Drei Jahre hat das irische Melodrama für den Weg in die deutschen Kinos gebraucht. Maggie Smith, die im September 2024 starb, ist darin in ihrer letzten Filmrolle zu sehen. Gemeinsam mit Kathy Bates, Laura Linney und Agnes O’Casey macht sich die britische Schauspiel-Ikone von Dublin auf den Weg nach Lourdes. Schon dieses Quartett macht neugierig auf die Pilgerfahrt. Cineastische Wunder sollte man allerdings nicht erwarten.
Über den Film
Originaltitel
The Miracle Club
Deutscher Titel
The Miracle Club
Produktionsland
IRE, GBR, USA
Filmdauer
90 min
Produktionsjahr
2023
Produzent
Chris Curling, Aaron Farrell, John P Gleeson, Alixandre Witlin,
Regisseur
Thaddeus O’Sullivan
Verleih
24 Bilder Film GmbH
Starttermin
17.12.2026
Dublin 1967. Chrissie ist zur Beerdigung ihrer Mutter zurückgekehrt und trifft dort auf Lily, die ihr mit merklicher Kühle begegnet. Selbst Chrissies Angebot, sich an den Sargblumen zu beteiligen, weist sie zurück. Ein Brief der Verstorbenen bringt Lourdes ins Spiel: Sie hat ihrer Tochter einen Gutschein für die Pilgerreise hinterlassen. Lily und Eileen wollen ebenfalls dorthin, während die junge Dolly mit Lourdes eine sehr konkrete Hoffnung verbindet. Ihr kleiner Sohn spricht nicht. Die Reise soll helfen. Chrissie zögert bis zuletzt, fährt schließlich doch mit und soll ausgerechnet mit Lily das Zimmer teilen.
Stoff für Reibung wäre also reichlich vorhanden. Vier Frauen, alte Verletzungen und unausgesprochene Konflikte auf engem Raum. Doch das Drehbuch greift lieber in die Klischeekiste einer Seifenoper. Eine Szene folgt der nächsten, ein Problem dem anderen. Überraschungen bleiben ebenso rar wie echte Wendungen. Besonders die Busfahrt nach Lourdes wird zur dramaturgischen Leerfahrt. Alle entscheidenden Figuren sitzen zusammen, nur der Film weiß mit ihnen kaum etwas anzufangen.
Wo die Geschichte Potenzial verschenkt, springt das Ensemble ein. Bates, Linney und O’Casey geben ihren Figuren mehr Kontur, als ihnen die Vorlage mitgibt. Maggie Smith braucht dafür kaum mehr als einen Blick. Ein kurzes Zögern, eine kleine Veränderung im Gesicht, und Lily erzählt mehr über sich als mancher Dialog. Härte, Trauer und trockener Humor liegen bei Smith dicht beieinander. Sie muss nichts ausstellen.
Umso unnötiger wirkt die sentimentale Musik, die kaum eine Gefühlslage unkommentiert lässt. Trauer, Hoffnung, Versöhnung: Die Streicher sind stets schon da. Dabei könnten diese Schauspielerinnen das bestens allein.
Daheim wartet derweil eine ganz andere Herausforderung. Einkaufen, Haushalt, Windeln: Kaum sind die Frauen fort, geraten die zurückgelassenen Ehemänner ins Schleudern. Die Pointe ist nicht gerade neu und wird länger ausgespielt, als sie trägt. Zugleich zeigt der Nebenstrang, wie selbstverständlich die Rollen im Dublin des Jahres 1967 verteilt sind. Für die Frauen bedeutet Lourdes damit auch ein paar Tage Abstand vom Alltag zu Hause.
Am Wallfahrtsort läuft schließlich zusammen, was vorher ordentlich aufgereiht wurde. Verletzungen werden benannt, Versöhnung wird möglich. Und das Wunder? Ein Lourdes-Film kann schlecht ganz darauf verzichten. Dollys Sohn findet tatsächlich seine Stimme wieder. Selbst hier nimmt die Geschichte keine überraschende Abzweigung.
Lebendig wird der Film vor allem dann, wenn er seinen Darstellerinnen Raum lässt: ein Blick über den Tisch, eine knappe Reaktion, ein trockener Satz. Dann braucht es erstaunlich wenig. Davon hätte diese Pilgerfahrt mehr vertragen können.
Wunder sollte man von diesem Lourdes-Melodram nicht erwarten. Das Drehbuch kann seine Krücken bis zum Schluss nicht abwerfen. Echte Kinomagie immerhin kommt von einer alten Dame namens Maggie.
Dieter Oßwald







