Neben gesellschaftspolitischen Filmen wie „Aus dem Nichts“ hat sich der inzwischen 53jährige Fatih Akin immer wieder dem Beziehungsdrama gewidmet und dabei auch nicht vor extremen Pathos zurückgeschreckt, das bisweilen zu Kitsch wurde. So überzeugt auch sein neuer Film „Geiste“ durch große Emotionen, die immer wieder aus den Fugen zu geraten drohen, am Ende aber von den zwei herausragenden Hauptdarstellern geerdet werden.
Über den Film
Originaltitel
Geister
Deutscher Titel
Geister
Produktionsland
DE
Filmdauer
106 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Fatih Akin, Herman Weigel, Ann-Kristin Homann, Ann-Kristin Bardi
Regisseur
Fatih Akin
Verleih
Warner Bros. Entertainment GmbH
Starttermin
05.11.2026
Hoch über Hamburg lernen sie sich kennen: Faris (Eren M. Güvercin) und Farasha (Miriam Dawoud), zwei Abiturienten, die zu den besten ihres Jahrgangs zählen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, binnen weniger Filmminuten haben sich zwei gefunden, die zusammenbleiben werden – auch über den Tod hinaus.
Denn der wird die Liebesgeschichte beenden, bevor sie auf Erden richtig begonnen hat. Auf der Heimfahrt mit einigen Freunden landet der Wagen im Hafenbecken und Farasha stirbt. Während Faris von tiefer Trauer erfüllt ist und an dem Verlust zu zerbrechen droht, befindet sich Farashas Seele in einem Zwischenreich. Sie weigert sich, Faris endgültig loszulassen und sucht verzweifelt nach einem Weg, wieder Kontakt zu ihm aufzunehmen.
Eine Möglichkeit bietet sich ihr: Als Geist kann sie in Faris’ Traumwelt eintreten, doch nur für begrenzte Zeit. 40 Nächte, so lang wie für viele Muslime die traditionelle Trauerzeit dauert, kann sie die Zeit mit ihrem Geliebten verbringen, die sie in der Realität nicht hatten.
In den Träumen erschaffen sich Faris und Farasha eine eigene Realität, die von Nacht zu Nacht realer und leidenschaftlicher wird. Doch diese spirituelle Verbindung birgt Gefahren: Für Faris verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Imagination immer mehr, der Wunsch in der Traumwelt zu leben und dort mit Farasha zusammen zu sein wird immer stärker – und damit auch die Gefahr, sich so sehr von der Realität zu entfremden, dass die Wirklichkeit nicht mehr lebenswert erscheint.
Nach Jahren der Abwesenheit hat Fatih Akin mit „Geister“ wieder einen Film in seiner Heimatstadt Hamburg gedreht, eine Rückkehr, die ihn in vielerlei Hinsicht inspiriert zu haben scheint. Visuell schöpft er aus dem Vollen, inszeniert traumhafte Bilder, in denen die Elbmetropole so schön und magisch erscheint, wie es sich das Stadtmarketing nicht besser wünschen konnte. Flirrend wirken die Bilder oft, unterlegt mit oft orientalischer Musik, die mitreißt und manche Unebenheit vergessen lässt.
Denn auch in „Geister“ erweist sich Akin als Regisseur, der lieber zu viel als zu wenig macht, der lieber noch eine Idee in seinen Film einbringt, als auf einen Einfall zu verzichten. Überbordend wirkt das oft, passt damit aber auch zu der exzessiven Liebesgeschichte, die sich Akin zusammen mit seiner Co-Autorin Ruth Toma ausgedacht hat.
Man mag hier ein wenig an die Filme von Christian Petzold denken, an seinen „Gespenster“, der auf visuell ähnlich interessante Weise das Nachwende-Berlin zeigte wie Akin es hier mit Hamburg tut. Ein Hang zum Übernatürlichen ist beiden Filmen inne, ebenso wie dem jüngsten Tom Tykwer-Film „Das Licht“, der sich ebenfalls von muslimischen Traditionen inspirieren lies und gleich komplett in einer Zwischenwelt spielte.
Ebenso wie Tykwer hat auch Akin einen Hang zum Pathos, der manchmal zum Kitsch zu werden droht, passenderweise hat Akin hier zum ersten Mal mit Tykwers Stammkameramann Frank Griebe zusammengearbeitet. Da hilft es, dass Akin mit Eren M. Güvercin und Miriam Dawoud zwei junge Schauspieler gefunden hat, die gleichzeitig große Gefühle spielen, aber doch auch dafür sorgen, dass „Geister“ trotz seiner übernatürlichen Thematik nicht die Bodenhaftung verliert.
Michael Meyns







