Nach dem Tod der Mutter finden sich zwei Halbschwestern auf Gran Canaria ein, ihrem Geburtsort und dem Ort, an dem die Entfremdung der Familie begann. Hier taucht Regisseurin Itonjes Søimer Guttormsen tief in die esoterisch angehauchten Subkulturen der Insel ein, in denen die Mutter ein zu Hause fand und die nun auch den Schwestern einen Weg aus ihren Traumata weisen.
Über den Film
Originaltitel
Butterfly
Deutscher Titel
Butterfly – Rückkehr nach Gran Canaria
Produktionsland
NO, SE, GB, DE
Filmdauer
117 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Maria Ekerhovd
Regisseur
Itonje Søimer Guttormsen
Verleih
Port au Prince Pictures GmbH
Starttermin
19.11.2026
Während Diana (Helene Bjørneby) in Norwegen in einem Kindergarten arbeitet und ein zurückgezogenes Leben führt, das zu ihrem schüchternen Wesen passt, ist ihre deutlich jüngere Halbschwester Lily (Renate Reinsve) das genaue Gegenteil. Schon äußerlich wirkt Lily expressiv, trägt eine asymmetrische Frisur und Gesichtspiercing wie eine Rüstung vor sich her, kleidet sich in einem bunten Stilmix aus Farben und Formen und versucht sich in der alternativen Kunstszene von Hamburg als exzessive Performancekünstlerin.
Viel gemeinsam scheinen die Schwestern also nicht zu haben, doch nun finden sie sich in einer Ferienanlage auf Gran Canaria wieder, wo sie einst Teile ihrer Kindheit verbrachten, bis sie genug von ihrer Mutter hatten und Reißaus nahmen. Ihre Mutter Vera (Lillian Müller) blieb auf der Insel und scheint mit dem deutlich jüngeren Chato (Numan Acar) eine Art Hippiekommune bzw. Sekte gegründet zu haben.
In einem abgelegenen, verfallenen Observatorium kam es jedoch zu einem tödlichen Unfall, beim Versuch, kosmische Energien einzufangen, starb Vera und hinterließ ihren Töchtern das Gebäude, vor allem aber viele Rätsel. Notgedrungen und eher aus Pflichtgefühl beginnen die Schwestern die Angelegenheiten ihrer Mutter zu regeln und werden dabei gezwungen, sich mit ihrem Leben, ihrer Kindheit und lange verdrängten Traumata zu auseinanderzusetzen.
Schon bevor der moderne Tourismus die Küstenlandschaften der Kanarischen Inseln mit Hotelburgen verunstaltete waren die zu Spanien gehörenden Inseln Ziel von Aussteigern und Hippies. Für wenig Geld konnte man hier leben, sich esoterischen Überlegungen hingeben, Gemeinschaften gründen, teilweise sogarin Höhlen leben, eine Existenz abseits der Zwänge der kapitalistischen Zivilisation gründen.
In diese Welt taucht die norwegische Filmemacherin Itonjes Søimer Guttormsen mit ihrem zweiten Spielfilm „Butterfly – Rückkehr nach Gran Canaria“ ein, scheint sich aber nicht recht entscheiden zu können, welche Haltung sie zu den Aussteigern einnehmen möchte.
Mit den Augen von Lily, teilweise auch durch ihre Videokamera, begegnet man der esoterischen Subkultur auf den Kanaren, mit den Augen einer betont abweisenden, zynischen Frau, die sich und ihre Emotionen in einem Kokon versteckt hält. Zunächst abfällig lernt Lily die Welt ihrer Mutter kennen, die auf Gran Canaria einen großen Kreis an Freunden und Gleichgesinnten um sich gescharrt hatte, den Lily nach und nach kennenlernt. Auch Veras Partner Chato, der selbst kaum älter als Lily ist, bietet ihr einen Weg in die esoterischen Subkulturen, die Lily anfangs fremd erscheinen.
Welche psychischen und physischen Verletzungen die Schwestern durch das Leben ihrer Mutter davongetragen haben, deutet sich nur langsam an, Diana geht an einem Stock, den sie eigentlich nicht braucht, auch von sexuellen Übergriffen durch einen von Veras Partnern ist die Rede. Doch bald wird klar, dass das Leben der Mutter gar nicht so anders aussah, wie das von Lily, deren Kunstperformance auf den ersten Blick kaum weniger seltsam anmutet, als manche der Rituale, mit denen die Mutter sich den Strömungen des Kosmos zu öffnen suchte.
In losen Szenen, die bald auf fast dokumentarische Weise die Subkulturen zeigen, die auch heute noch auf Gran Canaria leben, umkreist Itonjes Søimer Guttormsen ihre Figuren, experimentiert mit unterschiedlichen Filmformaten, lässt sich zunehmend auf die Freigeister der Insel ein. In diesen Phasen gelingen ihr treffende Momente, deutet sie das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Töchtern an, die berechtigterweise nicht gut auf ihre Mutter zu sprechen sind, am Ende aber auch realisieren, was sie an ihrer freigeistigen Mutter hatten.
Michael Meyns







