Besonders linke Theatergruppen meinen es oft gut, verstricken sich dabei aber oft in den Abgründen politischer Korrektheit und dem Versuch, Woke und Progressiv zu sein. Aus diesem Gedanken entwickelt Cornelius Schwalm seinen zweiten Spielfilm „Bernd – Operation Germanenkind“ eine Fortsetzung im Geist von „Hotel Auschwitz“, die ähnlich wie der Vorgänger auf lustvoll verspielte Weise, manchmal aber auch etwas mäandernd um ihr Thema kreist.
Über den Film
Originaltitel
Bernd – Operation Germanenkind
Deutscher Titel
Bernd – Operation Germanenkind
Produktionsland
DE
Filmdauer
92 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Jean-Pierre Meyer-Gehrke, Max Gleschinski, Torsten Wichner
Regisseur
Cornelius Schwalm
Verleih
Filmgalerie 451 GmbH & Co. KG
Starttermin
10.09.2026
Bernd (Verena Unbehaun) ist Schauspieler mit Behinderung, bzw. Einschränkung, bzw. noch schöner: Mit Betreuungsbedarf. Er ist Teil eines linken Theaterkollektivs (gibt es eigentlich auch rechte Theaterkollektive?), das für sein neues Projekt an einen historisch interessanten, aber auch umstrittenen Ort reist: Nach Usedom an der Ostsee, wo sich im äußersten Norden der Insel das Städtchen Peenemünde befindet und dort die ehemalige Heeresversuchsanstalt.
Dort wurde während des Zweiten Weltkriegs die Entwicklung von Raketen vorangetrieben, vor allem die V2, die sogenannte Vergeltungswaffe 2, sollte hier entstehen, Hitlers angebliche Wunderwaffe, mit der der Krieg doch noch gewonnen werden sollte. Bekanntlich kam es anders, inzwischen befinden sich in Peenemünde ein Museum, während die Ingenieure nach dem Krieg zum Teil in der Sowjetunion landeten, vor allem aber in den Vereinigten Staaten. Dort wurde der Leiter von Peenemünde, der legendäre Wernher von Braun, zu einem der führenden Köpfe der NASA und half entscheidend dabei mit, Ende der 60er Jahre einen Mann auf den Mond zu schicken.
Von dieser historisch aufgeladenen Kulisse, wo technologische Errungenschaften mit den Verbrechen des Dritten Reichs Hand in Hand gehen, lässt sich Bernd inspirieren, ja, beflügeln. Ohnehin wirkt Bernd mit seinem Gehabe, seinem schmalen angemalten Bart wie ein Wiedergänger des Führers, zeigt sich begeistert von Blut und Boden-Phantasien und bringt damit das Selbstverständnis der Theatergruppe an ihre Grenzen.
Rassistisch und sexistisch äußert sich Bernd, agitiert und polemisiert, doch da es sich bei ihm um einen Menschen mit Betreuungsbedarf handelt, schrecken die Kollegen davor zurück, ihn zurechtzuweisen.
Bloß weil jemand behindert ist heißt das nicht, dass diese Person auch sympathisch ist. Auf diesen einfachen Nenner ließe sich Cornelius Schwalm Satire „Bernd – Operation Germanenkind“ reduzieren, die auf oft pointierte und respektlose Weise den gerade in deutschen Kulturkreisen so verbreiteten Gutmenschentum aufs Korn nimmt.
Toleranz wird hier großgeschrieben, Verständnis für Minderheiten und ihre anderen Vorstellungen, im Ansatz natürlich eine wünschenswerte Haltung, die jedoch dann an ihre moralischen Grenzen stößt, wenn die Traditionen des anderen den eigenen Wertvorstellungen diametral entgegenstehen. Doch auch diese Toleranz hat Grenzen, wie Bernd bald am eigenen Leib erfahren muss.
Lustvoll spielen Cornelius Schwalm und sein Ensemble den Konflikt durch, variieren dabei offensichtlich auch eigene Erfahrungen, die an zahlreichen Theaterensembles deutscher Bühnen gesammelt wurden. Immer wieder erinnern die Situationen, der lustvoll ausgespielte Exzess, dabei an Arbeiten der Berliner Volksbühne, vor allem der Berserker Christoph Schlingensief und sein respektloser, pointierter Umgang mit den Abgründen der deutschen Geschichten scheinen Pate gestanden zu haben.
Dementsprechend artet auch „Bernd – Operation Germanenkind“ bisweilen aus, wuchert die lose Handlung in alle Richtungen, wird sich in Körperflüssigkeiten gesuhlt und auch sonst wenig ausgelassen. Stilistisch mutet das zwar bisweilen wie arg überdrehtes Laientheater an, weiß aber immer wieder durch bissige, pointierte Momente zu überzeugen.
Michael Meyns







