Weniger als zehn Jahre sind vergangen, seit Disney den Animationsfilm „Vaiana“ in die Kinos brachte. Mit dem Realfilmremake, das nun kommt, ist dies der kürzeste Abstand, den das Studio zwischen Original und Remake bislang hatte. Dass Disney aus dem Erfolg des einen Kapitel in anderer Form schlagen will, ist nicht ungewöhnlich, gerade bei diesem Film ist es das dann aber doch wieder. Einerseits, weil Disney vor zwei Jahren eine Fortsetzung des Animationsfilms präsentierte, andererseits, weil der neue Film im Kern gleich ist wie der alte – und auch nicht sonderlich anders aussieht.
Über den Film
Originaltitel
Moana
Deutscher Titel
Vaiana
Produktionsland
USA
Filmdauer
0 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Beau Flynn, Hiram Garcia, Dany Garcia, Dwayne Johnson, Lin-Manue
Regisseur
Thomas Kail
Verleih
The Walt Disney Company (Germany) GmbH
Starttermin
01.01.1970
Vaiana lebt auf einer Insel. Sie ist die Tochter des Häuptlings und träumt davon, hinaus aufs Meer zu gehen, um zu erforschen, was jenseits des Riffs ist. Das ist verboten, Vaiana macht sich aber dennoch auf den Weg, um ihre Insel zu retten. Sie sucht nach dem Halbgott Maui, der einst das Herz einer Schutzgöttin stahl, worauf die Dunkelheit über die Welt kam. Nun soll er es zurückbringen, um das Leben selbst zu erneuern. Aber Maui hat wenig Lust darauf …
Man bot Auliʻi Cravalho, die Vaiana vor zehn Jahren sprach, an, die Rolle nun auch zu spielen. Sie lehnte ab, um einer anderen Schauspielerin mit indigenen Wurzeln eine Chance zu ermöglichen. Dafür hat Dwayne Johnson seine Rolle des Maui wieder aufgenommen – eine bessere Wahl hätte es auch kaum gegeben. Er spielt den Halbgott mit sichtlicher Freude, sowohl das Pompöse und Selbstüberschätzte, als auch den Mann mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.
Aber wie ist dieser neue Film nun? Was hat er im Vergleich zum Original zu bieten? Denn man muss bedenken: Ja, die Figuren des Originals waren nicht fotorealistisch, aber doch sehr menschlich. Entsprechend sieht der neue Film fast so aus wie das Original. Ganze Szenen sind praktisch eins zu eins übernommen, aber Änderungen gibt es auch. So hat das Schwein in diesem Film weit weniger zu tun, dann fehlt an einer Stelle ein Song, dafür gibt es an anderer einen neuen. Die Lauflänge ist fast gleich, der Realfilm hat nur ein paar Minuten mehr Laufzeit.
Im Grunde ist es so, dass man diesen Film nicht sehen muss, wenn man den Animationsfilm kennt. Er bietet nichts essenziell Neues, sein „unique selling point“ ist nur, dass man nun eben echte Schauspieler sieht, aber durch die Interaktion mit CGI-Figuren – dem Hahn, dem Monster, den Piraten mit den Kokosnusshelmen, aber auch der Schutzgöttin selbst – lässt sich das nur bedingt ausspielen. Wenn, dann setzt man bei Disney wohl darauf, dass nun Leute ins Kino gehen, die mangels Kindern den Animationsfilm nie geschaut hätten. Ein eher merkwürdiger Ansatz, denn da der Film so nahe am Original ist, fühlt man sich ein wenig an Gus van Sants Remake von „Psycho“ erinnert. Der adaptierte Hitchcock damals Einstellung für Einstellung. Selbes Gefühl hat man auch bei „Vaiana“, weil die Unterschiede letztlich so oberflächlich sind, dass sie kaum auffallen. Höchstens, wenn man den Animationsfilm häufiger gesehen hat oder beide direkt hintereinander sehen würde.
Aber wenn man davon ausgeht, dass ein neues Publikum den Originalfilm nicht kennt, dann präsentiert sich der neue Film als ein emotional packendes, witziges, mit viel Abenteuer und Action garniertes Spektakel, das eigentlich keine Wünsche offenlässt. Dwayne Johnson sieht mit Perücke mit wallendem Haupthaar vielleicht gewöhnungsbedürftig aus, mit seiner guten Laune steckt er aber jeden an. Die neue Vaiana Catherine Laga’aia macht sich die Rolle zu Eigen, insbesondere im Zusammenspiel mit Johnson, dessen Maui lange Zeit Vaiana einfach nur loswerden will. Laga’aias Natürlichkeit erdet den Film, wo Johnson ihn überlebensgroß macht. Alles in allem ein tolles Fantasy-Abenteuer mit großen Schauwerten – man hat sie halt nur alle schon mal gesehen.
Peter Osteried







