LifeHACK

Neues aus der Welt des Desktop-Films: Mit dem Heist-Movie „LifeHack“ erreicht ein Thriller die deutschen Leinwände, dessen Handlung sich ausschließlich auf Computer- und Handybildschirmen abspielt. Seit geraumer Zeit fängt diese vor allem im Horror- und Spannungsgenre angesiedelte Form der Präsentation den Einfluss digitaler Geräte und Medien auf unseren Alltag ein. In „Searching“ aus dem Jahr 2018 entsprang aus dem beschränkenden Konzept eine packende und aufwühlende Vermisstensuche. Nicht zuletzt, weil wir dort plastischen Figuren folgen konnten. Genau hier wird es im Fall von „LifeHack“ problematisch.

 

 

Über den Film

Originaltitel

LifeHACK

Deutscher Titel

LifeHACK

Produktionsland

GBR

Filmdauer

97 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Joann Kushner, Timur Bekmambetov, Alexandr Kletsov

Regisseur

Corrigan, Ronan

Verleih

STUDIOCANAL GmbH

Starttermin

10.09.2026

 

Schon während der Covid-19-Lockdowns entwickelte der irische Filmemacher Ronan Corrigan das Konzept für sein Debütwerk „LifeHack“, das schließlich 2025 beim South-by-Southwest-Festival im texanischen Austin seine Uraufführung feierte. Der Thriller gehört zur Gattung des sogenannten Desktop- bzw. Screenlife-Films, einer seit rund zehn Jahren häufiger erprobten Spielart im Horror- und Spannungskino. Deren Besonderheit: Alles, was das Publikum zu sehen bekommt, findet auf Computer- und/oder Handybildschirmen statt. Eine Form der Darstellung, die selbstredend den immer größeren Einfluss digitaler Tools auf unser Leben widerspiegelt. 

 

„LifeHack“, unter anderem produziert von Timur Bekmambetov, einem Pionier des Desktop-Films, dreht sich um den Teenager Kyle (Georgie Farmer) und seine Freunde Alex (Yasmin Finney), Sid (Roman Hayeck-Green) und Petey (James Scholz), die offenbar jede Minute ihrer freien Zeit im Internet verbringen und sich dort einem höchst riskanten Hobby widmen. Dank ihrer technischen Fähigkeiten und Kenntnisse stellen sie Betrüger bloß, decken Lücken auf und dringen aus Spaß in geheime Sicherheitssysteme ein. Das alles geht so lange gut, bis sie das Krypto-Imperium des dubiosen Tech-Unternehmers Don Heard (Charlie Creed-Miles) angreifen. Dessen Tochter Lindsey (Jessica Reynolds) entlarvt die Clique und zwingt die Jugendlichen, da ihr der Geldhahn abgedreht wurde, für sie einen Teil von Daddys Vermögen abzuzweigen.

 

Zuschauer, die selbst keine leidenschaftlichen Hacker sind, dürften, wenigstens zu Beginn, Schwierigkeiten haben, sich im Film zurechtzufinden. Kyle und seine Mitstreiter, die sich in einem Chat austauschen, klicken wie wild herum. Immer wieder poppen neue Fenster auf, die dann nur für einen Sekundenbruchteil zu sehen sind. Genau nachzuvollziehen, was hier geschieht, was die Protagonisten machen, ist schier unmöglich. Hat sich der Plot dann aber einmal herausschält, kann man dem Geschehen leichter folgen. Sehr anschaulich zeigt Regisseur und Drehbuchautor Ronan Corrigan auf, wie selbst unverfänglich scheinende persönliche Informationen, die durch das Netz geistern, als Waffen eingesetzt werden können. Mit allem, was wir posten, machen wir uns potenziell angreifbar, ist eine der Botschaften von „LifeHack“. Sicherlich keine neue Erkenntnis, angesichts des unbedachten Handelns vieler Menschen kann es allerdings nicht schaden, diesen Punkt überdeutlich zu betonen.

 

Spannungstechnisch kommt Corrigans Erstlingsarbeit, eine Art „Ocean’s Eleven“ mit Gen-Z-Vibe, leider nur schleppend in die Gänge. Nervenkitzel erzeugt das Katz-und-Maus-Spiel trotz einiger Wendungen erst in der zweiten Hälfte, wenn es darum geht, in der analogen Welt in ein Büro einzudringen und wichtige Daten zu klauen. Vergleicht man „LifeHack“ mit dem 2018 veröffentlichten Desktop-Film „Searching“ (ebenfalls produziert von Timur Bekmambetov), wird klar, warum Letzterer stärker zu fesseln weiß. Der von Aneesh Chaganty inszenierte Vermisstenthriller, der John Cho als verzweifelten Vater auf der Suche nach der verschwundenen Tochter zeigt, behandelt seinen Protagonisten nicht stiefmütterlich, sondern zeichnet ihn plastisch und lebensecht. Ronan Corrigan wiederum legt Kyle und Co eher holzschnittartig an, verpasst den Hacker-Teenagern stereotype Eigenschaften und Motive. Durch das einschränkende Konzept ständig an diese flachen Figuren gefesselt zu sein, ist auf Dauer etwas ermüdend.

 

Christopher Diekhaus

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