Dreams – Gefährliches Verlangen

Liebe, Sex und ein brisantes Machtgefälle bilden den Kern von Michel Francos neuer Regiearbeit „Dreams – Gefährliches Verlangen“, die bereits 2025 ihre Weltpremiere auf der Berlinale feierte. Zum zweiten Mal stand Oscar-Preisträgerin Jessica Chastain (ausgezeichnet für „The Eyes of Tammy Faye“) vor der Kamera des mexikanischen Autorenfilmers, der mit seiner Geschichte um eine reiche amerikanische Philanthropin und ihren jungen Liebhaber, einen illegalen Migranten, brisanten Fragen anschneidet. Vor dem Hintergrund von Donald Trumps Knallhartkurs in Sachen Einwanderung erzeugt das Drama ein beklemmendes Gefühl.

 

Über den Film

Originaltitel

Dreams

Deutscher Titel

Dreams – Gefährliches Verlangen

Produktionsland

USA, MEX

Filmdauer

99 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Franco, Michel

Verleih

Weltkino Filmverleih GmbH

Starttermin

23.07.2026

 

Wenn austauschbare Untertitel falsche Assoziationen wecken: „Dreams – Gefährliches Verlangen“, wie Michel Francos neuer Film in Deutschland heißt, lässt einen schwülstigen Erotikstreifen der Marke „9 ½ Wochen“ vermuten. Tatsächlich könnte das von Liebe, Sex und einem toxischen Abhängigkeitsverhältnis erzählende Drama inszenatorisch aber nicht weiter davon entfernt sein. Zum wiederholten Mal setzt der mexikanische Regisseur auf einen eher nüchternen Stil, der fast schon etwas Dokumentarisches an sich hat. Große Gefühle mögen im Mittelpunkt des von ihm verfassten Drehbuchs stehen. Sich ihnen hingeben, sie voll auskosten, das verbietet sich Franco jedoch vehement. Oft hält seine Kamera Distanz zum Geschehen, filmt es in statischen Einstellungen, die dem Zuschauer Raum zum Reflektieren geben.

 

Alles beginnt mit einem LKW, in dem Menschen wie Vieh zusammengepfercht kauern. Auch der mexikanische Balletttänzer Fernando (Isaac Hernández, im echten Leben ebenfalls Ballettstar) befindet sich unter ihnen, nimmt Reißaus und schlägt sich als illegaler Migrant bis nach San Francisco durch. Dort dann ein Gegensatz, der nicht krasser ausfallen könnte: Ziel seiner anstrengenden Reise ist eine Luxuswohnung, in der er auf seine Geliebte wartet, die aus einer reichen Familie stammende US-Amerikanerin Jennifer (Jessica Chastain, zudem als ausführende Produzentin involviert). Wie das ungewöhnliche Paar sich gefunden hat, wird etwas später klar. Die deutlich ältere Frau führt ein unbeschwertes Leben als Philanthropin und ist für ihre Kulturstiftung häufiger in Mexiko unterwegs, unterstützt jene Akademie, an der Fernando zu den aufstrebenden Talenten gehört.

 

Zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Sphären, mit völlig unterschiedlichen Träumen und Erwartungen – kann das gutgehen? In den USA jedenfalls kommt es schnell zu Spannungen. Denn Jessica will ihre Beziehung offenbar weiterhin geheim halten. Geschäftspartner beispielsweise sollen nicht erfahren, dass sie mit einem viel jüngeren Mexikaner zusammen ist. Fernando wiederum, der auf eine große Tanzkarriere hofft, fühlt sich wie ein Spielzeug – und zeigt ihr plötzlich die kalte Schulter. Jennifer, das zeigt sich rasch, ist es nicht gewohnt, zurückgewiesen zu werden, und stellt ihrem Liebhaber nach. Die Anziehung scheint letztlich auf beiden Seiten zu groß zu sein.

 

Obwohl Michel Franco seine sich, wie so oft, etwas unvorhersehbar entwickelnde Handlung ohne reißerische Mittel einfängt, spürt man beinahe von Anfang an ein gewisses Brodeln unter der Oberfläche. Schon das Machtgefälle bringt Eskalationspotenzial mit sich. Früh drängen sich Fragen auf: Liebt Jennifer Fernando wirklich? Oder genießt die Mäzenin einfach nur den Sex mit einem durchtrainierten jungen Mann, seine Aufmerksamkeit und die Rolle der großzügigen Sponsorin? Glaubt sie vielleicht, dass ihr für ihren finanziellen Einsatz eine Gegenleistung zusteht? Unverkennbar wirft „Dreams – Gefährliches Verlangen“ einen kritisch-bissigen Blick auf eine liberale Elite, die sich spendabel und mitfühlend präsentiert, sich dafür selbst beklatscht, zum Teil aber eine erschreckende Herablassung an den Tag legt. Die Tatsache, dass Jennifer viel in Mexiko zu tun hat, bewegt sie nicht dazu, sich der fremden Sprache ein wenig zu nähern. Stattdessen hantiert sie ständig mit ihrem Handyübersetzer herum.

 

Und Fernando? Sind seine Gefühle echt? Oder möchte er seine Affäre nutzen, um den Sprung an die Spitze seines Metiers zu schaffen? Auch bei ihm kann man sich nicht ganz sicher sein. Die Wendung ins Abgründige zum Ende hin kündigt sich zwar ein bisschen an. In ihrer Heftigkeit kommt sie allerdings doch recht unvermittelt. Franco kann man hier sicherlich kalkuliertes Provozieren vorwerfen. Aufwühlend ist seine Perspektive auf das in den USA gerade unter Donald Trump so dramatisch aufgeheizte Migrationsthema aber allemal. In Zeiten, da Menschen auf offener Straße von den ICE-Truppen erschossen werden, erzeugt „Dreams – Gefährliches Verlangen“ eine nachhallende Beklemmung – selbst wenn die letzten zehn Minuten etwas plakativ daherkommen.

 

Christopher Diekhaus

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