Sehr unterhaltsam, lustig, einfallsreich und ziemlich spannend – ein Film für die ganze Familie: Das fantasievolle Animationsabenteuer ist toll gemacht und verbindet ein gutes Tempo sowie viele herrlich schräge Einfälle mit einer warmherzigen Coming-of-Age-Geschichte über Freundschaft, Abschied und all das, was Menschen miteinander verbindet.
Über den Film
Originaltitel
Forgotten Island
Deutscher Titel
Forgotten Island
Produktionsland
US
Filmdauer
109 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Mark Swift
Regisseur
Januel Mercado
Verleih
Universal Pictures International Germany GmbH
Starttermin
08.09.2026
Jo und Raissa sind beste Freundinnen und seit ihren Kindertagen unzertrennlich. Raissa ist eher ruhig und manchmal auch ein bisschen ängstlich, während die spontane Jo den größtmöglichen Gegensatz zu Raissa darstellt. Vor allem ist Jo alles andere als ein braves Mädchen, so dass Raissa dank ihr viel Neues lernt – und nicht immer was Gutes. Zusammen ergänzen sich die beiden perfekt, doch nach dem Ende der Highschool steht die Trennung bevor: Ihre Lebenswege führen in unterschiedliche Richtungen. Doch bevor es so weit ist und Raissa am Morgen zum Studium in die ferne Uni-Stadt reist, wollen die beiden noch ein letztes Mal so richtig Party machen. Ausgerechnet in dieser letzten gemeinsamen Nacht geraten die beiden durch ein geheimnisvolles Portal auf die Insel Nakali. Dort ist wenig so, wie es zunächst scheint. Die fantastische Welt wird von Wesen bevölkert, die Jo aus den Mythen ihrer philippinischen Familie kennt – manche dieser Gestalten sind freundlich, manche ausgesprochen gefährlich und fast alle ziemlich eigenwillig. Zu den neuen Gefährten der Freundinnen gehört Raww, ein im Grunde sehr gutmütiger Werhund, dessen Hilfsbereitschaft deutlich größer ist als sein Geschick. Wenn er ein Stöckchen sieht, dann verliert er sofort die Kontrolle.
Natürlich haben Jo und Raissa nur eines im Sinn: so schnell wie möglich zurückzukommen. Der Weg zurück ist aber deutlich schwieriger als gedacht. Auf Nakali droht Jo und Raissa nicht nur die gefürchtete Manananggal. Die Insel verlangt einen weit höheren Preis: Je länger die beiden bleiben, desto mehr stehen ihre gemeinsamen Erinnerungen auf dem Spiel. Damit erhält die Flucht nach Hause eine sehr persönliche Dringlichkeit. Denn was bleibt von einer Freundschaft, wenn man sich an all das, was sie ausmacht, nicht mehr erinnern kann?
Joel Crawford und Januel Mercado, die bereits bei „Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch“ zusammenarbeiteten, führen hier erstmals gemeinsam Regie und bauen ihr Konzept auf einer erfreulich einfachen, aber wirkungsvollen Idee auf: eine temporeiche Abenteuergeschichte über zwei Mädchen in einer farbenfrohen Fantasy-Umgebung. Die Freundschaft der beiden Heldinnen ist keine bloße Zugabe zum Spektakel, sondern ihr Motor. Jo möchte die Freundin unbedingt festhalten, aber Raissa will und muss weitergehen – ein Konflikt, der ohne große Erklärungen verständlich ist. Das Drehbuch nimmt diese Gefühle ernst, ohne den Film mit Sentimentalität oder übertriebener Gefühlsduselei zu belasten. Stattdessen wechseln sich Gefahr, Komik, Aufregung und ruhigere Momente so geschickt ab, dass die Geschichte auch dann in Bewegung bleibt, wenn an der nächsten Ecke keine Verfolgungsjagd wartet.
Besonders viel Spaß macht die Insel selbst. Nakali ist kein beliebiges Fantasy-Reich, sondern schöpft aus der philippinischen Mythologie, mit der sich die beiden Regisseure eng verbunden fühlen. Damit erhält der Film eine ganz besondere und sehr originelle Bild- und Figurenwelt. Die Erinnerungsdämonin Manananggal und andere Fabelwesen sorgen für eine gelungene, witzige Mischung aus Staunen, leichtem Grusel und einem hübsch anarchischen Humor. DreamWorks als Label ist inzwischen schon ein Garant für inhaltliche, künstlerische und cineastische Qualität – und das gilt hier einmal mehr. Bis ins kleinste Detail durchdacht und liebevoll konstruiert sind hier die zahlreichen Nebenfiguren in einer sehr kreativen und höchst merkwürdigen Umgebung voller Sagen, Mythen und Legenden. Crawford und Mercado nutzen die Mythologie aber nicht als exotische Dekoration: Sie gehört ganz selbstverständlich zur Familiengeschichte der Hauptfiguren und damit zu ihrer Identität. Diese Verbindung von kultureller Überlieferung und moderner Freundschaftsgeschichte verleiht dem Film zusätzlich einen großen Reiz und gibt ihm ein sehr sympathisches Profil.
Dabei darf es gelegentlich auch mal erfreulich albern zugehen. Raww ist mit seiner tollpatschigen Hilfsbereitschaft ein zuverlässiger Lieferant für komische Situationen, ohne dass er dabei zum reinen Stichwortgeber wird. Überhaupt verfügt der Film über ein gutes Timing: Pointen werden nicht endlos ausgestellt, die Gags wenden sich oft an Kinder, manche vor allem an Erwachsene, aber es passiert dauernd was. Gleichzeitig entwickeln die Regisseure einige erstaunlich spannende Passagen, nicht nur für Kinder. Die Bedrohungen auf Nakali sind teilweise ziemlich gruselig, auch wenn sie meistens nur kurz andauern. Das rechtfertigt die Freigabe ab 12 Jahren, wobei bekanntlich auch schon Kinder ab 6 Jahren den Film sehen können, wenn sie in Begleitung von Erwachsenen sind. Die Action bleibt einigermaßen übersichtlich, und die wie immer bei DreamWorks niveauvolle und aufwändige Animation kann sowohl bei den turbulenten Bewegungsabläufen als auch bei den vielen kleinen Details der Insel punkten.
Dass hinter all dem Trubel und dem ganzen tolldreisten Abenteuer eine Geschichte über Freundschaft und Veränderung steckt, macht „Forgotten Island“ zu einem Film, der mehr ist als eine kurzweilige Familienunterhaltung. Jo und Raissa erkennen, dass Nähe nicht davon abhängt, immer zusammen zu sein. Ihre Erinnerungen sind hier Teil ihrer gemeinsamen Geschichte – und damit überaus wertvoll, aber noch lange kein Grund, vor der Zukunft davonzulaufen oder sich an dem festzuklammern, was einmal war. Und das ist eine kluge Idee, auch für Erwachsene.
Gaby Sikorski







