Eine RomCom, die sich zunächst als Dramödie präsentiert: Die Geschichte vom berühmten Sänger, der nicht mehr auftreten darf und deshalb seinen Freitod plant, und von seiner Zufallsbekanntschaft: eine nervige Frau, die sich in sein Leben drängt.
Jean-Pierre Améris‘ Film kommt als leichte Unterhaltung daher, erzählt aber durchaus elegant von den Tücken der Kommunikation und von der Chance zum Neuanfang.
Über den Film
Originaltitel
Aimons-nous vivants
Deutscher Titel
Ticket ins Leben
Produktionsland
FRA
Filmdauer
91 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Améris, Jean-Pierre
Verleih
Weltkino Filmverleih GmbH
Starttermin
28.05.2026
Antoine Toussaint (Gérard Darmon) ist ein Star jenseits der 70, der noch immer für ausverkaufte Häuser sorgt. Doch ein Zusammenbruch auf der Bühne, der sich als Schlaganfall erweist, setzt seinem jahrzehntelangen erfolgreichen Wanderleben ein abruptes Ende. Er darf nicht mehr auftreten. Über viele Jahre hatte Antoine vom Applaus und von der Liebe seines Publikums gelebt, und nun hat er gar nichts mehr. Er ist einsam, denn er hat weder Freunde noch Familie. Nur Geld und Ruhm sind ihm geblieben, aber das genügt ihm nicht. Antoine sieht keinen Sinn im Weiterleben und zieht daraus eine radikale Konsequenz. Er plant seinen Freitod in der Schweiz. Doch im Zug von Paris nach Genf gerät sein Plan aus dem Takt: Eine fremde Frau (Valérie Lemercier) setzt sich zu ihm, die sich als Victoire vorstellt und – angeblich oder tatsächlich – Antoines größter Fan ist. Sie redet viel, fragt noch mehr und ignoriert jedes Signal, dass sie unerwünscht ist. Was zunächst wie eine Zumutung wirkt, entwickelt sich zu einem Schlagabtausch, der Antoines Entschluss zunehmend infrage stellt – nicht durch moralische Appelle, sondern durch die Hartnäckigkeit einer Frau, die zunächst gar nicht weiß, was Antoine vorhat. Victoire ist aufdringlich und maximal nervtötend. Ihre Geschichten klingen unglaubwürdig. Angeblich ist sie sogar aus dem Gefängnis abgehauen. Der Gipfel ihrer Unverschämtheit ist aber die Bitte, ob Antoine auf der Hochzeit ihrer Tochter am nächsten Tag in Genf seinen Top-Hit „Mambo italiano“ singen könnte, und sie möchte gar zu gern vor der arroganten Familie ihres Schwiegersohns mit dem berühmten Sänger Antoine Toussaint als Begleiter angeben.
Jean-Pierre Améris gelingt es, genau im richtigen Moment eine Wendung zu finden, die dem Film nicht nur eine andere und durchaus überraschende Richtung gibt, sondern auch das Verhältnis zwischen Antoine und Victoire neu definiert. Die erste Hälfte des Films handelt hauptsächlich von Antoines vollkommen sinnlosem Widerstand gegen Victoire, danach geht es zwar verdächtig direkt in Richtung RomCom und Love Story, aber dafür wird es auch beinahe richtig spannend. Die Atmosphäre bleibt leicht, die Situationskomik hat manchmal etwas Gewolltes, aber das macht nichts. Die Dialoge sind witzig, manchmal ruppig und gelegentlich sehr screwballmäßig – vor allem dann, wenn Victoire mit ihrer unerschöpflichen Energie und mit entwaffnender Selbstverständlichkeit jede Ernsthaftigkeit unterläuft.
Gérard Darmon („Das große Los“), seit 50 Jahren ein Star des französischen Kinos und auch als Sänger bekannt, spielt Antoine mit einem Hauch von Zynismus als im wahrsten Sinne des Wortes lebensmüden alten Mann, der ohne seinen Beruf zum verbitterten Einzelgänger geworden ist. Einer, der weder Ziele noch Wünsche hat. Eigentlich ist er aber vor allem einsam. Seine Gegenspielerin Valérie Lemercier bringt ordentlich Fahrt und Tempo in den Film, sie ist eine Vollblutkomödiantin, die hier ihr Talent voll ausspielen darf. Sie stört, sie nervt, sie belästigt den armen Mann bis an die Grenze des Unerträglichen, trifft aber ab und an und immer öfter den richtigen Punkt, während sie mit unerschütterlicher Hartnäckigkeit an seiner Seite bleibt. Und langsam scheint es so, als ob der alte Sänger ins Leben zurückfindet. Doch er denkt gar nicht daran, seine Selbstmordpläne fallenzulassen, die Victoire inzwischen durchschaut hat.
Das Rezept ist bewährt, und es funktioniert auch hier: Zwei scheinbar vollkommen gegensätzliche Charaktere finden zusammen. Das hat viel Witz und Charme, so ganz nebenbei geht es zusätzlich um Medienkritik, um soziale Probleme, um einen Mutter-Tochter-Konflikt und Familienstreitigkeiten. Doch auch die ernsteren Themen werden hier souverän und durchaus elegant auf die Leinwand gebracht. Vor allem aber zeigt die Komödie, dass in jedem Alter ein Neuanfang möglich ist. Das hat vielleicht etwas Märchenhaftes, ist aber auch ziemlich tröstlich.
Gaby Sikorski







