A Nice Indian Boy

In dieser netten kleinen Rom-Com wünscht sich ein netter indischer Arzt nichts mehr als eine opulente indische Hochzeit. Wie es der nette Zufall will, trifft der introvertierte Held auf einen extrovertierten Fotografen. Am Morgen danach wird bereits die Hochzeit geplant. Zuvor müssen allerdings noch die Eltern des Arztes überredet werden. Die sind ziemlich konservativ. Aber zugleich eben auch ziemlich nett. Das Rad der Rom-Com wird hier kaum neu erfunden. Die Malen-nach-Zahlen-Romanze plätschert gemächlich vor sich hin und scheut auch Stereotype kaum. Die Konfliktchen werden allesamt unaufgeregt gelöst. Durchaus liebenswert und charmant, aber kaum mehr als ein Prädikat „ganz nett“.

 

Über den Film

Originaltitel

A Nice Indian Boy

Deutscher Titel

A Nice Indian Boy

Produktionsland

US

Filmdauer

96 min

Produktionsjahr

2025

Produzent

Renee Witt, Andrew Calof, Justin Baldoni, Charlie McSpadden

Regisseur

Roshan Sethi

Verleih

Cinemien Filmverleih

Starttermin

03.09.2026

 

„Du bist der nächste!“, hört der indische Ich-Erzähler bei jeder Hochzeit. Schön wär’s. Nichts wünscht sich der junge Arzt Naveen (Karan Soni) mehr. Doch vor der sehnsüchtig erträumten „Big Indian Wedding“ sind einige Hürden zu nehmen. Der Doktor leidet unter seiner Schüchternheit. Obendrein steht seiner erträumten Hochzeit im Weg, dass er schwul ist und seine Eltern ziemlich konservativ sind. Die konservativen Eltern Megha (Zarna Garg) und Archit (Harish Patel) bemühen sich redlich um Toleranz, aber na ja: „Sie wissen offensichtlich, dass ich schwul bin. Aber sie haben mich noch nie schwul erlebt“, klagt der Ich-Erzähler dem Publikum. Auch seine Schwester Arundhathi (Sunita Mani) gerät alsbald zum Sorgenkind. Sie kündigt ihre Scheidung an, sehr zum Entsetzen ihrer von Enkellosigkeit bedrohten Mama.

Für den netten Naveen hält das Schicksal endlich eine nette Überraschung bereit. Mit dem netten Fotografen Jay (Tony-Preisträger Jonathan Groff) hat der schüchterne Doktor seinen Traummann gefunden. Auch der Künstler ist begeistert, schwärmt er doch seit jeher für Bollywood-Filme. Am Morgen danach wird bereits über die Hochzeit geplaudert. Den künftigen Schwiegersohn seinen Eltern vorzustellen, verlangt Naveen freilich einigen Einsatz ab. „Mutter, erinnerst du dich an die Kondome, die du mir geschenkt hast? Die benutze ich jetzt!“, probt er nervös den Smalltalk vor dem Spiegel. Mama und Papa geben sich derweil größtmögliche Mühe mit der Toleranz, sogar einen Gay-Channel haben sie auf dem heimischen Fernseher eingerichtet.

Die drohende Scheidung der Tochter lässt Mama zum begeisterten Hochzeitsfan werden. Sie engagiert den teuersten Weddingplaner, der für den Reibach seine Homophobie gerne vergisst: „Love is Love. Und Money is Money“, sagt der schmierige Geschäftsmann. Tatsächlich organisiert er für die Feier eine Überraschung mit emotionalem Wow-Effekt. Schließlich gilt das Motto: „Es gibt nichts Schwuleres als Bollywood!“

Klar, die Figuren sind allesamt der Klischeekiste entsprungen und waten knietief im Sumpf der Stereotype. Bei Rom-Coms gehört das freilich zu den Genre-Gesetzen. Ebenso wie eine Malen-nach-Zahlen-Dramaturgie, eine überschaubare Handlung sowie ein gemächliches Tempo. Dass queeres Kino per se besonders avantgardistisch oder radikal daherkommt, ist ohnehin ein Mythos: gerne behauptet, aber selten eingelöst! Dank des charmanten Ensembles und einiger situationskomischer Szenen hat sich diese Lovestory allemal das Prädikat „ganz nett“ verdient.

 

Dieter Oßwald

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