Heart of Light: Eleven Songs for Fiji

Seit mindestens 40 Jahren hat die britische, seit langem in Berlin lebende Filmemacherin Cynthia Beatt über einen Film über Fiji nachgedacht, dem Inselstaat in Ozeanien, wo sie viele Jahre ihrer Kindheit verbrachte. Dementsprechend berstet das nun fertig gestellte Ergebnis „Heart of Light – eleven songs for Fiji“ vor Ideen, Fährten und Assoziationen, die in einer Mischung aus Spiel- und Essayfilm zusammengefügt und von der Erzählerstimme Tilda Swintons zusammengehalten werden.

 

Über den Film

Originaltitel

Heart of Light: Eleven Songs for Fiji

Deutscher Titel

Heart of Light: Eleven Songs for Fiji

Produktionsland

DE, FR

Filmdauer

166 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Cynthia Beatt, Philippe Avril

Regisseur

Cynthia Beatt

Verleih

Filmgalerie 451 GmbH & Co. KG

Starttermin

01.10.2026

 

Auf Jamaika wurde sie geboren, als sie zehn Jahre alt war zog die Familie auf die Fidschi-Inseln, die damals, Ende der 50er Jahre, noch Teil des ausufernden britischen Kolonialreiches waren. Beatts Vater war Polizist in der Kolonialverwaltung, privilegiert wuchs Beatt also auf, zog später nach London, wo sie Kunst studierte und dann, wie so viele angelsächsische Künstler der Zeit, Mitte der 70er Jahre nach Berlin zog, in die Frontstadt des Kalten Krieges.

Dort lebt und arbeitet Beatt seitdem, lernte Mitte der 80er Jahre auf der Berlinale Tilda Swinton kennen, die eine langjährige Freundin wurde und in diversen der meist experimentellen filmischen Arbeiten Beatts auch vor der Kamera stand. Vor und nach dem Mauerfall entstanden so zwei Dokumentarfilme namens „Cycling the Frame“ und „The Invisible Frame“, die Swinton zeigen, wie sie auf dem Fahrrad entlang der Mauer fährt, die beim ersten Mal noch steht, beim zweiten Mal nicht mehr, bzw. nur noch in den Köpfen.

Schon diese Beschreibung lässt ahnen, dass es Beatt in ihren Filmen nicht nur um das geht, was sie mit einer dokumentarischen Kamera filmen kann, sondern vor allem auch um das, was nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, um Stimmungen und Schwingungen, um die Last der Geschichte und ihre oft unsichtbaren Folgen.

Wenn sich Beatt nun, mit Mitte 70, noch einmal dem Land widmet in dem sie prägende Jahre ihrer Kindheit verbracht hat, geschieht dies natürlich mit einem Blick, der vom postkolonialen Denken geprägt ist, dem bewusst ist, dass sie als weiße Europäerin nach Ozeanien fährt, als privilegierte Person, die auf eine Gesellschaft blickt, die Jahrzehntelang Kolonie war.

Sicher auch wegen seiner Randlage, den kaum vorhandenen Rohstoffen, die hätten ausgebeutet werden können, war das Los der Menschen auf Fidschi zwar bei weitem nicht so hart und oft tragisch, wie das der Kolonialvölker auf dem afrikanischen Kontinent, in Südamerika oder Indien, die Spuren der britischen Kolonialherrschaft sind dennoch auch heute mehr als fünf Jahrzehnte nach Ende der Kolonialzeit immer noch sichtbar.

Manche Viertel der Hauptstadt Suva sind deutlich geprägt von der Kolonialarchitektur, dass im industriellen Maßstab Zuckerrohr angebaut wird, ist eine unmittelbare Folge der Kolonialzeit, auch das Schulsystem ist britisch geprägt. Doch Beatt geht es nicht um eine systematische Darstellung des Lebens auf Fidschi, sondern um einen betont subjektiven, assoziativen Blick.

In elf Kapiteln, die sie Stanza nennt, bewegt sie sich mit ihrer Kamera über die Insel, stets bemüht, touristische Motive zu vermeiden. Von den spektakulären Sandstränden oder Berglandschaften, die Luxusreisende anziehen ist kaum etwas zu sehen, stattdessen steht das normale Leben im Mittelpunkt, Märkte und Plantagen, Frauen, die auf traditionelle Weise Körbe flechten, Fischer, Bauern.

Als Hauptfigur fungiert Iona, ein Alter Ego der Regisseurin, eine Frau, die nach langen Jahren der Abwesenheit wieder in das Land ihrer Kindheit zurückkehrt, sich gleichermaßen heimisch und fremd führt. Gespielt wird diese Frau von Tilda Swinton, die allerdings nur ganz am Ende des über zweieinhalb Stunden langen Films tatsächlich auch selbst in Erscheinung tritt. Die meiste Zeit hört man nur Swintons unverkennbare Stimme, die über ihre Erfahrungen sinniert und die losen, impressionistischen Bilder zusammenhält. Eine ungewöhnliche Form ist dadurch entstanden, ein Dokumentarfilm, mit teilweise deutlich inszenierten Szenen, ein autobiographischer Film, allerdings auf Umwegen, zusammengenommen ein Essayfilm, der vielschichtige Fragen leichtfüßig und doch komplex behandelt.

 

Michael Meyns

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