the Eyes of others

Urlaubsambiente, ein Gefühl von Dekadenz und Fellinieske Figuren zeichnen „The Eyes of Others“ aus, ein erotisch aufgeladenes Drama aus Italien, das mit sorgfältig gestalteter Fotographie punkten kann, aber auch mit Erotik, die in ihrer Offenkundigkeit punktet, mit ihrer subversiven Wirkung aber auch zu verstören vermag. 

 

Über den Film

Originaltitel

Gli occhi degli altri

Deutscher Titel

the Eyes of others

Produktionsland

ITL

Filmdauer

89 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Marta Donzelli, Gregorio Paonessa, Sonia Rovai

Regisseur

Andrea De Sica

Verleih

Busch Media Group GmbH & Co. KG

Starttermin

13.08.2026

 

In den Sechzigerjahren lebt der Marquis auf seiner Insel wie ein Alleinherrscher mit absolutem Machtanspruch. Elena ergibt sich diesem. Wie sie wird sei erregt, wenn sie beim Sex beobachtet wird – ob nun von Dienern, wenn sie mit dem Marquis schläft, oder dem Marquis, wenn sie sich mit Jünglingen vergnügt. Beide gehen darin auf, mit den konventionellen Regeln des Anstands zu brechen. Sie kokettieren damit, und sind lange auf einer Wellenlänge. Bis sie es nicht mehr sind. Bis Elena nach Jahren raus aus dieser Tretmühle der ewigen Sinnlichkeit will und an Depressionen leidet, der Marquis das aber nicht hinnehmen will.

 

Der Film ist elegant gestaltet, da kommen wohl die Gene des Regisseurs zum Tragen, ist Andrea De Sica doch der Sohn von Vittorio De Sica, dem Regisseur von „Fahrraddiebe“. Er lebt von seinen markanten Bildern, aber auch davon, dass er den Zuschauer zum Voyeur macht, nicht unähnlich dem Marquis, der den Sex seiner Frau durch eine Kameralinse beobachtet. 

 

Das Setting in den Sechzigerjahren ist interessant, weil der Marquis und seine Frau als eine Art Vorreiter der sexuellen Revolution agieren. Zugleich arbeitet die Geschichte aber auch damit, dass der Marquis in einer Art eigenem Reich lebt, in dem Konventionen nicht länger gelten. Er agiert wie ein Tyrann, und das gegenüber jedermann. In einer Schüsselszene will ein Schiff mit Touristen auf der Insel anlegen, woraufhin der Marquis zum Gewehr greift und so lange auf den Pier schießt, bis die Eindringlinge sein Reich verlassen. Es gibt kein Zögern, kein Überlegen, nur die absolute Gewissheit, dass er schalten und walten kann, wie er will, und selbst vor dem Gesetz keine Angst haben muss.

 

Obwohl er zumeist mit versteinerter Miene agiert, nimmt man ihm ab, dass er für seine Frau Liebe empfindet. Aber als sie nicht mehr funktioniert, als eine Depression ihre Lust am Leben, am Essen und am Sex ausschaltet, will der Marquis eine Rückkehr zu dem, was er kannte und liebte, erzwingen. Im zweiten Teil des Films ändert sich die Wirkung, auch die Erzählweise. Das Ganze wird düsterer, ohne in den Bereich des Thrillers abzugleiten. „The Eyes of Others“ bleibt nach wie vor ein vielschichtiges Drama, das am Ende eines anprangert: den männlichen Blick, der nicht wahrhaben will, dass eine Frau nicht so ist, wie er sie sehen will. 

 

Peter Osteried

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