The Uprising – Für die Freiheit

Einen englischen Bauernaufstand aus dem Jahr 1381 als Geschichtsthriller aufzubereiten, daran versucht sich Actionspezialist Paul Greengrass („Jason Bourne“) in seiner neuen Kinoarbeit „The Uprising – Für die Freiheit“. Komplett in Bayern gedreht, entfaltet das raue, mit Andrew Garfield prominent besetzte Mittelalteractiondrama phasenweise eine treibende Kraft. Erzählerisch macht es sich der Regisseur, der auch das Drehbuch verfasste, allerdings oft sehr einfach.

 

Über den Film

Originaltitel

The Uprising

Deutscher Titel

The Uprising – Für die Freiheit

Produktionsland

DEU, GBR, USA

Filmdauer

128 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Jason Blum, Paul Greengrass, Gregory Goodman, Joanna Kaye, Lars

Regisseur

Paul Greengrass

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

10.09.2026

 

„Ich bin, was ich tue!“ So lautet die Devise des bis zum Schluss namenlos bleibenden Protagonisten im Historiendrama „The Uprising – Für die Freiheit“, das den englischen Bauernaufstand von 1381 filmisch – recht frei – aufbereitet. Der von Ex-Spider-Man Andrew Garfield verkörperte Mann definiert sich über seine harte Arbeit auf dem Feld, das er bei Wind und Wetter, fast wie ein Getriebener, umpflügt. Das Leben hat es nicht gerade gut mit ihm gemeint. Davon zeugen die drei schlichten Holzkreuze, die in der Nähe seiner Hütte aus dem Boden ragen. Frau und Kinder sind, wie so viele Menschen im Europa des 14. Jahrhunderts, der Pest zum Opfer gefallen.

 

Auch sieben Jahre nach dem schmerzhaften Verlust hat der Farmer mit der Situation zu kämpfen. Doch nicht nur das. Auch neue Steuern bringen ihn und die anderen Bauern an ihre Grenzen. Da die Staatskasse leer ist, wollen die Mitglieder des königlichen Rates der Bevölkerung noch mehr Abgaben abpressen. Zur Not mit Gewalt. Als Garfields Pflüger in seinem Dorf Zeuge des brutalen Vorgehens der Soldaten wird, zettelt er eine blutige Auseinandersetzung an, die weitere Repressalien nach sich ziehen dürfte. Weil sich aber überall auf dem Land die Wut der „einfachen Leute“ Bahn bricht, entsteht plötzlich eine Protestbewegung. Die über die Willkür der Oberschicht und die Gängelei frustrierten Menschen marschieren los in Richtung London, um Richard II. (Woody Norman), den erst 14-jährigen Monarchen, zu sprechen, der, so glauben sie, von den Ratsmitgliedern gelenkt und manipuliert wird.

 

Regisseur und Drehbuchautor Paul Greengrass beschreibt das Mittelalter so, wie man es bereits aus vielen Filmen und Serien kennt. In erdig-ausgewaschenen Bildern breitet sich von Anfang an eine bedrückend-trostlose Stimmung aus. Fast nie lugt die Sonne durch die tief über der Landschaft hängenden Wolken, die den Gemütszustand der aufgebrachten Provinzbewohner spiegeln. 

 

Gedreht wurde „The Uprising – Für die Freiheit“ übrigens nicht in England, sondern ausschließlich in Bayern, etwa in der Nürnberger Altstadt und den Münchner Penzing Studios. Dass das London der damaligen Zeit teils aus dem Computer stammt, ist in manchen Einstellungen zu sehen. Übertrieben künstlich wirkt das Ganze jedoch nicht. Was ebenfalls ins Auge sticht: Vor allem in den Massen- und Kampfsequenzen treten mitunter die Grenzen des Budgets (kolportierte 20 Millionen Dollar) zu Tage. Das Heer der Bauersleute und damit die Tragweite der Bewegung wirken nicht immer so gewaltig wie behauptet. 

 

Dringlichkeit entwickelt das Geschehen dennoch, da Greengrass das Erzähltempo meistens hochhält und seinen bekannten immersiven Inszenierungsstil auch auf das historische Setting anwendet. Besonders dort, wo es körperlich zur Sache geht, setzt der britische Filmemacher auf schnelle Schnitte und eine hochagile, instabile Kamera, die den Zuschauer mitten in das Getümmel hineinversetzt. Einen treibenden Effekt hat auch die von Oscar-Preisträger Volker Bertelmann (ausgezeichnet für „Im Westen nichts Neues“) komponierte Musik.

 

Als Mittelalterthriller mit gelegentlichen Actioneinlagen und kleinen Horroranleihen funktioniert „The Uprising – Für die Freiheit“ recht ordentlich. Inhaltlich sollte man allerdings nicht zu viel erwarten. Da ist ein Blick in die Geschichtsbücher zweifellos ergiebiger. In seinem Skript zeichnet Greengrass nämlich den historischen, für unsere Gegenwart aber durchaus relevanten Konflikt zwischen den sich ausgebeutet fühlenden Bauern und einer Elite, die sich nicht um die Not des einfachen Volkes schert, eher schematisch nach. Die im Gegensatz zum Protagonisten real existierenden Ratsmitglieder, unter anderem verkörpert von Tom Hollander und Stephen Dillane, sind korrupte, nur auf das eigene Wohl schauende Machtakteure. Der junge König wiederum ist zunächst ein schwacher, von Albträumen geplagter Zweifler, der dann jedoch eine nicht ganz glaubwürdige Wandlung durchläuft. Die größten Abstufungen gibt es noch auf Seiten der Rebellen. Während zahlreiche Mitstreiter, angetrieben von dem Prediger John Ball (Jamie Bell), den Aufstand als eine religiöse Mission ansehen, der Meinung sind, einer göttlichen Bestimmung zu folgen, steht Garfields Pflüger dem Glaubenseifer kritisch gegenüber. Wozu die dadurch angefachte Wut führen kann, illustriert der Film bei der Erstürmung Londons, die fast wir ein Höllenritt arrangiert ist. Gewalt erzeugt neue Gewalt – diese keineswegs originelle Erkenntnis untermauert „The Uprising – Für die Freiheit“ unmissverständlich.

 

Dass Greengrass zum Ende hin noch eine andere Bezugsebene aufmacht, darüber lässt sich treffend diskutieren. Braucht es diesen Bogen wirklich? Was kann er der vorher erzählten Geschichte geben? Wird hier gar auf eine Fortsetzung spekuliert? Für Irritationen sorgte dieser Punkt jedenfalls schon vor dem Kinostart, weil die Marketingabteilung des US-Verleihers, anders als beispielsweise die britischen und deutschen Pendants, überdeutlich darauf abhoben.

 

Christopher Diekhaus

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