Die Arbeit an einem sechsten, in der Realität nicht existierenden Tom-Ripley-Roman schildert die Bühnenadaption „Ein Talent fürs Morden“ als psychologisches Kräftemessen zwischen der von der Welt angewiderten US-Autorin Patricia Highsmith und einem jungen Verlagsabgesandten. Oscar-Preisträgerin Helen Mirren und Alden Ehrenreich („Solo: A Star Wars Story“) überzeugen in den Hauptrollen eines Films, der ein kurzweiliges Verwirrspiel in stilvoll arrangierten Bildern treibt.
Über den Film
Originaltitel
A Talent for Murder
Deutscher Titel
Ein Talent fürs Morden
Produktionsland
AU, IE, GB, IT, CH, US
Filmdauer
106 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Gabrielle Tana, Troy Lum, Jim Robison, Kurt Martin, Karl Spoerri
Regisseur
Anton Corbijn
Verleih
Tobis Film GmbH
Starttermin
05.11.2026
Verlagslektor Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich) ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Ausgerechnet er soll die exzentrische US-Schriftstellerin Patricia Highsmith (Helen Mirren) im Jahr 1995 in ihrem Exil in den Schweizer Bergen besuchen und sie davon überzeugen, Tom Ripley, ihre wohl bekannteste Figur, noch einmal aufleben zu lassen. Die Autorin indes hat keine Lust, einen weiteren Roman über den soziopathischen Hochstapler und Mörder zu schreiben. Schon die Bemühungen eines Kollegen Edwards waren erfolglos. Noch dazu, so heißt es, verschwand der erste Abgesandte spurlos.
Die Aussichten stehen also denkbar schlecht, als Ridgeway das einsam gelegene Chalet der Literaturgröße erreicht. Wenig verwunderlich empfängt ihn Highsmith mit unverhohlener Verachtung, lässt ihn spüren, dass sie in ihm nicht mehr als einen ahnungslosen Praktikanten sieht. Hellhörig wird sie erst, als sie erfährt, dass Edward Waise ist. Immerhin interessiert sie sich für alles, aus dem sich menschlichen Schwächen und Abgründe speisen. Überzeugen kann der Gast aus New York die Waffensammlerin außerdem mit einem antiken Messer, das er für sie extra in Paris erworben hat. Unter einer Bedingung willigt sie ein, sich ein letztes Mal in die Welt Tom Ripleys zu begeben: Ridgeway muss ihr dabei helfen, für die neue Geschichte den perfekten Mord zu ersinnen.
Patricia Highsmith, die oft als Königin des psychologischen Thrillers beschrieben wird, veröffentlichte insgesamt fünf Ripley-Romane. In „Ein Talent fürs Morden“ geht es um ein fiktives sechstes Buch. Die Grundlage des von Anton Corbijn („A Most Wanted Man“) inszenierten Films bildet das 2014 uraufgeführte Theaterstück „Switzerland“, dessen Autorin Joanna Murray-Smith auch das Drehbuch verfasste. Zahlreiche Inspirationen lieferte zudem Highsmiths Werk selbst.
Schon die Begegnung zwischen Edward und der jungen Amerikanerin Clementine Balfour (Olivia Cooke) in einer Schweizer Bahn, die wir gleich in den ersten Minuten miterleben, lässt an den 1950 erschienenen Debütroman „Zwei Fremde im Zug“ denken, den Alfred Hitchcock nur wenig später für die große Leinwand adaptierte. Verweise auf andere Schöpfungen der Schriftstellerin, ihre literarischen Vorlieben, ihre fast obsessive Leidenschaft für das Böse im Menschen durchziehen „Ein Talent fürs Morden“ wie ein roter Faden.
Ausgehend von der Bühnenvorlage, präsentiert sich die Adaption zunächst als Kammerspiel mit humorvollen Zwischentönen. In der Abgeschiedenheit der verwinkelten Hütte prallen zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander. Auf der einen Seite die von Helen Mirren lustvoll zynisch und schroff verkörperte Schreiberin, deren Blicke töten können, die den Kontakt zur Welt offenbar ganz bewusst auf das Mindeste reduziert. Eine Misanthropin, wie sie im Buche steht. Auf der anderen Seite ein verunsicherter, höflicher junger Mann, der trotz aller Tiraden die Fassung zu bewahren versucht. Im Raum steht auch die Frage, ob von Highsmith womöglich Gefahr ausgehen könnte. Denn was mit Edwards Vorgänger geschehen ist, bleibt nebulös.
Aufgebrochen wird das Zwei-Personen-Arrangement, als Autorin und Besucher damit beginnen, sich Gedanken über eine neuen Roman zu machen. Ab diesem Punkt verschwimmen die Ebenen, taucht Ehrenreich plötzlich auch als Antiheld der neuen Geschichte auf, wird quasi zu Tom Ripley, der eine von Olivia Cooke gespielte, ebenfalls Clementine heißende reiche Erbin umgarnt. Ein Psychoduell mit komödiantischen Spitzen weitet sich zu einem Thriller mit Sex-and-Crime-Zutaten aus. Die Sehnsucht nach einem besseren, aufregenderen Leben, die aus den Ripley-Büchern der echten Highsmith spricht, kommt zum Vorschein, ist Teil eines elegant bebilderten Spiels um Wahrheit und Fiktion. Eines Spiels, bei dem Alden Ehrenreich mit Doppelbödigkeit glänzen kann. Neben dem verhuschten Lektor beherrscht der US-Darsteller auch den kühl kalkulierenden, skrupellosen Ripley-Doppelgänger. Dass „Ein Talent fürs Morden“ unter dem Strich nicht die psychologische Tiefe der Highsmith-Bücher erreicht und weniger raffiniert gebaut ist, als es zwischendurch scheinen mag, tut dem Unterhaltungswert schon wegen der starken Schauspielleistungen keinen großen Abbruch.
Christopher Diekhaus







