Basierend auf wahren Gegebenheiten erzählt das Drama vom jungen Soldaten Ernst Schrämli aus St. Gallen, der 1942 als Landesverräter zum Tode verurteilt und erschossen wird. Der naive Bauernsohn träumt von einer Karriere als Sänger. Damit wird er ein leichtes Opfer für den Nazi-Spion August Schmid, der dem 23-Jährigen vollmundige Versprechen für eine Karriere in Berlin macht. Als Gegenleistung soll er Skizzen von Artilleriestellungen anfertigen und Granaten aus einem Waffenlager entwenden. Das Drama wird recht konventionell und mit Schweizer Langsamkeit erzählt. Schauspielerisch kann es umso mehr punkten: Der leinwandpräsente Newcomer Dimitri Krebs erhielt für seine erste Rolle prompt den Schweizer Filmpreis. Die zu Recht schwer angesagte Luna Wedler wurde mit dem Hannelore-Elsner-Preis prämiert.
Über den Film
Originaltitel
Landesverräter
Deutscher Titel
Landesverräter
Produktionsland
CH, DE
Filmdauer
117 min
Produktionsjahr
2024
Regisseur
Michael Krummenacher
Verleih
Across Nations Filmverleih UG
Starttermin
03.09.2026
„Das Boot ist voll“, schwadronierte die Schweiz anno 1942, um jüdische Flüchtlinge abzuweisen. Und es gibt weitere braune Flecken auf der vermeintlich weißen Weste der Eidgenossen. Beim Profit war schnell Schluss mit jener gerne vollmundig postulierten Neutralität: Rüstungsgüter wurden bis Kriegsende nach Nazi-Deutschland geliefert. Das Tabuthema wird in dem historischen Drama aufklärend gestreift, im Fokus steht freilich der wahre Fall des jungen Soldaten Ernst Schrämli (Dimitri Krebs). Der Bauernsohn ist der erste von insgesamt 17 Landesverrätern, die in der Schweiz zwischen 1942 und 1945 hingerichtet wurden.
„Wenn du mir wehtust, bring ich dich um!“, zischt die junge Gerti (Luna Wedler). Sie ist schwer verknallt in den 23-jährigen Ernst. Und er ist Feuer und Flamme für die attraktive Tochter des Fabrikbesitzers. Beide lieben die Freiheit und sie verachten die Mächtigen. „Lieber tot als ein Sklave!“, skandieren sie gemeinsam in der Textilfabrik vor den Arbeitern. Dem Betriebsleiter ist das ganz und gar nicht recht. Zumal auch er ein Auge auf die hübsche Gerti geworfen hat. Seine unerwiderten Gefühle werden noch fatale Folgen nach sich ziehen.
Der naive Ernst hat so manche Päckchen zu tragen. Vom störrischen Vater schon lange verstoßen, ist jeder neue Versöhnungsversuch zum Scheitern verurteilt. Sein Vormund, der örtliche Polizist, verliert gleichfalls die Geduld mit seinem chronisch aufmüpfigen Schützling, der wenig von seinem Militärdienst und noch weniger von einer Arbeit hält. Ernst träumt lieber von einer Karriere als Sänger. Und da kommt der Nazi-Spion August Schmid (Fabian Hinrichs) ins Spiel. Mit Versprechungen, ihn als Sänger in Berlin groß herauszubringen, ködert er den naiven Schweizer. Leicht lässt er sich mit ein paar Geldscheinen überreden, militärische Geheimnisse zu liefern. „Du musst dich von mir fernhalten!“, wird der Deutsche ihn später im Rausch einmal warnen. Für gute Ratschläge hat der rebellische Ernst freilich noch nie ein offenes Ohr gehabt.
Regisseur Michael Krummenacher („Der Räuber Hotzenplotz“) erzählt sein historisches Drama recht konventionell und mit Schweizer Langsamkeit. Die Figuren samt ihrer Konflikte wirken nicht selten arg klischeehaft und durchleben viel zu wenig Wandlungen. Was es mit der Freundschaft zum besten Kumpel Maxli (Jonathan Ferrari) auf sich hat, bleibt so unerklärt wie die Liebe zu Gerti oder die verkappte Verführung durch den schillernden Nazi. Den hölzernen Dialogen steht ein pathetischer Soundtrack gegenüber, von den gefühlt ins Bild geschubsten Statisten ganz zu schweigen. Wenn zum Schluss zur Hinrichtung alle Beteiligten als Gesamtchor gemeinsam dasselbe Lied trällern, wirkt die Sache eher absurd und angestrengt statt verspielt verfremdend. Gut punkten kann das Drama mit der Besetzung. Dimitri Krebs, der noch nie vor der Kamera stand, gibt den naiven Taugenichts mit großartiger Leinwandpräsenz, für die er einen Schweizer Filmpreis bekam. Luna Wedler, das charismatische Schauspiel-Chamäleon, präsentiert sich auch hier wieder wunderbar wie immer. Der Hannelore-Elsner-Preis ist hochverdient. Mit so wenig Leinwandzeit so viele wahrhaftige Gefühle zu produzieren, braucht es schon echte Starqualitäten!
Dieter Oßwald







