Die anmutige lautet die Übersetzung von „La Graciosa“, ein interessanter Name für eine größtenteils von Geröll und Sand bedeckte Insel, die Teil der Kanaren ist und als solche auch Urlaubsziel der in Berlin lebenden Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies. Die haben ihrem Urlaubsdomizil nun einen Film gewidmet, der mal touristisch die Schönheit des Eilands zeigt, mal kritisch auf die sich verändernden Lebensumstände der Bewohner eingeht.
Über den Film
Originaltitel
La Graciosa – Kanarische Träume
Deutscher Titel
La Graciosa – Kanarische Träume
Produktionsland
DEU
Filmdauer
115 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Karin Kaper
Verleih
Karin Kaper Film
Starttermin
15.10.2026
Keine 30 qm² ist La Graciosa groß und damit mit Abstand die kleinste der bewohnten Inseln der Kanaren. In Sichtweite von Lanzarote gelegen, leben weniger als 1000 Menschen auf der Insel, die dadurch lange Zeit von der Entwicklung des Tourismus auf der zu Spanien gehörenden Inselgruppe verschont blieb.
In diesen Jahren entdeckten auch Karin Kaper und Dirk Szuszies die Insel, als schwer zu erreichender Urlaubsort, der den Theatermachern und Filmemachern als Refugium abseits ihrer Wahlheimat Berlin bot. Dort widmet sich das Duo meist schweren Themen wie Flucht und Vertreibung, hat mit „Wir sind Juden aus Breslau“ auch einen Film über jüdisches Leben gedreht und hat mit „La Graciosa“ nun einem leichteren, fast privaten gedreht, der aber doch auch ein universelles Sujet behandelt.
Dass sie als Fremde auf die Kanaren-Insel blicken ist nicht zu übersehen, auch wenn Kaper und Szusies als regelmäßige Besucher viele Freunde und Bekannte auf La Graciosa gefunden haben. Dass dennoch kein touristischer Blick entsteht, liegt nicht zuletzt daran, dass es auf der kleinen Insel wenig touristisches zu entdecken gibt. Keine bemerkenswerten Bauten, so wie die Gebäude des kanarischen Künstlers und Architekten César Manrique, die ein Highlight von Lanzarote sind, und auch keine spektakulären Landschaften.
Was La Graciosa stattdessen zu bieten hat ist ein authentisch wirkendes Leben, das sich lange Jahre abseits der ohnehin schon abseits gelegenen Kanaren entwickeln konnte. Fanden jedoch einst nur wenige Touristen und Aussteiger den Weg nach La Graciosa, ist die Insel inzwischen ein beliebtes Ziel für Tagestouristen geworden, die mit der regelmäßigen Fährverbindung für ein paar Stunden herüberkommen, durch die breiten, nicht asphaltierten Straßen des winzigen Dorfes schlendern und nachmittags wieder verschwinden.
Von Massentourismus kann man zwar nicht sprechen, die Folgen einer Entwicklung, die inzwischen weltweit beklagt wird, lassen sich jedoch auch hier feststellen. Gerade in Spanien wird seit längerem gegen die Folgen des modernen Tourismus protestiert, der die Lebenshaltungskosten für Einheimische steigen lässt, der durch die Umwandlung von Wohnungen in Ferienunterkünfte zu einem Mangel an Wohnungen und einem Ansteigen der Mieten führt und dazu beiträgt, das traditionelle Leben, das erst Anlass des Tourismus war, langsam zu verändern.
Von diesen Entwicklungen erzählen auch Karin Kaper und Dirk Szuszies in ihrem Film, lassen alte und neue Bewohner der Insel zu Wort kommen, deuten erwünschte und unerwünschte Veränderungen an. Besonders interessant wirken die Erzählungen einer Historikerin, die sich mit der Geschichte der Insel auseinandersetzt. Ihre Berichte geben in Verbindung mit historischem Bildmaterial einen Einblick in die Veränderungen auf La Graciosa, einer einst ärmlichen, nur von Fischern bewohnten Insel, die sich langsam veränderte, wo die Moderne Einzug hielt und die Traditionen verschwanden.
Ein nachdenklicher, melancholischer Blick, der zur Einsamkeit passt, die man auf La Graciosa immer noch finden kann, zumindest abends, wenn die Tagestouristen verschwunden sind.
Michael Meyns







