Auf den ersten Blick scheint „Other Mommy“ ein Horrorfilm zu sein, den es so oder ähnlich schon häufiger gab. Auf den zweiten mag das auch noch so anmuten, aber wenn man sich auf den narrativen Flow einlässt, dann wird mehr daraus. Eine Geschichte, die nicht nur aus Sicht eines Kindes erzählt wird, sondern im Grunde anmutet, als würde ein sie ein Kind erzählen, inklusive der teils erratischen Sprünge. Wenn Kinder draufloserzählen, überspringen sie gerne mal was. So ähnlich fühlt sich das hier an, aber nicht, als ob Autor und Regisseur versagt hätten, sondern als ob es ein integraler Bestandteil der Geschichte ist.
Über den Film
Originaltitel
Other Mommy
Deutscher Titel
Other Mommy
Produktionsland
USA
Filmdauer
93 min
Produktionsjahr
2023
Produzent
Wan, James
Regisseur
Savage, Rob
Verleih
Universal Pictures International Germany GmbH
Starttermin
29.10.2026
Die siebenjährige Bela hat eine andere Mommy, die nachts aus dem Schrank kommt und mit ihr spielt. Als die andere Mommy auch tagsüber agiert und Belas Vater sie sieht, überschlagen sich die Ereignisse. Erst zweifelt seine Frau Ursula an dem, was er erzählt, aber dann hat auch sie eine Begegnung der unheimlichen Art. Die Familie flieht, aber kann sie der anderen Mommy jemals wirklich entkommen?
Der Film gehört ganz und klar der kleinen Arabella Olivia Clark. Sie ist es, die den Film tragen muss, und das tut sie, während Jessica Chastain und Jay Duplass in erster Linie Nebenfiguren sind. Beide akzeptieren sehr schnell die Existenz dieses Wesens, was ungewöhnlich erscheinen mag, aber sie haben auch beide früh eine Begegnung damit. Damit erhält der Film eine ganz andere Dynamik. Gemeinhin wäre es eher so, dass niemand dem Kind glaubt, während die Bedrohung immer weiter zunimmt. Hier jedoch bricht sie sich gleich Bahn und das in einigen Szenen, die vielleicht nicht unbedingt Jumpscares sind, aber mit einem echt gruseligen Flair daherkommen. Rob Savage findet hier auch Bilder, wie man sie im Genre nicht schon dutzendfach gesehen hat.
Dabei erzählt er sehr rasant. Er lässt kaum Raum zum Luftholen, weder seinen Figuren noch dem Publikum. Darunter leidet die Charakterisierung der älteren Protagonisten ein wenig. So sind der Konflikt den Ursula mit ihrer Mutter hat, aber auch die Probleme in der Ehe allenfalls angedeutet. Entsprechen hat auch Karen Allen als Jessica Chastains Mutter nicht viel zu tun. Chastain wiederum punktet dann am meisten, wenn sie nicht Ursula, sondern die andere Mommy ist. Sie hat dafür einen Gesichtsausdruck entwickelt, der alle Wärme und Güte verschwinden lässt, ja fast schon eine Karikatur ist.
Die Erzählweise des Films ist interessant. Ob nun bewusst oder als Nebeneffekt, der Film wirkt wie eine von einem Kind erzählte Geschichte. Dazu passt auch, dass Bela am Anfang von ihrem Leben erzählt, und es am Ende wieder tut – das hier sind im Grunde die Teile, die sie auslässt, als sie an eine neue Schule kommt.
Bemerkenswert ist, dass der Film in und um Dublin gedreht wurde, aber in Nordkalifornien spielt. Das merkt man nicht, ist aber durchaus von der Küstengegend beeindruckt, in der das Haus von Karen Allens Figur steht. In den USA kam der Film nicht besonders gut an. Vielleicht lag es am Marketing, vielleicht erschien er dem Publikum unentschlossen. Im Grunde ist „Other Mommy“ eine Mixtur aus Coming-of-Age-Drama, Beziehungsdrama, Horror- und Fantasyfilm. Die einzelnen Teile mögen nicht immer perfekt harmonieren, unterm Strich bleibt jedoch ein Film, der stimmungsvoll erzählt ist und seine Prämisse nicht ganz so abspielt, wie das bei dieser Art Film gemeinhin der Fall ist.
Peter Osteried







