Gentle Monster

Ein heikles Thema hat die österreichische Regisseurin Marie Kreuzer für ihren neuen Film „Gentle Monster“ gewählt: Den Vorwurf der Verbreitung von Kinderpornographie. Auf erzählerisch komplizierte Weise umkreist Kreuzer ihr Thema, verzettelt sich dabei jedoch in einem überdeterminierten Konstrukt, dem selbst die starke Besetzung nur wenig Leben verleihen kann.

 

Über den Film

Originaltitel

Gentle Monster

Deutscher Titel

Gentle Monster

Produktionsland

AUT, DEU, FRA

Filmdauer

114 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Johanna Scherz, Alexander Glehr

Regisseur

Marie Kreutzer

Verleih

Alamode Filmdistribution oHG

Starttermin

17.09.2026

 

Die Französin Lucy (Léa Seydoux) lebt mit ihrem österreichischen Mann Philip (Laurence Rupp) in der Nähe von München auf dem Land. Abseits der Stadt hat das Künstlerpaar – sie spielt bekannte Popsongs in experimenteller Form am Klavier nach, er drehte einst künstlerisch ambitionierte Dokumentarfilme, hat nun jedoch auf weniger ambitionierte, dafür besser bezahlte TV-Filme umgesattelt – eine Oase der Ruhe für sich und den gemeinsamen Sohn Johnny (Malo Blanchet) geschaffen, die vom Besuch der Polizei erschüttert wird.

Die junge Ermittlerin Else Kühn (Jella Haase), steht mit ihrer Einheit vor der Tür und nimmt Philips Computer und Festplatten mit. Der Vorwurf lautet Besitz und Verbreitung von Kinderpornographie, die Beweise sind so stark, dass aus dem Verdacht bald Gewissheit wird. Entsetzt wendet sich Lucy von Philip ab, zumal der Verdacht im Raum steht, dass er möglicherweise auch Johnny missbraucht hat.

Doch so sehr sie angeekelt von Philip ist, in ihrem Herzen möchten Lucy glauben, dass es eine rationale Erklärung gibt, dass ihr Mann kein Pädophiler ist. Zu gerne glaubt sie zunächst, dass Philip die Daten zur Recherche für einen Dokumentarfilm heruntergeladen hat, doch lange lässt sich diese Erklärung nicht aufrechterhalten.

Abgesehen vom Vorwurf des Antisemitismus dürfte es nichts geben, dass einen Ruf, eine Karriere, ein Leben so schnell zerstören kann, wie der Vorwurf des Kindesmissbrauchs. Die österreichische Regisseurin Marie Kreuzer ist in ihrem siebten Spielfilm – mit dem sie zum ersten Mal in den Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes eingeladen war – weniger daran interessiert, wie ein möglicher Täter mit solchen Vorwürfen umgeht, sondern wie sein Umfeld, vor allem die Frau an seiner Seite, auf diese extreme Situation reagiert.

Zu diesem Zweck lässt sie die Schuldfrage im Unklaren, streut Verdächtigungen und mögliche Hinweise auf eine Entlastung, kreiert ein Geflecht des Misstrauens, aus dem es kaum einen Ausweg zu geben scheint. Gewissheit kann es jenseits eines Geständnisses von Philip für Lucy kaum gehen, Momente aus der Vergangenheit wirken angesichts der Vorwürfe auf einmal ganz anderes, fieberhaft durchsucht Lucy ihre Erinnerung nach Hinweisen, doch am Ende muss sie eine Entscheidung treffen.

Um den Konflikt, vor dem Lucy steht, zu vertiefen, macht Kreuzer die Figur der Polizisten Elsa größer als es eigentlich nötig wäre. Auch Elsa kennt einen Mann, der sich vermutlich missbräuchlich verhält, in ihrem Fall ist es ihr dementer Vater (Sylvester Groth), der seine osteuropäische Haushälterin belästigt. Und so wie Lucy, sucht auch Elsa nach Erklärungen, nach Entschuldigungen, versucht Argumente zu finden, die ihr erlauben zu glauben, dass die Dinge vielleicht doch ganz anders liegen.

Doch während Léa Seydoux in der Haupthandlung viel Raum für expressive schauspielerische Momente bekommt, wirkt die Nebenhandlung seltsam unterentwickelt, zumal Jella Haase erstaunlich blass agiert. Nicht der einzige Aspekt des Drehbuchs, der zu gewollt erscheint, zu sehr wie ein Baustein in einem Konstrukt, das moralische Fragen anreißen will, ohne sie wirklich auf den Punkt zu bringen und schon gar nicht zu beantworten.

Aus einem interessanten Ansatz wird so ein allzu akademisches Drama, in dem sich sonst überzeugende Darsteller etwas verloren durch ein überkonstruiertes Drehbuch bewegen.

 

Michael Meyns

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