheldenklischees aneinander, ohne eine aufregende neue Vision für die Reihe oder die Titelfigur erkennen zu lassen. Umso wichtiger, dass der nun startende zweite Beitrag eine Kurskorrektur vornimmt, die gerade erst frisch aus der Taufe gehobene Reihe aufs richtige Gleis setzt.

 

Was „Supergirl“ vom üblichen Spektakel abhebt, ist zumindest die Ausrichtung der Geschichte: Hier geht es einmal nicht um das Schicksal der Welt oder des gesamten Universums, sondern um eine persönliche Vendetta, die die beiden Protagonistinnen auf eine Reise durch das All führt. Erinnerungen an den von einer Anarcho-Truppe erzählenden Marvel-Hit „Guardians of the Galaxy“ (Regisseur und Koautor: James Gunn!) drängen sich mehrfach auf, auch wenn dessen bunte Optik und wild sprühende Komik im DC-Streifen einem Düsterlook und einem eher grimmigen Tonfall weichen.

 

Kara Zor-El (Milly Alcock), ebenfalls bekannt als Supergirl, hat so gar nichts von ihrem Cousin Kal-El (David Corenswet) alias Clark Kent alias Superman, der einst vom Planeten Krypton geschickt wurde, um mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten der Menschheit beizustehen. Während er sich bestens eingelebt und die Heldenrolle verinnerlicht hat, weist Kara jede Verantwortung von sich, verspürt wenig Lust, sich für das Gute einzusetzen, und fühlt sich auf der Erde seltsam fremd.

 

Wann immer sich die Gelegenheit bietet, düst sie mit ihrem Raumschiff und ihrem Haustier, dem bereits in „Superman“ eingeführten Hund Krypto, durch die Galaxie und lässt sich völlig gehen. Auch rund um ihren 23. Geburtstag unternimmt sie einen Trip, auf dem sie sich von einem Kater zum nächsten hangelt. Vorbei ist es mit der sorglosen Feierei allerdings, als sie der 13-jährigen Ruthye Marye Knoll (Eve Ridley) über den Weg läuft. Nach dem Mord an ihren Eltern sinnt das Mädchen auf Rache an Krem (Matthias Schoenaerts), dem Anführer eine Weltraumpiratencrew, und braucht dafür Unterstützung. Kara winkt zunächst dankend ab. Doch dann vergiftet der Schurke ihren geliebten Vierbeiner, der innerhalb von 72 Stunden das an Krems Hals baumelnde Gegenmittel benötigt. Grund genug, der jungen Waise doch unter die Arme zu greifen.

 

„Supergirl“ bringt es fertig, aus einer starken Performance in der Hauptrolle und einigen interessanten Drehbuchideen einen verkorksten Film zu machen. Milly Alcock spielt die Titelheldin mit Verve und Präsenz, verleiht ihr eine herrlich rotzige Attitüde und überzeugt auch in Momenten, die Karas Verunsicherung durchscheinen lassen. Nichtsdestotrotz hat ihre Entwicklung kaum emotionalen Punch. Aus der Suche nach ihrem Platz, einem Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen kann, ließe sich eine mitreißende Identitätsreise ableiten. Doch immer wieder fehlt es an der Bereitschaft, ihren Charakter ernsthaft zu erforschen und ihre Hintergrundgeschichte wirkungsvoll in das gegenwärtige Geschehen einzubinden. Zudem bezeichnend: Wie unentschlossen „Supergirl“ mit der Frage nach dem Sinn von Selbstjustiz umgeht.

 

Ausbaufähig ist auch die Beziehung zwischen Supermans Cousine und ihrer jugendlichen Begleiterin, die die meiste Zeit den Part einer staunenden Zuschauerin einnimmt. Der Jagd nach Krem mangelt es an handfesten Überraschungsmomenten, an spannenden Wendungen. Reichlich uninspiriert springt der Plot von einem Setting zum nächsten. Actioneinlagen geraten in Craig Gillespies Inszenierung teilweise etwas unübersichtlich. Und trotz deutlicher „Mad Max“-Anleihen gibt es nur selten atmosphärische Highlights. Häufig wirkt „Supergirl“ nicht wie ein Kinofilm, sondern wie eine aufgeblähte Serienepisode. Dass mit Krem und dem Kopfgeldjäger Lobo (Jason Momoa) zwei eindimensional gezeichnete Nebenfiguren wichtige Rollen einnehmen sollen, passt gut in das unausgegorene Gesamtbild. Schon jetzt hat es den Anschein, als würde dem neuen DC Universe die Puste ausgehen.

 

Christopher Diekhaus

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